Dortmund - Maximilian Philipp hat gute Chancen, auch am Mittwoch Abend in der Dortmunder Startelf zu stehen. Vom beschaulichen Freiburg in die Champions League – für den einst so schüchternen Ur-Berliner dürften die letzten drei Tage wie ein Kurzfassung seiner bisherigen Karriere vorgekommen sein.

Am vergangenen Samstag rieben sich viele Zuschauer im Freiburger Schwarzwaldstadion die Augen. Sollte der junge Mann mit dem dezenten, aber dennoch markanten Bartwuchs etwa ihr "Milli" sein? Spätestens nach dem ersten Sprint dürfte dann allerdings bei jedem Tribünengast der Groschen gefallen sein. Denn die (neu erwachsene) Barttracht und das ungewohnte gelbe Trikot waren die einzigen Veränderungen beim Auftritt des 23-jährigen Offensivspielers, der im Sommer für eine Rekordablöse von Baden nach Westfalen gewechselt war.

Applaus an alter Wirkungsstätte

Für Philipp selbst, der mit langanhaltendem Applaus in Freiburg begrüßt worden war, dürften die drei Tage zwischen dem Ligaspiel in Freiburg und dem Spiel an der White Hart Lane am heutigen Mittwoch wie ein Abriss seiner Karriere vorgekommen sein – und das im Zeitraffer. Hinter sich das beschauliche Freiburg, für dessen fußballerisches Aushängeschild er in 88 Pflichtspielen 18 Treffer und 23 Torvorlagen zustande beigesteuert hat. Vor sich Tottenham Hotspur. "Ich freue mich riesig auf die Partien in der Champions League", hat er jüngst im Talk mit den "Ruhr Nachrichten" bekannt: "Deswegen habe ich angefangen, Fußball zu spielen."

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Dass Philipp, der in Dortmund wie selbstverständlich in bisher allen drei Ligaspielen von Beginn an einen Platz in der ersten Elf bekam, dafür das Zeug hat, bestreitet niemand in Freiburg. Schon gar nicht sein ehemaliger Trainer Christian Streich, dem Philipp nach eigener Aussage "enorm viel zu verdanken" hat. "Das Trainerteam will uns verbessern, arbeitet täglich akribisch im Training mit uns", sagte er im vergangenen Frühjahr. "Und es sind dazu tolle Menschen, die auch mal außerhalb des Platzes für einen da sind."

An Statur gewonnen – in jeder Hinsicht

Es ist mittlerweile fünf Jahre her, als Philipp als schmächtiger junger Mann von Cottbus nach Freiburg kam. Ehemalige Mitspieler wie SC-Kapitän Julian Schuster erinnern sich an einen enorm schüchternen jungen Mann, der fußballerisch schon damals alles mitbrachte, aber physisch enormen Nachholbedarf hatte – ein Manko, das Philipp mit Sonderschichten im Kraftraum Stück für Stück kompensierte.

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Seine schmächtige Statur hatte ihm als junger Teenager eine Karriere in seiner geliebten Heimatstadt Berlin verbaut – Hertha BSC befand den damals 14-Jährigen im wahrsten Sinne des Wortes als zu leicht. Doch für die Freiburger Scouts, die den damaligen Energie-Cottbus-A-Jugendspieler beobachteten, überwogen die Qualitäten, die sie in seinem Spiel sahen: Spielfreude, Wendigkeit, Übersicht und eine fantastische Technik. Sie hatten den richtigen Riecher.

© imago / Sportfoto Rudel

Längst ist Philipp auch in der Außendarstellung gereift. Der Mann, der früher oft den Anschein weckte, als wäre er am liebsten unsichtbar, wirkt heute in Interviews regelrecht gesprächig. Und wer ihn in Dortmund beobachtet, hat den Eindruck, dass da ein Mann, genau dort gelandet ist, wo er auch hinpasst.

In einer fußballverrückten Stadt und bei einem Verein, der genau die richtige Kragenweite für einen Spieler darstellt, der noch am Anfang seiner Karriere steht – und der noch so viel vorhat. Wie steht doch so schön auf dem Tattoo, das er seit längerem auf seinem Arm trägt: "Hope is not a dream, but a way of making dreams reality."

Christoph Ruf