Beim Werder Bremens finalem Test vor dem Start in die Bundesligasaison am Dienstag gegen die Dänen von Esbjerg FB - Werder gewann 3:0 durch Tore von Boubacar Sanogo (2) und Martin Harnik - kam Frank Baumann nicht zum Einsatz.

Allerdings nicht, weil er wie Angreifer Hugo Almeida den Abflug verschlafen hatte und der nun mit einer Geldstrafe rechnen darf, sondern weil Thomas Schaaf seinen Kapitän bewusst schonen wollte.

"Letzter Mohikaner"

32 Jahre ist Baumann mittlerweile alt. Er ist der "letzte Mohikaner" aus der glorreichen Double-Saison von 2004 und geht bereits in seine zehnte Saison an der Weser. "Das war nicht vorherzusehen", verrät Baumann im Interview mit dem Bremer "Weser Report".

"Ich bin ein bodenständiger Mensch, was man auch an meinen bisherigen zwei Vereinen, wo ich relativ lange gespielt habe, sehen konnte. Es bestand zwar immer mal die Möglichkeit, zu wechseln, aber ich habe mich wohl gefühlt, sportlich lief es."

Nach einer durchwachsenen Spielzeit 2007/2008 mit nur 23 Bundesliga-Einsätzen und vielen Verletzungen, konnte Baumann in diesem Sommer die Vorbereitung größtenteils problemlos durchziehen.

Schaaf und Allofs vertrauen Baumann

Als Trainer Thomas Schaaf seinen Spielführer benannte, gab es keine großen Diskussionen. Klar, dass es wieder "Baumi" machen würde. "Er ist enorm wichtig für uns" lobt Geschäftsführer Klaus Allofs den defensiven Mittefeldspieler, "in punkto Zweikampfführung und Balleroberung macht ihm keiner was vor."

Auch wenn der 28-fache Nationalspieler eher zu den ruhigeren Zeitgenossen gehört: Seine Position im Kader ist unumstritten. Trotz eines Leitwolfes wie Torsten Frings, trotz eines genialen Spielmachers wie Diego.

Gerade für die jüngeren Spieler ist Musterprofi Baumann ein Vorbild. Wie beispielsweise für Aaron Hunt, dem sein Kapitän in dieser Saison den Durchbruch zutraut: "Er wurde in der Vergangenheit oft durch Verletzungen zurückgeworfen. Sollte er gesund bleiben, ist er mit Sicherheit ein sehr wichtiger Spieler für uns."

Letzte Bundesliga-Saison?

Hunt steht noch am Beginn, Baumann, der im Oktober 33 wird, auf der Zielgeraden seiner Karriere. In der Sommerpause ließ er bereits durchblicken, dass für ihn nach dieser Saison Schluss sein könnte.

"Das kann, aber muss nicht so sein. Wichtig ist mir, ein gutes Karriere-Ende zu haben. Grundvoraussetzung zum Weitermachen wäre erstmal, dass der Verein mit mir die Arbeit fortsetzen will. Dann muss ich selbst die Lust darauf haben, dass es weitergeht", so Baumann.

Am heutigen Samstag steht aber erst einmal das erste Spiel in seiner vielleicht letzten Bundesliga-Saison an. Bei Angstgegner Arminia Bielefeld geht Werder höchstwahrscheinlich ohne namhaften Neuzugang an den Start.

Baumanns Wunsch: noch ein Mal gegen Manchester

Für Baumann allerdings kein Nachteil, im Gegenteil: "Wir sind eingespielt. Und was man auch bedenken muss: Wir haben viele junge Spieler. Sie wurden im vergangenen Jahr richtig gefordert und werden einen Schritt nach vorne machen."

Für den Fall eines Karriere-Endes hat Werders Spielführer noch einen sehnlichen Wunsch für die kommende Champions-League-Saison: "Manchester United als Titelverteidiger, das hätte schon was."

Und nach dem großen Schlussstrich? Sieht sich Baumann in Zukunft eher als Manager oder als Trainer? "Das weiß ich noch nicht genau. Ich möchte mir mehrere Optionen offen halten und gucken, was sich dann ergibt."