Den schlechtesten Bundesliga-Start seit 24 Jahren erwischt, auf einen Abstiegsplatz zurückgefallen und 18 Auswärtsspiele in Folge nicht gewonnen: Arminia Bielefeld steht nach dem 0:2 (0:2) im Westfalen-Derby beim VfL Bochum so früh in einer Saison wie lange nicht mehr unter Druck, doch Trainer Michael Frontzeck ist noch zu Scherzen aufgelegt.

Als der Ex-Nationalspieler nach dem Spiel den Presseraum des Bochumer Stadions betrat, analysierte Premiere-Experte Stefan Effenberg gerade im TV für alle deutlich hörbar die Personalie Frontzeck, so dass der Arminia-Coach lächelnd in die Runde fragte: "Ist es schon wieder so weit? Steh' ich schon zur Diskussion?"

"Schaun wir mal"

Dass es für den 44-Jährigen in naher Zukunft ein böses Erwachen geben könnte, ist nicht zu erwarten, denn die Chefetage gibt sich betont gelassen. "Wir sind seit fünf Jahren Absteiger Nummer 1 und haben es viermal geschafft, die Klasse zu halten. Also schaun wir mal", sagte Arminias Geschäftsführer Roland Kentsch, der bei aller Zuversicht auch realistisch bleibt: "In Bielefeld weiß man immer, dass es um den Klassenerhalt geht."

Aus dieser Erkenntnis ziehen die Verantwortlichen eine für Arminia-Verhältnisse bemerkenswerte Besonnenheit. Selbst die Tatsache, dass der in den letzten Spielzeiten charakteristische Blitzstart der Mannschaft ausblieb, lässt Kentsch völlig kalt: "Wir machen's halt diesmal umgekehrt. Wo liegt das Problem?"

Warten auf Auswärtserfolg

Doch es gibt noch mehr Tendenzen, die eigentlich Anlass zur Sorge geben müssten. Nach drei guten Spielen zum Saisonauftakt gegen ohnehin stärker eingeschätzte Gegner - dem 2:2 gegen Werder Bremen und dem 1:1 bei Hertha BSC Berlin folgte das 2:4 gegen den Hamburger SV - zeigte die Arminia die bislang mit Abstand schlechteste Leistung ausgerechnet bei einem Kontrahenten, mit dem man sich auf Augenhöhe wähnte. "Deshalb ist diese Niederlage in Bochum umso enttäuschender", gab Präsident Hans-Hermann Schwick zu.

Auch der Arminia-Boss betonte aber, dass er "momentan nicht beunruhigt" sei, merkte allerdings an, dass man sich "mal wieder einen Auswärtssieg wünschen würde". Darauf wartet Bielefeld mittlerweile seit 13 Monaten.

Bochum dominierte 1. Halbzeit

Ein Sieg war für die Gäste auch bei den zuletzt heimschwachen Bochumern, die erstmals seit dem 2. März wieder im eigenen Stadion siegten, nie in Reichweite. Zu unkonzentriert und zaghaft ging die Mannschaft zu Werke, als dass sie den beileibe nicht übermächtigen VfL in Verlegenhaft hätte bringen können.

Vor allem in der ersten Halbzeit spielte Bielefeld weit unter seinen Möglichkeiten. Mit den Toren von Marcin Mieciel (22.) und Marc Pfertzel (26.), der drei Tage nach der Geburt seines ersten Kindes (Sohn Yanis) sein erstes Bundesligator schoss, waren die Gäste noch gut bedient.

Koller nicht ganz zufrieden

Beispielhaft für die Bielefelder Schwäche stand Artur Wichniarek. Der Pole, der in den 3 Spielen zuvor 4 Tore geschossen hatte, bekam gegen VfL-Kapitän Marcel Maltritz nicht den Hauch einer Chance.

Derweil ließ sich Bochums Trainer Marcel Koller vom ersten Sieg in der laufenden Saison nicht blenden. Auch dem Schweizer war nicht entgangen, dass seine Mannschaft mit dem 2:0-Vorsprung unsouverän umgegangen und dem Gegner in der zweiten Halbzeit zu viele Chancen gewährt hatte. Koller: "Das war der erste Dreier, aber wir wissen, dass wir uns noch steigern müssen."