Köln - Als im RheinEnergieStadion in Köln nur noch zehn Minuten zu spielen waren, peitschten die Zuschauer die deutsche Nationalmannschaft noch einmal nach vorne. Und die ließ sich nicht lange bitten. Anstatt sich mit einem 4:1 zufrieden zu geben, legten Holger Badstuber und Miroslav Klose nach.

6:1 hieß es für die DFB-Elf am Ende gegen Aserbaidschan - nach dem 1:0 in Belgien ist der Traumstart in die EM-Qualifikation mit der Maximalausbeute von sechs Punkten geglückt. "Diese Mannschaft hat Spaß, Fußball zu spielen und Tore zu schießen. Trotz des Gegentors können wir alle zufrieden sein", erklärte Kapitän Philipp Lahm nach dem Schlusspfiff.

Erinnerungen an Südafrika

Gegen die vollends überforderten Gäste war es weniger das Ergebnis, als vielmehr die Spielfreude, mit der das Team von Bundestrainer Joachim Löw überzeugte. Der Ball lief sicher durch die Reihen, immer wieder wurde das Spiel mit überraschenden und trickreichen Kombinationen beschleunigt. Erinnerungen wurden wach an die Auftritte der deutschen Mannschaft bei der WM vor wenigen Wochen.

"Wir haben den Spielwitz von Südafrika mitgenommen", stellte Manuel Neuer treffend fest. Der Schalker Torwart wurde gegen Aserbaidschan im gesamten Spielverlauf fast nicht geprüft. Bis auf einen Eckball in der 57. Minute, als er am kurzen Pfosten daneben griff und so die Ergebniskorrektur der Gäste durch Rail Melkov ermöglichte. "Das Tor ist einfach dumm gelaufen und natürlich ärgerlich", sagte Neuer.

Doch dieser Lapsus hätte es vielleicht in einem WM-Spiel zu einer Hauptrolle geschafft, nicht aber an diesem Abend. Vielmehr war es die Leistungssteigerung der gesamten Mannschaft im Vergleich zum Auftritt in Belgien, die einen bleibenden Eindruck hinterließ.

Podolski in Gala-Form

Vor allem Lukas Podolski drehte vier Tage nach seiner eher unauffälligen Vorstellung in Brüssel mächtig auf. Der Kölner erzielte vor heimischem Publikum einen Treffer selbst und bereitete einen weiteren durch Klose uneigennützig vor.

"Wir haben von der ersten bis zur letzten Minute ein tolles Spiel gemacht und verdient gewonnen. Gegen Belgien lief es für mich nicht optimal, heute war es für mich in meinem 'Wohnzimmer' ein weiterer Schritt nach vorne", analysierte ein sichtlich zufriedener Podolski.

Bundestrainer Löw hielt sich in der Bewertung Podolskis in seiner gewohnt gemäßigten Art zurück. "Ihm war anzumerken, dass er gewillt war, viel Laufarbeit zu absolvieren. Lukas beweist seine Stärke in der Nationalmannschaft immer wieder, allein seine Torquote spricht für ihn", so Löw.

Anerkennung und Respekt vom Gegner

Den Auftritt seiner Mannen nahm er dafür mit viel Wohlwollen zur Kenntnis. "Gut war, dass wir nach dem 3:0 nicht aufgehört haben zu spielen. Es hat Spaß gemacht, diese Kombinationen zu sehen. Wir haben seit einigen Monaten, auch vor der WM, diese Dinge einstudiert. Man spürt, dass diese Automatismen langsam greifen", gab Löw zu Protokoll.

So blieb nach den 90 Minuten in Köln eine eigentlich einfache Erkenntnis, die Aserbaidschans Trainer Berti Vogts treffend auf den Punkt brachte. "Deutschland spielt in einer anderen Liga. Wir sind 105. der Weltrangliste, Deutschland die Nummer drei - das ist ein Klassenunterschied!"

Michael Reis