Emre Can (r.) und Jadon Sancho sind wichtige Kräfte für den BVB - © Lukas Schulze/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty Images
Emre Can (r.) und Jadon Sancho sind wichtige Kräfte für den BVB - © Lukas Schulze/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty Images
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BVB ohne Reus und Brandt – worauf es bei Borussia Dortmund jetzt ankommt

Borussia Dortmund steht vor einer herausfordernden Aufgabe. Nach einer Woche zum Vergessen steht ein schweres Spiel gegen einen Gegner in Top-Form bevor. Zu allem Überfluss werden dem BVB sowohl Kapitän Marco Reus als auch Spielmacher Julian Brandt fehlen. bundesliga.de verrät, worauf es jetzt ankommt.

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"Das war insgesamt eine Woche zum Vergessen", bilanzierte Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspielerabteilung von Borussia Dortmund, am vergangenen Samstag. Soeben hatte der BVB mit 3:4 bei Bayer 04 Leverkusen verloren. Es war die zweite Niederlage in Folge, nachdem Dortmund sich am Dienstagabend durch ein 2:3 beim SV Werder Bremen aus dem DFB-Pokal verabschiedet hatte. Wie schon nach dem Bremen-Spiel hatten die Schwarz-Gelben wieder einen Verletzten zu beklagen. Im Pokal hatte sich Marco Reus eine Muskelverletzung zugezogen, in der Bundesliga traf es nun Julian Brandt, der einen Außenbandanriss erlitt. Pokal-Aus, null Punkte, zwei verletzte Schlüsselspieler – schlimmer hätte es aus BVB-Sicht nicht kommen können.

Doch jammern hilft nicht. Schon am Freitag geht es für die Borussia mit dem nächsten wichtigen Spiel weiter: Eintracht Frankfurt ist dann um 20.30 Uhr im Signal Iduna Park zu Gast. Die SGE ist mit drei Siegen und einem Remis in die Rückrunde gestartet und hat RB Leipzig aus dem DFB-Pokal geworfen. Dortmund trifft also auf einen Gegner, der einen Lauf hat. Trainer Lucien Favre wird in diesem Spiel Ersatz für Reus und Brandt finden müssen. Zu seinem Glück ist der Dortmunder Kader insbesondere in der Offensive hochkarätig besetzt. Ganze vorne wird es wieder auf zwei 19-Jährige ankommen: Erling Haaland, der in Leverkusen erstmals ohne eigenen Torerfolg blieb, und Jadon Sancho werden wahrscheinlich beginnen. Sancho ist seit dem vergangenen Wochenende der beste Vorbereiter der Bundesliga, hat nun 13 Treffer aufgelegt.

Sollte der BVB wieder im 3-4-1-2-System auftreten, auf das Favre – abgesehen vom letzten Spiel – seit längerer Zeit setzt, ist noch ein Platz in der Offensive frei. Die Optionen sind zahlreich und namhaft. Thorgan Hazard, der zuletzt mit einem Platz auf der Bank Vorlieb nehmen musste, könnte wieder in die Mannschaft rutschen. Der junge Giovanni Reyna, der mit einem Traumtor gegen Bremen für Aufsehen gesorgt hat, ist ebenfalls eine Option. Und auch Weltmeister Mario Götze steht bereit. Trotz der Ausfälle von Reus und Brandt hat Favre daher die Qual der Wahl.

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Um den Angriff muss sich in Dortmund also niemand sorgen machen.  Mit 59 Saisontoren stellen die Schwarz-Gelben derzeit die beste Offensive der Bundesliga und haben am Wochenende ihren Uralt-Vereinsrekord überboten: 1963/64 hatten Timo Konietzka, Lothar Emmerich, Aki Schmidt & Co. 58 Treffer nach 21 Spieltagen auf dem Konto.

Alleine in der Rückrunde trafen die Schwarz-Gelben 18-mal (immer mindestens dreimal) – das ist ein eingestellter Bundesliga-Rekord. Mehr Tore gelangen nie einem Bundesliga-Team in den ersten vier Rückrunden-Spielen. Die Favre-Elf hat in dieser Saison die beste Trefferquote aller Bundesligisten – im Schnitt wurde jeder fünfte Torschuss zu einem Tor genutzt, gute 63 % aller Großchancen wurden verwertet.

Auch auf die Zweikampfstärke von Emre Can kommt es beim BVB an - Lukas Schulze/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty Images

Der Schuh drückt in Dortmund an anderer Stelle: Die Defensive bereitet Sorgen. Der BVB hat bereits 32 Gegentore kassiert. Für die Favre-Elf, die mit Meisterschafts-Ambitionen in die Saison gestartet war, ist das alles andere als zufriedenstellend. Zum Vergleich: In ihren letzten beiden Meisterspielzeiten 2010/11 und 2011/12 kassierte die Borussia in der ganzen Saison 22 bzw. 25 Gegentore. In der Bundesliga-Geschichte wurde überhaupt erst einmal ein Team Meister, das nach 21 Spieltagen 32 oder mehr Gegentore kassiert hatte (der FC Bayern München 1973/74 mit sogar 40 Gegentore nach 21 Spieltagen).

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Der BVB hat im Winter einen Spieler verpflichtet, der dazu beitragen kann, dass die Defensive wieder zum Bollwerk wird: Emre Can. Der 26-Jährige ist ein echter Kämpfertyp. Nach dem Spiel in Leverkusen, in dem er erstmals von Anfang an gespielt und ein Traumtor erzielt hatte, sagte Can: "Alle zusammen müssen verteidigen. Wir müssen alle zusammen defensiv besser stehen - von vorne bis hinten." Der Nationalspieler ist zwar erst seit wenigen Wochen dabei, doch er traut sich bereits, auch die unangenehmen Themen anzusprechen. Und er war ehrlich genug, um zuzugeben: "Auch ich kann besser spielen. Das wird man in der Zukunft auch sehen. Ich werde mich in jedem Fall reinwerfen, dem Team helfen."

Keine Frage, dass Can sowohl defensiv als auch offensiv extrem wichtig für Dortmund werden wird. In Abwesenheit von Brandt dürfte der gebürtige Frankfurter gegen die Eintracht vorerst dessen Platz im Mittelfeld übernehmen, doch künftig könnte er auch die Abwehrreihe verstärken. In jedem Fall wird es in der schwierigen Partie gegen Frankfurt auch auf seine Erfahrung ankommen.

Der wichtigste Mutmacher für alle Dortmunder: Zuhause ist der BVB nach wie vor eine Macht. Im Signal Iduna Park ist Schwarz-Gelb noch ungeschlagen (sieben Siege, drei Unentschieden) – der BVB ist das einzige Team, das in dieser Bundesliga-Saison zu Hause noch nicht verloren hat. In Heimspielen holten die Schwarz-Gelben mehr Punkte (24) als Bayern oder Leipzig (23 bzw. 21). Nach zwei Niederlagen in Auswärtsspielen stehen nun zwei Partien vor eigenem Publikum an: Nach dem Ligaspiel gegen Frankfurt geht es im Champions-League-Achtelfinale gegen Paris St. Germain (18. Februar, 21 Uhr) und Ex-BVB-Trainer Thomas Tuchel. Auf eine Woche zum Vergessen soll nun eine Woche folgen, an die man sich in Dortmund noch lange erinnern wird.