Dortmund - Mit großen Selbstbewusstsein geht Borussia Dortmund am Mittwoch die Aufholjagd in der Champions League gegen Benfica Lissabon an. Zwei Tore brauchen die Dortmunder mindestens – für Thomas Tuchel in jedem Fall machbar: "Wir fühlen uns komplett bereit! Wir haben absolut das Gefühl, dass es genau der richtige Moment ist, das zu schaffen."

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Drei Siege in Folge in der Bundesliga und zuletzt zwölf Treffer in diesen Partien haben ihre Spuren hinterlassen. Selbst ein äußerlich so ruhiger Charakter wie Gonzalo Castro legt da vor dem Showdown mit Benfica seine Zurückhaltung ab: "Wir sind der Favorit, wir sind gut gewappnet nach den guten Ergebnissen der letzten Wochen. Und man hat schon im Hinspiel gesehen, dass wir klar die bessere Mannschaft waren."

Tatsächlich hatte die Borussia das Hinspiel in Lissabon eindeutig dominiert, verbuchte fast 70 Prozent Ballbesitz, presste früh und erspielte sich Chance um Chance – nutzte aber nicht eine einzige. "Das war eine komplexe Leistung, nur das Ergebnis war paradox", meint auch Thomas Tuchel.

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Die 0:1-Niederlage fällt noch heute in die Kategorie unfassbar, weil der BVB bei allen Chancen auch defensiv – bis auf die eine, entscheidende Ausnahme – die Kontrolle hatte. Darum rät der Trainer seiner Mannschaft auch, sich von diesem Ergebnis am Mittwoch zu lösen. Gefragt sind eigene Stärken und auch ohne den verletzten Marco Reus ein selbstbewusster Auftritt. "Im Mittelpunkt der Spielvorbereitung steht für uns die Lust zu attackieren, Tore zu erzielen, unser Tempo zu spielen und die Zuschauer zu begeistern", lässt Tuchel keinen Zweifel. "Wir spüren den Spirit und die Kraft, die die Mannschaft entfalten kann."

Guerreiros Einsatz ist fraglich

Natürlich ist auch dem Coach klar, dass ein Auswärtstor von Benfica die Sache deutlich komplizierter mache würde. Doch mit angezogener Handbremse will er seine Elf nicht aufs Feld schicken: "Das Flutlicht ist an, es ist das Rückspiel in der K.o.-Phase, alle sind bereit, uns zu unterstützen – natürlich geht es dann darum, anzugreifen und Tore zu schießen."

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Fast wirkt es vor dem Rückspiel gegen die Portugiesen, als gingen die Spieler die Partie zurückhaltender an als ihr Trainer. Ruhe und Geduld hat Innenverteidiger Marc Bartra angemahnt, vor unnötigen Ballverlusten warnt auch Raphael Guerreiro, dessen Einsatz sich aufgrund einer Verhärtung im Oberschenkel erst im Laufe des Mittwochs entscheiden wird. Und Castro muss doch noch einmal ans Hinspiel zurückdenken: "Benfica kann aus dem Nichts ein Tor machen und dann sehr gut verteidigen."

In Lissabon war es Konstantinos Mitroglu, der den goldenen Treffer erzielte und dessen Qualitäten Thomas Tuchel jetzt nochmal treffend beschrieben hat: "Er hat eine tolle Mentalität, ist extrem gefährlich. Er ist ein Stürmer, der auch ohne große Aktionen nie seinen Torriecher verliert." Umso mehr Verantwortung wird am Mittwochabend auf den Schultern von Dortmunds Abwehrchef Sokratis lasten, der zum zweiten Mal vor einem direkten Duell mit seinem griechischen Freund steht. Noch einmal wie im Hinspiel will er sich von Mitroglu nicht überraschen lassen: "Da kommt eine Menge Arbeit auf uns zu. Aber er wird auch eine Menge Arbeit haben – mit mir!"

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Auf der anderen Seite vertrauen die Dortmunder ihrem Torjäger. Ausgerechnet in Lissabon hatte Pierre-Emerick Aubameyang den Höhepunkt seiner kleinen Durststrecke erlebt, sogar einen Elfmeter verschossen. Nach zwei Doppelpacks in Folge gegen Freiburg und Leverkusen ist der alte "Salto-Auba" aber zurück und nicht unerheblich an der breiten Dortmunder Brust beteiligt. "Das ist wichtig für sein Selbstvertrauen und damit auch wichtig für unser Selbstvertrauen. Wir sind glücklich, dass Aubameyang nach Benfica diese tolle Reaktion gezeigt hat", ist Thomas Tuchel erleichtert - und hoffungsvoll zugleich: "Am Mittwoch ist der beste Tag, diese Serie fortzusetzen."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte