Berlin - Am Ende fehlte ein Tor und damit ein Sieg, um den Klassenerhalt endgültig perfekt zu machen – durch das 0:0 gegen Eintracht Frankfurt muss Hertha BSC weiter zittern.

Dabei waren die Chancen dagewesen. Gegen Frankfurter Gäste, für die es um nichts mehr ging, hatte Hertha zwar weniger Ballbesitz, aber mehr Torgelegenheiten. Während die Eintracht keinen einzigen Schuss auf das Tor der Berliner brachte, hatte Salomon Kalou allein in der ersten Halbzeit drei Mal die Möglichkeit zur Führung. Richtig bitter wurde es dann aber nach der Pause: Erst vergab Kalou eine "Hundertprozentige", als er es allein vor Kevin Trapp mit einem Lupfer probierte. Zehn Minuten vor Schluss hatte dann Genki Haraguchi den Siegtreffer auf dem Fuß, als er ebenfalls allein vor dem Gästekeeper den Ball am Tor vorbeischoss.

Aufgrund der Ergebnisse auf den anderen Plätzen, wurde nach Abpfiff klar: Hertha kann de facto nicht mehr direkt absteigen, braucht aber noch einen Punkt, um auch Platz 16 und damit die Relegationsspiele sicher zu vermeiden. Der Hamburger SV als Vorletzter kann zwar nach Punkten noch mit der Hertha gleichziehen, hat aber die um zwölf Tore schlechtere Tordifferenz. Doch sollte das Team von Pal Dardai am letzten Spieltag in der Partie bei der TSG 1899 Hoffenheim mit mindestens zwei Toren Unterschied verlieren, könnten der VfB Stuttgart, der SC Freiburg und Hannover 96 noch an den Hauptstädter vorbeiziehen.

Offensive ist Schuld

Damit wäre Hertha Drittletzter und müsste in der Relegation gegen den Dritten der 2. Bundesliga nachsitzen. Ein Schreckgespenst für alle Anhänger der Alten Dame, denn vor ziemlich genau drei Jahren ging genau das gegen Fortuna Düsseldorf gehörig in die Hose. Entsprechend mies war auch die Stimmung nach dem verpassten Sieg gegen Frankfurt.

Nur wenige Herthaner wollten sich nach der Partie überhaupt äußern. Die, die es taten, waren sich erstaunlich einig: Schuld war die Offensive und da vor allem Salomon Kalou. Sichtlich angefressen meinte etwa Kapitän Fabian Lustenberger: "Wir müssen unsere Chancen konsequenter zu Ende spielen und den Ball vielleicht mal nicht lupfen, sondern reinmachen." Auch Coach Pal Dardai stieß in die gleiche Kerbe: "In der Situation einen Lupfer zu machen, finde ich nicht in Ordnung", sagte der ungarische Coach. "Da muss man in den Spiegel schauen und sich fragen, ob die Einstellung stimmt."

Kalou schon 830 Minuten torlos

Schließlich äußerte sich auch noch Sportdirektor Michael Preetz  über den von ihm im vergangenen Sommer geholten Angreifer: "Er hat ein richtig gutes Spiel gemacht, aber ich war selbst einmal Stürmer und hätte in der Situation, wenn ich länger nicht getroffen habe und nicht 4:0 führe, sicher eine andere Entscheidung getroffen", erklärte der Bundesliga-Torschützenkönig von 1999 und monierte: "Da muss man seriös abschließen und die Chance nicht leichtfertig liegenlassen." Nunmehr ist Kalou seit 830 Spielminuten ohne Torerfolg.

Andererseits muss man dem Ivorer zugute halten, dass er im Angriff der Hertha oft allein auf weiter Flur stand. Beim Saisonfinale in Hoffenheim müssen die Berliner wieder zusammenstehen und alle gemeinsam kämpfen - damit auch der letzte nötige Punkt noch eingefahren wird.

Aus Berlin berichtet André Anchuelo