München - Nur noch fünf Spieltage bis zum Saisonende, und noch immer herrscht Hochspannung im Abstiegskampf, im Rennen um die internationalen Plätze und vielleicht auch wieder im Kampf um die Meisterschaft. Der Vorsprung Borussia Dortmunds auf Verfolger Bayer Leverkusen ist vor dem 30. Spieltag auf magere fünf Zähler geschmolzen.

Weniger waren es zuletzt am 11. Spieltag, als der Vorsprung vier Punkte betrug. Nach dem 25. Spieltag war der BVB noch zwölf Punkte voraus. Wird es im Titelrennen doch noch einmal spannend? bundesliga.de fragte beim Experten Reiner Calmund nach, der von 1976 bis 2004 beim "Werksclub" beschäftigt war.

"Ich hatte in der Winterpause eigentlich erwartet, dass Leverkusen Dritter wird und die Münchner auf Platz 2 landen. Aber da verrechnet man sich ganz schnell, insbesondere da Leverkusen in der Rückrunde mit viel mehr Ruhe und Kontinuität als Bayern München gespielt hat", sagt Calmund: "Im Endeffekt bin ich aber froh, dass ich mich damals verrechnet habe und Leverkusen noch besser da steht."

"Warum sollte sich das Spielchen nicht mal umdrehen?"

Dass eine Aufholjagd kurz vor Ultimo möglich ist, zeigt ein Beispiel aus der Vergangenheit: In der Saison 2001/02 war ausgerechnet der BVB direkter Verfolger von Leverkusen.

Die Bayer-Elf hatte nach 29 Spieltagen vier Punkte Vorsprung auf den BVB und baute diesen am 31. Spieltag sogar auf fünf Punkte aus. Doch nach zwei aufeinanderfolgenden Niederlagen (gegen Bremen und Nürnberg) zogen die Westfalen bereits am 33. Spieltag an Leverkusen vorbei und wurden dank eines 2:1-Erfolgs über Werder am letzten Spieltag auch Deutscher Meister.

Es war das einzige Mal in der Bundesliga-Geschichte, dass zu diesem Zeitpunkt der Saison ein Team noch fünf Punkte aufholte. Calmund schließt nicht aus, dass das auch der Elf von Jupp Heynckes gelingen kann: "Warum sollte sich das Spielchen nicht mal umdrehen?"

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Im Tabellenkeller erwartet der 62-Jährige derweil einen "ganz heißen Tanz". "Wer vor dem 30. Spieltag unten drinsteckt, kann nicht sagen, dass er mit Sicherheit den Klassenerhalt in den letzten fünf Spielen schafft. So einfach läuft es nicht, zumal man sich nach so einem langen Saisonverlauf nicht nur durch Pech im Abstiegskampf befindet", weiß Calmund.

Seine Einschätzung: "In dieser Saison hat die Tabelle in vielerlei Hinsicht verrückt gespielt. Hannover ist so gut wie sicher nächstes Jahr international dabei, auch Mainz und Freiburg hätte man eher im Kampf gegen den Abstieg vermutet. Stattdessen versuchen mit Bremen, Stuttgart und Wolfsburg junge Meister der vergangenen Jahre das rettende Ufer zu erreichen. Selbst Schlusslicht Gladbach kann nach dem 5:1 im Lokalderby gegen den 1. FC Köln zumindest wieder auf den Relegationsplatz hoffen."