Hamburg - Beim FC St. Pauli gab es in den vergangenen Monaten viel zu feiern. Bundesliga-Aufstieg, 100. Geburtstag des Vereins und am Samstag beim ersten Bundesliga-Heimspiel seit über acht Jahren die Einweihung der neuen Haupttribüne.

Fehlte nur noch ein Sieg über 1899 Hoffenheim vor ausverkauftem Haus, um das Glück vollkommen zu machen. Doch die Gäste aus Hoffenheim spielten nicht mit: Isaac Vorsah verdarb mit seinem späten Treffer in der 87. Minute zum 1:0-Endstand den Hamburgern die Party.

"Ich bin sehr enttäuscht, die Niederlage ist sehr ärgerlich und auch unverdient", ärgerte sich Bastian Oczipka nach der Partie über die vergebenen Chancen zum Sieg. "Wir haben aus unseren Möglichkeiten kein Tor gemacht. Das war unser großes Manko."

"Rotzfrech gespielt"

Nach hinten habe die Mannschaft sehr gut gestanden, so der Außenverteidiger, der von Holger Stanislawski ein Sonderlob erhielt: "Er hat rotzfrech gespielt. Kein Respekt vor großen Namen. So stelle ich mir das vor", sagte der Trainer.

Und nicht nur der Außenverteidiger durfte mit seiner Leistung zufrieden sein: "Wir bewegen uns auf Augenhöhe, das ist die wichtigste Erkenntnis", ist Oczipka vom Klassenerhalt überzeugt.

Frage: Das erste Bundesliga-Spiel des FC St. Pauli nach über acht Jahren und Einweihung der neuen Haupttribüne, aber leider kein Erfolgserlebnis. Wie fühlen Sie sich?

Bastian Oczipka: Ich bin sehr enttäuscht, die Niederlage ist sehr ärgerlich und auch unverdient.

Frage: Alles schien auf ein Unentschieden hinauszulaufen, dann das 0:1 durch eine Standardsituation in der 87. Minute. Wo lag der Fehler?

Oczipka: Wir hatten natürlich klare Zuteilungen vor dem Spiel festgelegt. Vielleicht waren die nach den Auswechslungen in dieser Situation nicht ganz klar. Aber das zeigt mal wieder, dass in der Bundesliga auch kleinste Fehler sofort bestraft werden. Man muss 90 Minuten hellwach sein.

Frage: Wie hat Trainer Holger Stanislawski die Mannschaft auf den Gegner eingestellt?

Oczipka: Wir wussten, dass Hoffenheim im Angriff sehr gefährlich ist. Aber das konnten sie nur selten zeigen. Wir haben die Räume gut eng gemacht, so wie wir es uns vorgenommen hatten. Wir haben in der Defensive gut gestanden.

Frage: Wo hat's nach vorn gehapert?

Oczipka: Wir haben aus unseren Möglichkeiten, die wir ja hatten, kein Tor gemacht. Das war unser großes Manko.

Frage: Ihr Fazit nach den ersten beiden Spielen der Saison?

Oczipka: Trotz der Niederlage war es ein guter Start in die Saison. Wir bewegen uns auf Augenhöhe, das ist die wichtigste Erkenntnis. Wenn wir weiter so spielen, werden wir die nötigen Punkte holen.

Frage: Sind die Gedanken schon beim Derby gegen den HSV in drei Wochen?

Oczipka: Nein, keine Sekunde. Niemand in der Mannschaft denkt an das Spiel. Jetzt haben wir Länderspielpause, da werden wir weiter an der Feinabstimmung arbeiten und uns ganz auf Köln vorbereiten. Das ist ein ganz wichtiges Spiel. Da können wir uns mit einem Sieg sechs Punkte von den Kölnern und vom Tabellenende absetzen. Verlieren wir da, wird der Druck gegen den HSV sehr groß, da wir im Fall einer Niederlage im Derby unten reinrutschen. Das wollen wir auf jeden Fall vermeiden.

Aus Hamburg berichtet Jürgen Blöhs