Die Winterpause war lang, doch "König Artur" knüpfte nahtlos an seine Treffsicherheit aus der Hinrunde an. Mit seinem Treffer zum 2:1 beim Auswärtssieg in Bremen verschaffte er den Bielefeldern etwas Luft im Tabellenkeller. Am Freitagabend (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) erwartet Artur Wichniarek mit seiner Arminia alte Bekannte auf der Bielefelder Alm. Zu Gast ist der Tabellenzweite aus Berlin.

Nach dem Überraschungserfolg am vergangenen Spieltag wollen die Bielefelder ihren Aufwärtstrend gegen die Herthaner bestätigen. Für Wichniarek dürfte es ein besonderes Spiel werden, denn knapp vier Jahre verbrachte der Stürmer bei der Hertha. Vier Jahre, die nicht immer erfolgreich verliefen.

Treffsicher für die Arminia

Im Januar 2000 folgte der polnische Angreifer im Alter von 22 Jahren dem Ruf von Arminia Bielefeld und wechselte nach drei Jahren bei Widzew Lodz (Polen) in die Bundesliga. Anfänglich hatte der sensible Pole in seiner neuen Umgebung Probleme, sich zu akklimatisieren. In den ersten 17 Bundesligapartien gelang ihm kein Tor, nur einen Treffer bereitete er vor.

Am Ende der Spielzeit 1999/2000 stand der Abstieg mit der Arminia in die 2. Bundesliga. Was zunächst wie ein Rückschritt in seiner Karriere aussah, entwickelte sich im Nachhinein zu einem Fortschritt. Die Zahlen belegen dies: In 54 Zweitligaspielen für die Bielefelder erzielte er 38 Tore. Seine Schnelligkeit und Treffsicherheit weckte Begehrlichkeiten bei Bundesliga-Clubs. Nach einem weiteren Bundesliga-Jahr mit Bielefeld (2002/03) wechselte er 2003 in die Hauptstadt.

Kein Glück in Berlin

In seiner ersten Saison bei der Hertha absolvierte er 18 Meisterschaftsspiele und erzielte zwei Treffer. Im zweiten Jahr durfte der Stürmer 23 Mal auflaufen, traf jedoch nur ein Mal. Seinen negativen Höhepunkt in Berlin erlebte Wichniarek durch den damaligen Trainer Falko Götz, der ihn zur Regionalligamannschaft der Herthaner versetzte. Ausgerechnet gegen Arminia Bielefelds Amateure fand er zu alter Knipserstärke zurück und erzielte vier Tore. Doch Wichniarek blieb unglücklich in der Landeshauptstadt.

In der Hinrunde der Saison 2005/06 brachte er es auf drei Einsätze und ein Tor, so dass es schließlich im Januar 2006 zum Auflösungsvertrag in Berlin kam und "König Artur" an seine alte Wirkungsstätte, die Bielefelder Alm, zurückkehrte. Berlin und Wichniarek, das passte einfach nicht zusammen.

Bei seiner Rückkehr sagte er: "Ich erinnere mich gerne an die Zeit in Bielefeld, denn dort habe ich die schönste Zeit verbracht, seit ich in Deutschland bin. Ich habe Arminia viel zu verdanken. Nach meiner schweren Zeit bei Hertha BSC haben sie mich nach Bielefeld zurückgeholt, als niemand mehr an mich geglaubt hat", erklärte Wichniarek.

Durchbruch in letzter Minute

Doch zunächst lief es auch in der neuen alten Heimat nicht rund. In der Rückrunde der Saison 2005/06 blieb der polnische Nationalspieler torlos. Im Sommer 2006 stimmte Arminias Trainer Thomas von Heesen, der keine gemeinsame Zukunft mehr mit Wichniarek sah ("Bei ihm hat jeder gesehen, dass es auf Dauer nicht passt"), schon einem Verkauf zu. Doch es fand sich kein ernsthafter Interessent.

Durch die Verletzungen seiner Sturmkontrahenten Fatmir Vata, Abdelaziz Ahanfouf, Christian Eigler oder Sibusiso Zuma erhielt Wichniarek eine Bewährungschance - und nutzte sie so konsequent wie seine Torchancen.

Am Ende der Spielzeit 2006/07 standen bei dem 16-fachen Nationalspieler zehn Tore und fünf Torvorlagen zu Buche. "König Artur" war zurück. "Ich habe bewiesen, dass ich ein guter Stürmer bin und Tore schießen kann", sagte Wichniarek nicht ohne Genugtuung.

Immer wieder torhungrig

Und auch in der Saison 2007/08 hatte er mit zehn Toren und drei Torvorlagen maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt der Bielefelder. Im November vergangenen Jahres verlängerte der Mittelstürmer bei den Ostwestfalen seinen Vertrag bis 2011. Der Vertrag enthält keine Ausstiegsklausel, so dass der 31-Jährige auch im Falle eines Abstiegs in Bielefeld bleibt. "Damit wollte ich ein Zeichen setzen. Ich bin davon überzeugt, dass sich unsere harte Arbeit auch in der Tabelle ausdrücken wird", sagte der Torjäger.

Noch nie war Wichniarek wichtiger für Bielefeld als in der laufenden Saison. Elf der insgesamt 17 Bielefelder Saisontore gehen auf sein Konto. Bleibt für die Arminia-Fans zu hoffen, dass sie sich am Freitag weiter über "König Arturs" Tore freuen dürfen.

Stefan Reiner