"Hinsetzen, hinsetzen!" forderten die euphorischen Fans auf der Nordtribüne. Wie immer nach großen Siegen. Aber die Spieler vom Hamburger SV blieben nach dem 3:1 (1: 1)-Erfolg im Viertelfinal-Hinspiel des UEFA-Pokals gegen Manchester City stehen, machten kurz die Welle und begaben sich dann auf eine Ehrenrunde.

Die Zuschauer feierten das Team, die Spieler aber wussten, dass Teil zwei der Aufgabe noch kommt. "Ich hoffe, dass die Fans nicht sauer sind, dass wir uns diesmal nicht hingesetzt haben", sagte Torwart Frank Rost, "denn wir haben noch nichts gewonnen."

"Noch nichts entschieden"

Die Stimmung war gespalten bei den Norddeutschen. Stolz und Freude über eine ganz starke Leistung gegen die Millionentruppe aus England auf der einen Seite, Ärger über das Gegentor nach nur 38 Sekunden auf der anderen. "Mit Ausnahme der ersten Minute haben wir sehr gut gespielt", erklärte Trainer Martin Jol. "ich hätte aber gerne noch ein viertes Tor gesehen, so ist noch gar nichts entschieden, ManCity ist zu Hause sehr stark."

Bei einer 0:2-Niederlage im Rückspiel wäre der Traum vom ersten Halbfinale in einem Europacup seit 1983 ausgeträumt. Kein Wort deshalb über die möglichen Begegnungen mit Werder Bremen in der Vorschlussrunde, die nach deren 3:1 gegen Udinese Calcio wahrscheinlich sind. Einschließlich DFB-Pokal-Halbfinale und Bundesliga würden sich die Nordrivalen dann innerhalb von 19 Tagen vier Mal in einer Art "Best-of-four"-Serie gegenüberstehen.

"Keine Ahnung, wer im Halbfinale kommt", behauptete Klubchef Bernd Hoffmann, "so weit denke ich noch nicht, 3:1 ist schließlich noch nicht sicher."

ManCity hofft aufs Rückspiel

Der Treffer von Stephen Ireland hält die Hoffnungen der Briten wach, die ansonsten vom Bundesliga-Zweiten zerpflückt, entzaubert und nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen wurden. "Es ist noch nicht vorbei", behauptete auch Coach Mark Hughes, "wir haben gezeigt, dass wir dem HSV Probleme bereiten können und werden im Rückspiel Vollgas geben."

Dabei hatte seine Mannschaft es vor allem Torwart Shay Given zu verdanken, dass nicht bereits nach der ersten Partie alles entschieden ist. Der irische Nationalkeeper machte mit Glanzparaden zahlreiche Großchancen zunichte, nur Joris Mathijsen (9.), Piotr Trochowski (63., Handelfmeter) und Paolo Guerrero (79.) trafen, in der 20. Minute verhinderte die Latte zudem einen Erfolg von Jonathan Pitroipa. "Das war sensationell. Unser bestes Spiel seit langem", meinte Kapitän David Jarolim.

Gravgaard: "Unser Selbstvertrauen stimmt"

Der Tscheche hat nun im Gegensatz zu seinen Kollegen eine Woche Pause. Er ist im Bundesligaspiel beim VfB Stuttgart gelbgesperrt. Die anderen müssen bei den starken Schwaben bestehen, um auch die Chancen in der Meisterschaft weiter aufrecht zu erhalten.

"Jetzt müssen wir in der Meisterschaft nachlegen und diese Leistung wiederholen", sagte der ganz starke Piotr Trochowski, der neben seinem Elfmetertor die beiden anderen Treffer vorbereitete. Unmöglich scheint auch das nicht, die Hamburger schweben schließlich wie auf einer Wolke. "Unser Selbstvertrauen stimmt", sagt Michael Gravgaard, "und daher bringen wir im Moment auch konstant gute Leistungen."