Nach der 2:4-Heimniederlage gegen die TSG Hoffenheim weist Borussia Mönchengladbach erstmals in dieser Saison eine negative Bilanz auf. Doch trotz der bitteren Niederlage gab es auch viele positive Eindrücke.

Wer torreiche, spektakuläre Bundesliga-Spiele in dieser Saison sehen will, kommt bei den Partien von Borussia Mönchengladbach voll auf seine Kosten. Schon 21 Mal rappelte es bei Begegnungen der Borussen in der Kiste, nur bei Spielen mit Beteiligung des VfL Wolfsburg gab es bislang noch mehr Treffer (23) zu bejubeln.

Bailly-Rückkehr mit Wacklern

Doch auf diese Topwerte würden sie in Mönchengladbach gerne verzichten. Denn bereits 12 Mal schlug die Kugel im Borussia-Tor ein, eine alarmierende Zahl nach nur sechs Spieltagen. Daran änderte auch der nach längerer Verletzungspause ins Tor zurückgekehrte Keeper Logan Bailly nichts. Ihm war die fehlende Spielpraxis deutlich anzumerken.

Zudem büßten die "Fohlen" schon zum zweiten Mal in dieser Saison eine klare Führung ein. Während es in Bochum beim 3:3 nach einem 3:0-Vorsprung wenigstens noch zu einem Punkt reichte, standen die Borussen gegen Hoffenheim trotz einer 2:0-Führung am Ende sogar nach der deprimierenden 2:4-Niederlage mit leeren Händen da.

Starke erste Hallbzeit

Es zieht sich bereits ein bisschen durch die Saison, dass sich die durchaus ansehnlichen Leistungen der "Elf vom Niederrhein" nicht adäquat auf dem Punktekonto niederschlagen. So rutscht die Borussia mit drei Niederlagen in den letzten vier Spielen in die zweite Hälfte der Tabelle ab. Bei einer Niederlage am kommenden Sonntag in Freiburg könnten sich die Gladbacher sogar schneller als ihnen lieb ist im Abstiegskampf befinden.

Doch so weit ist es noch lange nicht. Wie schnell es im Fußball in beide Richtungen gehen kann, zeigte das Klassespiel gegen Hoffenheim. Bis zur 86. Minute führten die Borussen nach einer starken Vorstellung mit 2:1: Dann wurden sie von den Süddeutschen noch nach allen Regeln der Kunst auseinander genommen.

"Niederlage tut verdammt weh

"Wir haben zum Schluss zu viele Fehler gemacht, nicht konsequent verteidigt", meinte Mittelfeldspieler Marcel Meeuwis: "Die Tore von Hoffenheim waren aber auch schwer zu verhindern. Nach einer 2:0-Führung darf man ein Spiel nicht so weggeben."

Auch Sportdirektor Max Eberl war erst einmal bedient: "Die Niederlage tut verdammt weh. Wir wissen, was wir falsch gemacht haben und müssen unsere Lehren ziehen. Wir haben jetzt zweimal verloren. Wir haben in Nürnberg und gegen Hoffenheim sehr gute Leistungen gebracht. Die Mannschaft hat einen unglaublichen Willen gezeigt. Aber am Ende haben wir die Fehler gemacht."

Pokalhit gegen Duisburg

Doch Eberl hatte auch eine Menge positiver Dinge gesehen: "Wir sind lernfähig und auf dem richtigen Weg. Dass wir über ein enormes Potenzial verfügen, hat man sicher auch wieder feststellen können. Wir wollen hier Schritt für Schritt etwas aufbauen. Man hat ja gesehen, dass wir gegen eine Mannschaft wie Hoffenheim eine Stunde lang beeindruckenden Fußball gespielt haben. Was einen dann nur ärgern kann, ist die Tatsache, dass wir uns am Ende so naiv angestellt haben."

Schon am kommenden Dienstag kann die Borussia im Pokalspiel gegen den ebenfalls leicht kriselnden MSV Duisburg zeigen, dass der späte K.O. gegen Hoffenheim ohne weitere Folgen bleibt und die Rheinländer ihre Lockerheit nicht einbüßen, mit der sie in den ersten vier Spielen immerhin sieben Punkte einfahren konnten.

"Wir haben gegen Hoffenheim gut gespielt und sind in der Lage, mit jeder Mannschaft mitzuhalten", sagt Borussias Abräumer Thorben Marx fast schon trotzig. "Wir werden auch nicht jedes Mal eine 2:0-Führung verspielen. Die Niederlage ist ein kleiner Rückschlag für uns. Aber schon im Pokalspiel haben wir die Möglichkeit, die Niederlage vergessen zu machen."

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski