Dortmund - Marco Reus hatte sich die schwarze Kapuze seines Pullovers über den Kopf gezogen, stand in kurzen Hosen vor dem Kabinenausgang und telefonierte mit seinem Handy. Auf Nachfragen zu seinem Gesundheitszustand winkte der 25-Jährige ab, ehe er, von bulligen Sicherheitskräften begleitet, in einem schwarzen Van mit verdunkelten Scheiben in die Nacht entschwand.

Zuvor hatte sich der Star von Borussia Dortmund beim 2:1 (1:0) im EM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Schottland in der Nachspielzeit erneut am linken Knöchel verletzt. Nach einem Foul von Charlie Mulgrew blieb Deutschlands Fußballer des Jahres von 2012 minutenlang auf dem Rasen des Signal Iduna Parks liegen, hielt sich die linke Hand vor das schmerzverzerrte Gesicht, mit der rechten griff er nach dem lädierten Knöchel.

Müller wünscht Reus schnelle Genesung

Gestützt von Helfern musste Reus, der in den letzten beiden Minuten von seinem Klubkollegen Matthias Ginter ersetzt wurde, den Platz humpelnd verlassen, sank jenseits des Außenlinie aber gleich wieder zu Boden und wurde von Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt behandelt.

"Unglaublich, dass jemand in der Nationalmannschaft so viel Pech haben kann. Ich hoffe, dass er nicht lange ausfällt", sagte der zweifache Torschütze Thomas Müller mitfühlend kurz nach dem Abpfiff. Müller war ebenso wie Bundestrainer Joachim Löw sowie viele BVB-Nationalspieler gleich nach dem Schlusspfiff zu Reus gelaufen und hatte ihm aufmunternd auf die Schulter geklopft.

Reha statt WM-Finale

Schließlich hat Reus in diesem Sommer schon genug mitgemacht. Im letzten Spiel vor der WM hatte sich der frühere Gladbacher beim 6:1 gegen Armenien einen Teilrisses der linken vorderen Syndesmose und einen knöchernen Bandausriss an der Fersenbein-Vorderseite zugezogen und dadurch das Turnier in Brasilien verpasst. Den WM-Triumph seiner Kollegen hatte Reus schweren Herzens vor dem Fernseher verfolgt. Der DFB hatte ihn sogar zum Finale nach Rio de Janeiro eingeladen. Mit Verweis auf seine Reha blieb Reus jedoch zu Hause. Für seine Genesung war es die richtige Entscheidung.

Denn obwohl eine Pause von drei Monaten für ihn prognostiziert worden war, stand Reus bereits schon nach zwei Monaten wieder auf den Platz. Im DFB-Pokal gegen die Stuttgarter Kickers (4:1) und in der Liga gegen Bayer Leverkusen (0:2) war er gleich von Beginn an dabei. Dabei trug er für den angeschlagenen neuen BVB-Kapitän Mats Hummels sogar stellvertretend die Kapitänsbinde.

Rückschlag auf dem Weg zu alter Stärke

"Bei 100 Prozent bin ich noch nicht. Aber die Spiele helfen mir, zu meiner alten Stärke zurückzufinden", sagte Reus nach seinem Comeback in der Nationalmannschaft beim 2:4 gegen Vizeweltmeister Argentinien am vergangenen Mittwoch. Im zweiten Länderspiel nach seiner Zwangspause hat es Reus dann wieder erwischt."