München - Ein Prinz wurde in den letzten Tagen in diversen Online-Portalen als Neuzugang des FC Schalke ausgiebig gehandelt. "Prinz" Lukas Podolski spielt aber nach wie vor beim FC Arsenal in der englischen Premier League. Doch die Königsblauen haben dennoch ihren Prinz bekommen. Kevin-Prince Boateng. Vom AC Milan holte der Revier-Club den gebürtigen Berliner, der für Ghanas Nationalelf spielt. Und auf Schalke soll und darf der 26-Jährige am Samstagabend wohl gleich ran (ab 18 Uhr im Live-Ticker).

Am Freitag, wenige Stunden nach der Verpflichtung, bestätigte der Club offiziell, dass die Neuzugänge Boateng und Dennis Aogo gegen Leverkusen im Kader stehen werden und somit klärte sich auch eine gewisse Ungereimtheit über die prompte Spielberechtigung.

Hintergrund: Boateng kassierte während seiner Leihzeit bei Borussia Dortmund im Frühjahr 2009 nach einem Kung-Fu-Tritt gegen Wolfsburgs Makoto Hasebe eine Rote Karte und wurde für vier Spiele gesperrt. Zwei Spiele dieser Strafe saß er noch im BVB-Trikot ab, zwei weitere in England, wo er zunächst bei Tottenham und bis 2010 bei Portsmouth unter Vertrag stand. Damit ist der Weg für Boatengs Schalke-Debüt gegen die Werkself frei.

"Die besten Spieler gehen in die beste Liga"



Neben seinem Tritt gegen Hasebe blieb der jüngste Bundesliga-Torschütze von Hertha BSC (18 Jahre, zehn Monate, 29 Tage) wegen seines Fouls an Michael Ballack in Erinnerung, dass dem damaligen Chelsea-Star die WM 2010 in Südafrika kostete.

Doch dies liegt bereits drei Jahre zurück und in der Zwischenzeit reifte Boateng in Italien zum Führungsspieler und Leistungsträger. Schalkes neue Nummer 9 spielte für die Mailänder 71 Mal in der Serie A, erzielte dabei zehn Treffer, gehörte zum Stammpersonal. Die Rückkehr nach Deutschland hat für Boateng daher ganz pragmatische Gründe. "Die Bundesliga ist die beste Liga der Welt - und da gehen die besten Spieler der Welt hin", erklärte der flexibel einsetzbare Mittelfeldmann während der offiziellen Vorstellung.

Giftiger Leader



Eingeplant ist Boateng zunächst als Sechser, doch der WM-Teilnehmer von 2010, der sich vor wenigen Tagen zum Comeback in Ghanas Nationalelf entschied, kann auch den klassischen Spielmacher geben. Seine ersten Sporen verdiente sich der 1,85 Meter große Profi vor der Abwehr, damals bei Hertha BSC. Zuletzt spielte er in Mailand auch oft auf dem rechten Flügel.

Schon zu seiner Berliner Zeit fiel der Modellathlet durch eine extrem giftige Spielweise auf. Diese Eigenschaft zeichnet das Spiel Boatengs immer noch aus, zudem kann er durch seine Erfahrung in Deutschland, England und Italien längst auch eine Mannschaft anführen. "Er ist ein außergewöhnlicher Spieler mit enormer Qualität und enormen Leaderqualitäten", lobte Schalkes Sportvorstand Horst Heldt.

Abschied mit zwei Toren



Diese Führungsqualitäten warf Boateng am Mittwoch noch für Milan in die Waagschale und führte seinen Ex-Club kurz vorm Abgang mit zwei Treffer im Rückspiel der Champions-League-Playoffs gegen Eindhoven noch in die Gruppenphase.

Die Kehrseite der Medaille: In Italien wurden Boateng und seine dunkelhäutigen Mitspieler mehr als nur einmal rassistisch von gegnerischen Fangruppen beleidigt. Dies gab für den Spieler selbst jedoch nicht den entscheidenden Ausschlag für den Wechsel zurück nach Deutschland. "Das hat rein sportliche Gründe", versicherte Boateng.

Christoph Gailer