Zusammenfassung

  • Marco Reus glänzt als BVB-Kapitän gegen RB Leipzig
  • Er lobt seinen neuen Teamkollegen Axel Witsel
  • Für die starke Chancenverwertung hat er eine einfache Erklärung

Dortmund - Mit dem 100. Bundesligator seiner Karriere hat Marco Reus nicht nur den umjubelten Schlusspunkt unter den 4:1-Sieg von Borussia Dortmund über RB Leipzig gesetzt, sondern den BVB auch zum Auftakt der neuen Saison direkt an die Tabellenspitze geschossen.

Im Interview nach der Partie verteilte der Kapitän ein dickes Lob an seine Mannschaft, sparte in seiner Analyse aber auch die Mängel im Spiel nicht aus.

Frage: Marco Reus, hinter dem BVB liegt eine schwierige Saison, es gab im Sommer einen großen Umbruch, der Neustart wurde propagiert – und dann liegt man gegen Leipzig nach 31 Sekunden schon zurück. Was geht da in einem vor?

Marco Reus: Der Start war extrem unglücklich. Wir hatten uns so viel vorgenommen für das erste Spiel und dann bekommst du direkt den Schock. Wir hatten noch nicht einen Ballkontakt, da stand es schon 0:1. Vor vier Jahren gegen Leverkusen lagen wir auch im ersten Spiel nach einer Minute direkt hinten. Dieses Mal haben wir es zum Glück noch drehen können. Aber sicher müssen wir noch viel lernen - vor allem, wie wir defensiv stehen. Das war gegen Leipzig noch nicht so, wie der Trainer es sich vorstellt.

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Frage: Was hat es so schwierig gemacht?

Reus: Es war so extrem schwer, weil Leipzig mit zwei nominellen Stürmern gespielt hat und mit zwei Außenspielern, die immer in der Mitte waren. So war es für uns schwierig, im Mittelfeld Zugriff zu bekommen.

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Frage: Haben Sie als Kapitän nach dem frühen Rückstand etwas zur Mannschaft gesagt?

Reus: Es ist schwierig, bei dieser Kulisse dann auf dem Feld die Spieler auf der anderen Seite zu erreichen, wenn ich selbst links außen spiele. Aber dieser Start war wirklich einfach unglaublich. Wir haben uns vorher noch gesagt, dass Leipzig in den ersten Minuten auf jeden Fall hoch pressen wird. Sie stehen schon besser im Saft, haben schon mehr Pflichtspiele gemacht und sind schon ganz anders drauf als wir. Diesen Start haben wir uns alle nicht gewünscht, aber trotzdem hat die Mannschaft dann wie schon im Pokal in Fürth Charakter und Moral gezeigt. Ab der 25. Minute waren wir dann auch besser im Spiel und haben dann auch mehr unser Spiel gemacht. Die ersten beiden Tore haben uns viel Selbstvertrauen gegeben.

"Manchmal hast Du zwanzig Chancen und triffst nur einmal oder machst gar kein Tor. Und in der nächsten Woche läuft es wieder anders."

Frage: Nach dem zweiten Treffer hat die Mannschaft auf dem Platz einen Kreis gebildet. Verraten Sie uns, was in diesem Moment besprochen wurde?

Reus: (lacht) Jein! Wir nehmen uns einfach vor, nochmal zusammenzukommen, um vielleicht das eine oder andere zu besprechen, was wichtig ist. Ein paar kleine Umstellungen. Und das haben wir dort versucht, in der Hektik untereinander zu kommunizieren.

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Frage: Nach dem knappen Pokalsieg in Fürth wurde viel über die mangelnde Chancenverwertung gesprochen. Dieses Mal gegen Leipzig waren es vier Treffer aus sieben Chancen. Wie ist so etwas zu erklären?

Reus: Das ist einfach Fußball! Das ist die einzige Erklärung. Manchmal hast Du zwanzig Chancen und triffst nur einmal oder machst gar kein Tor. Und in der nächsten Woche läuft es wieder anders. Dieses Mal haben wir auch mit etwas Glück nicht so viele Möglichkeiten gebraucht, um unserer Tore zu erzielen. Das nehmen wir uns immer vor, aber so einfach ist es eben leider nicht.

Mit diesem Freistoß ist Marco Reus schon am 2:1 entscheidend beteiligt
Mit diesem Freistoß ist Marco Reus schon am 2:1 entscheidend beteiligt © imago / Nordphoto

Frage: Zugang Axel Witsel hat im zweiten Pflichtspiel schon sein zweites Tor für die Borussia gemacht. Können Sie beschreiben, was er der Mannschaft gibt?

Reus: Charakter! Vor allem im Mittelfeld war das an diesem Tag extrem wichtig. Es war wirklich schwierig gegen Leipzig. Wir wussten, dass sie auf zweite Bälle spielen, mit einem Kontakt nach vorne. Axel hat versucht, Kontur reinzubringen mit seiner Sicherheit. Es war sehr vielversprechend. Aber auch bei ihm wie bei allen anderen auch gibt es noch sehr viel Luft nach oben, vor allem im Defensivverhalten.

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Frage: Ihnen persönlich darf man doppelt gratulieren – nicht nur zum Sieg, sondern auch zum 100. Bundesligator Ihrer Karriere. Im Stadion sind Sie dafür schon nach dem 2:1 gefeiert worden, als Ihr Freistoß aber noch abgelenkt und am Ende als Eigentor der Leipziger gewertet wurde.

Reus: Der Schiedsrichter hatte mir ursprünglich auch schon signalisiert, dass er mich bei dem Freistoß als Torschützen gesehen hat. Aber dann ist es doch noch einmal anders bewertet worden und war halt ein Eigentor von Leipzig. (lacht) Zum Glück habe ich ja dann am Ende doch noch das 4:1 gemacht. So war es wirklich ein rundum schöner Tag für mich und für uns.

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Frage: Am Mittwoch wird Bundestrainer Löw seinen Kader für die Länderspiele bekannt geben. Sie dürften dabei sein – haben Sie den Kopf frei für einen Neustart der Nationalmannschaft?

Reus: Wenn es soweit kommt und wir uns dann zum Länderspiel treffen, ich dort ankomme – ja. Aber sonst gilt meine Fokussierung jetzt ganz dem Freitag, wenn wir mit dem BVB in Hannover spielen. Der Sieg zum Auftakt war für uns unglaublich wichtig und gibt uns auch Selbstvertrauen für das erste Auswärtsspiel.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte