Hannover - Zwei Spiele, zwei Siege - einen derart optimalen Start hätte Hannover 96 wohl kaum jemand zugetraut. Verteidiger Christian Schulz warnt davor, jetzt abzuheben.

Denn Hannover hat in dieser Saison schon Höhen und Tiefen erlebt. Erst die Pokalpleite gegen Elversberg, dann ein Heimsieg gegen Frankfurt und zuletzt ein 2:1-Auswärtserfolg bei Schalke 04. Schulz war immer dabei. Im Interview spricht er über Kraft, Konter, Kampfgeist - und sein Zusammenspiel mit Konstantin Rausch, der in dieser Saison bereits zwei Treffer erzielen konnte.

Frage: Hannover steht auf Rang 5 - Sie schauen zurzeit wahrscheinlich gerne auf die Tabelle?

Christian Schulz: Es trifft sich gut, dass jetzt das Länderspiel-Wochenende ist. So haben wir zwei Wochen Zeit, uns die Tabelle anzugucken. Es ist ein schöner Start, aber wir haben auch schwierige Aufgaben vor uns. Andererseits muss ich ehrlich sagen: Mit der Leistung aus dem Schalke-Spiel ist mir nicht bange!

Frage: Mit sechs Punkten ist Hannover optimal in die Saison gestartet - wäre da nicht zuvor die Pokalniederlage in Elversberg gewesen.

Schulz: Natürlich wäre ich auch gerne im DFB-Pokal eine Runde weitergekommen. Elversberg war wirklich ein Spiel für sich. Die Fitness war da, aber wir haben fußballerisch zu jenem Zeitpunkt überhaupt nicht ins Spiel gefunden. Beim Sieg gegen Frankfurt war es dann eine kämpferisch gute Leistung, in Schalke war es eine kämpferisch und spielerisch gute Leistung. Zwei Spiele, sechs Punkte - besser geht s nicht! Wenn das so weitergeht, werden wir noch viel Freude haben.

Frage: Hannover ist auf Schalke selbstbewusst aufgetreten. Offenbar hat die Mannschaft an ihre Chance geglaubt.

Schulz: Wir wussten um unsere Chance. Schalke hat in der Sommerpause die halbe Mannschaft durchgewürfelt, gerade in der Abwehr. Ihr Prunkstück haben sie quasi komplett aufgegeben. Die Schalker waren hinten nicht sattelfest.

Frage: Ihre Mannschaft hingegen stand über weite Strecken sicher. Müssen Sie noch daran arbeiten, weniger Standardsituationen für den Gegner zuzulassen?

Schulz: Es war sicher ein kleines Manko unseres Spiels, dass wir in diesem Bereich zu viel zugelassen haben. Letztlich ist ja auch der Gegentreffer aus so einer Situation entstanden. Aber bevor wir eine Flanke zulassen, klären wir besser zur Ecke.

Frage: Hannover konnte beim Spiel in Schalke vor allem auch läuferisch überzeugen. Ist die Mannschaft auf den Punkt topfit?

Schulz: Was die Fitness betrifft, sind wir richtig weit. Wir haben in Schalke viele lange Wege gemacht. Auch in der Schlussphase war immer noch die Kraft da, um Konter zu setzen. Das war eine gute Reaktion auf den Schalker Anschlusstreffer. Viele Mannschaften schlagen die Bälle in solchen Situationen einfach nur blind nach vorne oder ins Aus. Aber so haben wir spielerisch unsere Chancen gesucht. Und wir hatten auch in der 88. Minute vorne immer noch Spieler, die dort die langen Wege gemacht haben.

Frage: Was sagen Sie zu Konstantin Rausch, der in der Liga jetzt zweimal gespielt und jeweils getroffen hat?

Schulz: Es freut mich unheimlich für ihn, dass er auf einer für ihn eigentlich nicht ganz typischen Position im Mittelfeld so gut gespielt und auch noch getroffen hat. Solche Geschichten schreibt nur der Fußball: Gegen Elversberg stand er gar nicht im Kader, jetzt hat er in zwei Spielen zwei Tore gemacht. Der Junge ist unglaublich fit, er macht Wege ohne Ende. Er soll genauso weitermachen.

Frage: Ihr Zusammenspiel mit Rausch auf der linken Seite sieht auch sehr ordentlich aus.

Schulz: Konstantin spielt im Mittelfeld nicht seine gelernte Position. Für mich ist das durchaus hilfreich, weil er als Verteidiger natürlich defensiv auch sehr gut geschult ist. Er hat auch gegen Schalke zwei, drei Mal gut reagiert, als der Außenverteidiger mit nach vorne gegangen ist. Da habe ich eine erstklassige Unterstützung. Das passt gut!

Frage: Wie groß ist die Gefahr, dass die Mannschaft nach dem Traumstart jetzt abhebt?

Schulz: Wir können die Situation ganz gut einschätzen. Wir wissen, dass es noch vor zwei Wochen drunter und drüber gegangen ist bei uns. Jetzt freuen wir uns über die beiden Siege. Aber wir wissen auch, wie schnell es wieder nach hinten gehen kann. Also werden wir weiter hart arbeiten und uns dann gewissenhaft vorbereiten auf die nächste Partie gegen Leverkusen.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte