Köln - Björn Werner (25) ist einer der deutschen Stars im American Football. In der nordamerikanischen Profiliga NFL hat er sich bei den Indianapolis Colts auf der Position des Linebackers etabliert. Gleichzeitig ist Werner großer Bundesliga-Fan, als gebürtiger Berliner natürlich von Hertha BSC. Im exklusiven Interview mit bundesliga.de spricht er über den Saisonstart in der NFL, über seine Leidenschaft Hertha BSC und seine Beziehung zur Bundesliga.

bundesliga.de: Björn Werner, letztes Wochenende sind Sie in die neue NFL-Saison gestartet. Bei den Buffalo Bills gab's eine 14:27-Niederlage. Was sind Ihre Ziele mit den Colts für diese Saison?

Björn Werner: Für mich persönlich hoffe ich in erster Linie, dass ich fit und gesund bleibe und mich weiter verbessern kann. Die Colts haben sich dieses Jahr qualitativ ungemein verstärkt, insbesondere in die Tiefe des Kaders. Auch wenn der Saisonstart etwas daneben ging, hoffe ich, dass es in diesem Jahr klappt mit dem Super Bowl und wir ihn am Ende auch gewinnen.

bundesliga.de: Sie sind großer Fußball-Fan. Die Bundesliga ist auch noch in einer sehr frühen Phase der Saison. Was sagen Sie zum Start?

"Der BVB unter Tuchel ist erstaunlich"

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Werner: Nach vier Spieltagen kann man natürlich noch nicht so viel sagen, trotzdem gibt es Überraschungen. Im negativen Sinne ganz klar das bisherige Abschneiden von Borussia Mönchengladbach, damit konnte sicher keiner rechnen. Oben ist der FC Bayern München gut gestartet, was zu erwarten war. Dass der BVB unter Trainer Tuchel aber direkt so in Fahrt kommt, finde ich erstaunlich.

bundesliga.de: Sie sind in Berlin geboren und aufgewachsen. Warum American Football und nicht Fußball?

Werner: Ich habe wie fast alle Jungs natürlich auch zunächst Fußball gespielt. Irgendwann gab es in der Schule aber eine Art AG, in der Flag Football angeboten wurde. Hier hatte ich direkt Spaß und ein Freund nahm mich dann mit zum Training der Berlin Adler. Und da bin ich dann auch geblieben...

"Preetz, Kruse, Fiedler..."

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bundesliga.de: Hatten Sie in Ihrer Kindheit ein großes Idol im Fußball?

Werner: Ich war noch nie der Typ, der irgendwelchen Idolen nachgeeifert hat. Im Fußball genauso wenig wie beim American Football. Allerdings war es für mich schon etwas Besonderes, als ich 2013 für einen Besuch bei der deutschen Nationalmannschaft nach Washington eingeladen wurde. Spieler wie Miroslav Klose, Lukas Podolski oder Per Mertesacker mal persönlich zu treffen und sich austauschen zu können, hat Spaß gemacht. Trotzdem sind auch das alles Menschen wie du ich.

bundesliga.de: Sie sind großer Fan von Hertha BSC. Wer hat Sie mit dem Hertha-Virus infiziert?

Werner: Als Berliner Junge hat man ja eigentlich nur zwei Optionen: Hertha oder Union. Als ich in dem Alter war, mich für Fußball zu interessieren, stieg Hertha gerade in die erste Bundesliga auf. Das war das Team mit Preetz, Kruse, Fiedler usw. 75.000 im Olympiastadion gegen Kaiserslautern - ganz Berlin war blau-weiß. Spätestens da war die Sache klar.

"Mein Lebenstraum wurde wahr"

bundesliga.de: Können Sie sich noch daran erinnern, wie sie ihr erstes Spiel geschaut haben und waren Sie als Kind öfters im Stadion?

Werner: An mein erstes Spiel kann ich mich echt nicht mehr erinnern. Es waren auch leider nicht so viele Spiele, die ich live im Stadion schauen konnte. Mit 16 Jahren bin ich ja bereits in die USA gegangen...

bundesliga.de: Während Ihrer Schulzeit in Connecticut und Ihrer Zeit am College in Florida waren Sie nur sehr selten in Deutschland. Wie konnten Sie die Spiele von Hertha BSC verfolgen?

Werner: Über das Internet und die sozialen Medien kann man sich ja zum Glück ganz gut informieren.

bundesliga.de: Als Sie das College verlassen haben, sind Sie als erster Deutscher in der ersten Runde des NFL-Drafts gezogen worden. Konnte man das Gefühl damit vergleichen, Deutschland dabei zu sehen, die Weltmeisterschaft zu gewinnen?

Werner: Das kann man überhaupt nicht miteinander vergleichen. Der Draft hat für mich damals mein komplettes Leben vom einen auf den anderen Moment verändert. Mein Lebenstraum wurde wahr. Natürlich habe ich 2014 auch mit der deutschen Mannschaft mitgefiebert, mich wahnsinnig über den Titel und für die Jungs gefreut. Aber der Draft war für mich schon eine krassere Nummer (lacht).

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bundesliga.de: Was denken Sie, kann der Fußball vom American Football lernen? Und andersherum natürlich auch.

Werner: Ich denke die Fußballer könnten manchmal etwas mehr Nehmerqualitäten vertragen - da geht es bei uns anders zur Sache. Was ich an Fußballern bewundere, ist deren Nervenstärke - bei wirklich wichtigen Elfmeterschießen zum Beispiel. Solche Drucksituationen haben unsere Kicker zwar auch und das ganze Stadion schaut dann nur auf sie. Aber unser Tor ist ja viel größer und da steht in aller Regel auch kein Manuel Neuer drin (lacht).

bundesliga.de: Wo liegen die Unterschiede zwischen den Fans in deutschen Stadien und denen in den USA?

Werner: Fußballfans in Deutschland und Footballfans in den Staaten kann man überhaupt nicht miteinander vergleichen. Bei uns sind zwar auch alle total emotional dabei, machen Stimmung und gehen richtig ab während den Spielen. Davor und danach macht man aber mit den gegnerischen Fans gemeinsam Party, grillt beim Tailgating, trinkt ein oder zwei Bier und diskutiert über das Spiel. Hier sind die Spiele auch viel mehr Events für die ganze Family.

"Ein Spiel im Olympiastadion wäre etwas ganz Besonderes"

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bundesliga.de: Ihr Erfolg hat der NFL in Deutschland schon einen echten Popularitäts-Schub gegeben. Was würde Ihnen ein Spiel mit den Indianapolis Colts im Berliner Olympiastadion bedeuten? Im Londoner Wembley-Stadion wurden schließlich auch schon NFL-Matches ausgetragen...

Werner: Ich finde die deutschen NFL-Fans hätten definitiv mal ein Game auf deutschem Boden verdient. Und wir haben ja auch viele richtig geile Stadien. Ein Spiel auf dem Rasen des Olympiastadions vor heimischen Publikum zu spielen, wäre dann natürlich etwas ganz Besonderes für mich.

bundesliga.de: Sie sind nun ein etablierter NFL-Star. Würden Sie jemals einen Sieg im Super Bowl dafür eintauschen, für Hertha BSC das entscheidende Tor im Champions-League-Finale zu erzielen?

Werner: Was für eine Frage! Der absolute Traum eines jeden NFL-Spielers ist es zumindest einmal den Super Bowl zu gewinnen - so auch für mich. Das würde ich rein sportlich gesehen gegen nichts auf der Welt eintauschen.

"Vielleicht beim nächsten Heimatbesuch"

bundesliga.de: Die NFL-Saison läuft. Da ist ihr Terminkalender natürlich prall gefüllt. Schaffen Sie es in dieser Saison noch zu einem Hertha-Spiel nach Berlin?

Werner: Ich befürchte leider nein. Da bleibt mir nur das Verfolgen der Spiele im Netz und vielleicht mal im TV. Wenn ich mal in Deutschland bin, stehen meistens so viele Termine an, dass ich auch dann nicht dazu komme. Aber wer weiß, vielleicht klappt es beim nächsten Heimatbesuch doch mal wieder mit einem Besuch im Olympiastadion.