Lissabon - Nach einer turbulenten Schlussphase erkämpfte sich Borussia Dortmund in der Champions League einen 2:1-Auswärtssieg bei Sporting Lissabon. Damit hat die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel einen Riesenschritt Richtung Achtelfinale gemacht. Der Erfolg in Portugal war jedoch sehr harte Arbeit mit personellen Verlusten.

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"Wir werden Felix so viele Elektrolyt-Getränke geben wie möglich, damit er am Samstag gegen Ingolstadt wieder fit ist", erklärte ein sehr zufriedener BVB-Coach Thomas Tuchel. Sein Schützling Felix Passlack war einer von 14 Spielern, der in den fast 97 Minuten im Estadio Jose Avalade XXI alles gab. Der 18-Jährige, der in Lissabon sein Champions League-Debüt feierte und damit der drittjüngste BVB-Debüt aller Zeiten ist (nur Sahin und Tanko waren jünger), musste in der Nachspielzeit von Krämpfen geplagt, ausgewechselt werden. Er wurde vom viertjüngsten Debüten des BVB ersetzt, Dzenis Burnic.

Sportdirektor Zorc sehr zufrieden

"Wenn ich sehe, dass wir mit zwei A-Jugendlichen (Christian Pulisic und Passlack) gestartet sind und dann auch noch einen dritten einwechseln (Burnic) und mit drei angeschlagenen Spieler (Sokratis, Marc Bartra und Lukasz Piszczek) antreten müssen, dann bin ich sowohl über das Ergebnis als auch über die Art und Weise sehr zufrieden", erklärte Sportchef Michael Zorc.

Der portugiesische Vizemeister, der im Angriff mit dem Ex-Wolfsburger Bas Dost antrat, verlangte dem BVB alles ab. Die Dortmund-Startelf wies ein Durchschnittsalter von 23,9 Jahren auf, nur einmal war die Borussen noch jünger gewesen. Das junge Team bestand im EM-Stadion von 2004 seine Feuertaufe gegen einen starken Gegner, der vor allem in der Schlussphase großen Druck entwickelte.

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"Ich muss wirklich zugeben, dass ich ganz müde bin, auch vom Kopf her. Das Spiel hat Nerven gekostet, aber wir haben dagegengehalten", erklärte ein sichtlich erschöpfter BVB-Keeper Roman Bürki nach der Partie. Der Schweizer war in der zweiten Halbzeit mächtig unter Druck, aber die Borussen hielten stand. "Jeder Spieler ist hier in diesem Hexenkessel noch einmal gewachsen, vor allem auch die jungen Spieler haben eine wichtige Erfahrung gemacht, auch mit schwierigen Situation umzugehen“", so Bürki weiter.

Tuchel muss basteln

Neben der hitzigen Atmosphäre im Stadion mussten die Schwarz-Gelben während der Partie immer wieder Nackenschläge hinnehmen. Bartra muss nach 68 Minuten raus, da ihm nach seiner Verletzung noch die nötige Fitness für 90 Minuten fehlte. Für ihn kam Piszczek und ersetzte Matthias Ginter auf rechts. Der Weltmeister rückte in die Innenverteidigung. Doch das hielt nur wenige Minuten, denn auch Ginter musste mit Kreislaufproblemen raus. Jetzt war Tuchel zur Improvisation gezwungen und schob Piszczek in die Innenverteidigung zusammen mit Sokratis. Der ebenfalls eingewechselte Sebastian Rode spielte Rechtsverteidiger. "Mit Piszczek vor mir als Innenverteidiger habe ich noch nicht einmal im Training gespielt", flachste Bürki, "aber wir haben das gut gelöst, wenn man dazu gezwungen wird, kämpft man sich in diese Situation herein. Jeder hat die Fehler des anderen ausgebügelt," erklärte Bürki.

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Der BVB begann in Lissabon zunächst stark und ging durch Pierre-Emerick Aubameyang in Führung. Kurz vor der Halbzeit traf dann der nicht gerade für seine Torgefährlichkeit bekannte Julian Weigl per Distanzschuss zum 2:0. "Ich weiß gar nicht so genau, was ich beim Tor gemacht habe. Ich bin überglücklich, dass es endlich mal geknallt hat. Der Trainer sagt immer, ins kleine Netz muss man treffen, das habe ich geschafft. Zuletzt habe ich bei der U19 für 1860 getroffen", erklärte der Nationalspieler. Das war im Mai 2013.

Tuchel: Die Viererkette war einzigartig

Nach Wiederbeginn wurden die Gastgeber immer stärker und drängten auf den Anschlusstreffer, der dann durch einen indirekten Freistoß im Strafraum der Dortmunder durch den eingewechselten Bruno Cesar auch fiel (67.). Danach begann die Leidenszeit des BVB, die er mit Bravur meisterte. "Unsere Viererkette ab der 70. Minute war einzigartig. Wir waren wahnsinnig jung und unerfahren. Nach der Halbzeit mussten wir 15 Minuten leiden, da haben wir komplett den Faden verloren. Meine Männer wollten den Sieg aber unter keinen Umständen mehr hergeben. Durch die zweite Hälfte hindurch hatten wir ein Quäntchen Glück. Aber es ist nicht unverdient, dass wir hier gewinnen", zog Tuchel ein positives Fazit.

Auch der Sportdirektor war stolz auf die Spieler: "Die Mannschaft hat sich mit jeder Faser ihres Körpers gegen den drohenden Ausgleich gestemmt." Durch den Erfolg bei Sporting ist der BVB weiterhin Tabellenführer punktgleich mit Real Madrid. In zwei Wochen kommt es dann zum Rückspiel im Signal-Iduna Park.

Bundesliga: Der Tabellenletzte wartet

Als nächstes Aufgabe steht am Samstag die Reise zum Tabellenschlusslicht an. Beim FC Ingolstadt wollen die Westfalen am Samstag um 15.30 Uhr dann auch wieder in der Bundesliga glänzen, wo sie zuletzt zwei Mal sieglos blieben.

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Das Lazarett des BVB hat sich seit Dienstagabend sicherlich nicht verkleinert und man wird abwarten müssen, wer auflaufen kann. Aber Trainer Tuchel kann sich auf alle Spieler im Kader verlassen. Egal auf welcher Position sie eingesetzt werden, sie geben alles.

Aus Lissabon berichtet Alexander Barklage