Frankfurt - Sebastian Kehl merkte man an, dass er nur allzu gern noch einmal nach Berlin zum Endspiel fahren möchte. Zurück an jenen Ort, wo er nach dem triumphalen Sieg über die Bayern 2012 den Pokal in die Luft recken durfte. "Berlin ist immer noch ein Gänsehautgefühl", erlaubte der Kapitän des BVB noch in den Katakomben der Frankfurter Commerzbank-Arena einen Einblick in sein Innerstes. "Jeder, der schon mal da war, weiß, was es heißt, für Berlin alles zu geben!"

Einen ganz großen Schritt nach Berlin hat die Borussia mit dem 1:0-Erfolg bei Eintracht Frankfurt im Viertelfinale des DFB-Pokal in jedem Fall getan. Und damit auch die eigene Brust noch einmal ein Stück breiter gemacht. Nach den beiden Erfolgen in Braunschweig und Bremen war es in diesem Jahr Auswärtssieg Nummer drei in Serie, der auch für den Kapitän in die zuletzt gute Entwicklung nahtlos hinein passt. "Beim Sieg in Bremen haben wir schon zu vielen Dingen zurückgefunden, die unser Spiel ausmachen. Jetzt haben wir das in Frankfurt fortgesetzt. Wir standen sehr kompakt, haben wenig zugelassen. Und nach vorne sind wir immer eine echte Waffe", stellte Sebastian Kehl zufrieden fest.

Klopp: "Das kannst du nicht besser spielen"

Vor allem in der ersten Halbzeit hatte der BVB sich eine Reihe guter Chancen erspielt. "Da war ich sehr zufrieden mit der Mannschaft, vor allem mit unserem Umschaltspiel“, meinte Jürgen Klopp, "das kannst du besser nicht spielen“. Dortmund begegnete der offensiv ausgerichteten Eintracht mit Ruhe, Übersicht und schnellen Kontern, nutzte immer wieder die Räume auf den Halbpositionen und setzte vor allem Henrikh Mkhitaryan ein ums andere Mal gut ein. "Wir haben immer wieder Micki gefunden, er hatte wahnsinnig viel Platz und Raum“, staunte auch Kehl.

Weil aber der BVB seine Tormöglichkeiten wieder einmal nicht mit aller Konsequenz nutzte, blieb das Spiel "zu lange offen und Frankfurt latent gefährlich“, musste Jürgen Klopp eingestehen. So entwickelte sich die Partie zu dem, was Matchwinner Pierre-Emerick Aubameyang hinterher als "typisches Pokalspiel mit allem, was dazu gehört“ beschrieb.

Gefragt war auch auf Dortmunder Seite vor allem Kampfgeist und Leidenschaft, als die spielerische Linie nicht zu halten war. "Anfang der zweiten Hälfte haben wir den Faden verloren, die ersten 20 Minuten nach der Pause waren nix“, brachte es Klopp auf den Punkt. "In der zweiten Halbzeit waren wir eine zeitlang zu unruhig und haben zu viele lange Bälle gespielt", kritisierte auch Kehl. "Aber wir haben den Kampf angenommen“, hob der Routinier hervor.

Nach der Eintracht ist vor der Eintracht

Dieser Kampf ging teilweise an die Grenzen, auch wenn der BVB-Coach beschwichtigte: "Es ist nicht ungewöhnlich, dass auch mal Emotionen hoch kochen. Beide wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen." Vor allem Carlos Zambrano verstrickte Robert Lewandowski in ein hartes Privatduell, das von dem Stürmer vor allem eines erforderte - einen klaren Kopf. "Die Ruhe zu bewahren war für Robert in diesem Spiel und bei diesem Gegner eine echte Herausforderung. Wir haben ihm in der Halbzeit gesagt, dass er sich bloß nicht provozieren lassen soll“, berichtete Kehl.

Am Ende war alles vergessen, die Dortmunder zogen nach 90 umkämpften Minuten und dem goldenen Tor von Aubameyang (Interview) einen dicken Schlussstrich unter dieses Spiel - und werden nun ganz entspannt verfolgen, was die Konkurrenz im DFB-Pokal treibt. "Wir werden uns die anderen Spiele genüsslich anschauen und dann mal sehen, was die Los-Fee Hansi Flick uns bringt“, schmunzelte Kehl. Und schickte für das Halbfinale, in dem der BVB zum elften Mal in seiner Vereinsgeschichte steht, gleich noch einen Wunsch hinterher: "Ein Heimspiel wäre mal wieder schön!"

Das steht allerdings zunächst am Samstag erst einmal in der Bundesliga auf dem Plan. Und da heißt es: Nach der Eintracht ist vor der Eintracht! Denn nach dem Sieg im Pokal gibt es schon am Wochenende ein Wiedersehen mit den Frankfurtern in der Liga. Allerdings wird auch da für die Hessen nichts zu holen sein, geht es nach Sebastian Kehl: "Es ist endlich mal wieder an der Zeit, ein Heimspiel zu gewinnen.“

Aus Frankfurt berichtet Dietmar Nolte