Dortmund - Jürgen Klopp will noch einmal alles aus der Saison herauspressen, seine Spieler wollen ihm einen gebührenden Abschied verschaffen - und der BVB hat Europa wieder im Blick. Das nötige Selbstvertrauen scheint nach dem Sieg über Paderborn nicht nur bei zwei Sorgenkindern zurück. Und das Offensiv-Feuerwerk der zweiten Halbzeit soll seine Fortsetzung schon am Samstag finden, wenn ein direkter Konkurrent im Kampf um das internationale Geschäft nach Dortmund kommt.

Erstmals seit dem fünften Spieltag hat sich Borussia Dortmund wieder in die obere Tabellenhälfte geschoben. Und das trotz einer fast schon epischen Verletzungsliste mit gleich acht prominenten Ausfällen von Reus bis Sahin. Die Qualifikation für die Europa League ist trotzdem plötzlich wieder realistisch, zumal die Schockstarre nach der Abschiedsankündigung von Jürgen Klopp auf dem Platz ausgeblieben ist. Zwar brauchte die Mannschaft gegen Paderborn eine gewisse Anlaufzeit. Am Ende aber "hat man endlich mal wieder unsere Klasse in der Offensive gesehen, es haben vorne alle aufgedreht", befand Marcel Schmelzer.

Nicht nur der Außenverteidiger des BVB fühlte sich "ein bisschen an die richtig starken Zeiten erinnert". Tempofußball, schöne Kombinationen, feine Tricks wie Mkhitaryans Vorlage per Hacke auf Kuba, toll heraus gespielte Treffer - kann die Borussia ihre Form samt Lust, Leidenschaft und Willen aus der zweiten Halbzeit konservieren, könnte die verkorkste Saison tatsächlich noch versöhnlich enden.

"Richtig gut Fußball gespielt"

Zwar hatte es gegen Paderborn erst ein Tor gebraucht, bis der schwarz-gelbe Express so richtig ins Rollen kam. "Da ging ein Knopf auf, danach haben die Jungs befreit und richtig gut Fußball gespielt", lobte Klopp. Jetzt aber ist nicht nur Mats Hummels überzeugt, dass diese Leistung und dieser Sieg ein Dosenöffner gewesen sein können für den Endspurt. "Man hat gesehen, dass auch die Last der letzten beiden Niederlagen ein wenig von den Schultern gefallen ist und das spielerische Element direkt wieder da war."

Dieses Vertrauen in die eigene Stärke, die in dieser Saison viel zu selten so richtig zum Zuge kam, soll nun helfen, doch noch in die Europa League zu kommen - eben auch für Jürgen Klopp. "Für die Mannschaft war es wichtig, dem Trainer direkt zu zeigen, dass wir genau so agieren wollen die letzten Spiele", kündigte Dortmunds Mannschaftskapitän an.

Beste Saisonleistung von Mkhitaryan

Legt man den Eindruck dieser Partie zugrunde, könnte der Faktor Klopp zumindest bei zwei Sorgenkindern in der finalen Phase dieser Spielzeit tatsächlich noch neue Kräfte freisetzen. Beide haben dem Trainer viel zu verdanken, beide stützte und stützt Jürgen Klopp auch in schwierigen Phasen. Allen voran Henrikh Mkhitaryan, der hoch veranlagte Techniker, der so oft enttäuscht. Er lieferte gegen Paderborn seine beste Saisonleistung ab und könnte so vielleicht ein Trumpf werden für den BVB im Kampf um Platz sieben. Sein Tor war wichtig für den BVB und offenbar zugleich ein Brustlöser für ihn persönlich.

Auch Shinji Kagawa scheint sich wieder zu stärkerer Form aufzuschwingen. Er überzeugte gegen Paderborn mit hohem Laufpensum, verarbeitete viele Bälle, belohnte sich mit einem Treffer. Für die restlichen Partien hat sich der Japaner die Latte jetzt selbst höher gelegt: "Meine Leistungen in dieser Saison sind nicht konstant gewesen. Aus so einem Tor muss und will ich jetzt Selbstvertrauen gewinnen und meine Form beibehalten. Das habe ich jetzt in den letzten Spielen noch vor."

"Frankfurt wartet!"

Beide Spieler waren gegen Paderborn ein wichtiger Faktor im Dortmunder Offensivspiel und sollen das auch am Samstag wieder sein. Dann gibt Eintracht Frankfurt seine Visitenkarte ab, das momentan punktgleich mit dem BVB ist. "Da müssen wir einen Schritt machen, einen direkten Konkurrenten auf Distanz zu halten", nimmt Kagawa sich und seine Mitspieler in die Pflicht.

Und auch Jürgen Klopp lässt bei allem Abschiedsschmerz keinen Zweifel, dass auch am Samstag auf dem Rasen und auf den Rängen zu allererst wieder das Spiel im Mittelpunkt stehen soll, damit man eines der Saisonziele weiter fest im Auge haben kann. Knappe, aber treffende Ansage des Trainers an Spieler und Fans: "Frankfurt wartet!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte