Im zweiten Teil des Interviews spricht Peter Lohmeyer über ein Intermezzo in der Jugend des VfB Stuttgart, den Umgang der "Knappen"-Fans mit Manuel Neuer und den Ritterschlag durch den "Paul Breitner von England".

bundesliga.de: Sie haben in der Jugend selbst ambitioniert gekickt, sind in der C-Jugend für den VfB Stuttgart aufgelaufen. Hatten Sie nie den Traum vom Profifußball?

Peter Lohmeyer: Wenn man ein Trikot trägt, das auch die erste Mannschaft trägt, beginnt man schon nachzudenken. Der Unterschied war damals nur, dass unsere Mütter das Wappen noch selbst aufnähen mussten. Ich war Mittelläufer beim VfB, aber irgendwann wurden dann die Vereinssöhnchen vorgezogen. Hatte der Trainer oder der Vorstand einen Sohn, dann spielte der zuerst. Wir sind dann in die verbotene Stadt, äh, na Sie wissen schon, gezogen. Im Alter von 16 haben mich dann Mädchen und Mopeds mehr interessiert und ich habe nicht mehr im Verein gekickt. Meine Lorbeeren hole ich mir jetzt bei VIP-Spielen ab.

bundesliga.de: Wie darf man sich das vorstellen?

Lohmeyer: Seit dem "Wunder von Bern" werde ich immer wieder zu Promi-Fußballspielen eingeladen. Da hat mich schon der eine oder andere gefragt, ob ich früher richtig Fußball gespielt hätte, zum Beispiel der Fränkie Mill oder der Rüdiger Abramczik. Und Chris Waddle hat mich mal bei einem Benefizspiel gegen England gefragt, kurz nachdem ich die erste Bude gemacht habe, wie viele Profis wir denn hätten. Ich habe ihm erzählt, wir hätten sieben Profis und vier Prominente, darunter ich als Schauspieler. Da hat er gesagt: "No. You were an actor, now your are a footballer." Das war der Ritterschlag und ging runter wie Öl. Chris Waddle ist immerhin so etwas wie der Paul Breitner von England. Da habe ich mir dann schon gedacht: Scheiße, aus deinem Talent hast du nichts gemacht.

bundesliga.de: Das klingt schon nach ein wenig Wehmut.

Lohmeyer: Nein, um Himmelswillen, jetzt bin ich fast 50 alt und wäre wahrscheinlich ein unglaublich gut aussehender aber unglücklicher Bundestrainer, weil alle Welt meint sich den Schal so umlegen zu müssen, wie ich es tue. So habe ich meinen Job als Gaukler, den ich immer noch gerne mache. Insofern habe ich damit Frieden geschlossen.

bundesliga.de: Immerhin sind Sie ja als Edelfan beim FC Schalke sehr nah dran am Profifußball.

Lohmeyer: Bitte, bitte, nennen Sie mich nie wieder Edelfan und sagen Sie das auch Ihren Kollegen! Ein paar von den Jungs und den Vorstand kenne ich. Manche sind ja leider schon wieder weg wie Gerald Asamoah oder Manuel Neuer. Ich bin schon ein bisschen näher dran als normal. Aber je näher man dran ist, desto mehr musst du drauf achten, was du in solchen Interviews erzählst. Trotzdem nehme ich es mir auch raus, mich ab und an ein wenig aufzuregen.

bundesliga.de: Über was denn zum Beispiel?

Lohmeyer: Na, blöd fand ich, wie Manuel Neuer von den Fans behandelt wurde, als er mit dem FC Bayern auf Schalke gespielt hat. Der Verein muss bei so einem Thema ran an die Fans und Flagge zeigen. Es ist doch verständlich, dass ein Spieler irgendwann wechselt und nicht sein ganzes Leben in derselben Stadt verbringt. Wenn mein Sohn 24 Jahre alt wäre, hätte ich ihn längst rausgeschmissen. Manchmal denke ich, ich wäre der ideale Mann, um in solchen Dingen zwischen Verein und Fans zu vermitteln. Ich habe ein bisschen Fußball gespielt und ein wenig Ahnung, stehe in der Öffentlichkeit, aber gelegentlich auch in der Nordkurve.

bundesliga.de: Dann muss sich jetzt ja nur noch der Verein melden.

Lohmeyer: Ich bin da offen, allerdings muss ich dazu alt genug sein. Bis ich im Aufsichtsrat sitze, dauert es noch eine Weile. Da müsste ich dann ja immer zu den Sitzungen und von Hamburg aus ist mir das zu weit. Vielleicht übernehme ich als Altersruhesitz ja mal das Haus von Rudi Assauer.

bundesliga.de: Das ist jetzt aber ein bisschen weit vorausgeblickt. Was wünschen Sie sich für den FC Schalke im neuen Jahr?

Lohmeyer: Schön wäre, wenn es um den Verein in nächster Zeit nicht mehr so laut wird. Mit dem Erfolg sollte eigentlich die Ruhe kommen. Aber der Klub ist anfällig für so etwas. Darum hoffe ich, dass der FC Schalke 04 in der Rückrunde ein bisschen weniger Wundertüte wird.


Hier geht's zum ersten Teil: "Die Schalker Hinrunde war für mich ein Rätsel"


Das Gespräch führte Andreas Messmer