Am 23. Mai 2009 wird der letzte Spieltag der Saison 2008/09 angepfiffen. Hertha BSC Berlin trifft dann auswärts auf den Karlsruher SC. Den Tag, an dem die Berliner Profis möglicherweise die Meisterschale in den Händen halten werden, wollen Herthas Fans live im Wildparkstadion erleben: Alle 3.000 Auswärtskarten, die den Berlinern zustehen, hat Hertha BSC an einem einzigen Tag verkauft.

Bei vier Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze träumen immer mehr Berliner von der ersten Deutschen Meisterschaft seit 1931. Eine gesamte Stadt scheint eine alte Liebe wieder zu entdecken oder neu zu finden.

"Wenn ich mit dem Fan-Mobil von Hertha in der Stadt unterwegs bin, reagieren sehr viele Leute unheimlich positiv. Sie winken oder freuen sich, man hat das Gefühl, dass fast jeder in der Stadt über Hertha spricht", sagt Donato Melillo, einer von drei hauptberuflichen Fanbeauftragten der Berliner.

Bayern-Heimspiel die Initialzündung

Wer in diesen Tagen durch die Straßen der Hauptstadt schlendert, kann Melillo nur bestätigen. Blau-weiße Fähnchen und Wimpel zieren Autos und Fenster, viele Schüler tragen stolz ihre Hertha-Schals zum Unterricht.

"Wir haben zwar schon eine ganz starke Hinrunde gespielt; die beste, die Hertha jemals in der Bundesliga hatte. Aber das Heimspiel gegen die Bayern, das wir 2:1 gewonnen haben und damit Tabellenführer wurden, war die eigentliche Initialzündung", erklärt Melillo.

Täglich mehr Mitglieder

Seitdem "brummt" es in allen Abteilungen der Hertha. Zu Auswärtsspielen fahren Herthas Fans so zahlreich wie nie, noch nie wurden so viele Karten für eine Auswärtspartie gegen den VfB Stuttgart verkauft wie jetzt.

Die Zahl der Mitglieder steigt Tag für Tag: Mehr als 100 Menschen traten am Montag vor dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen der Hertha bei, mehr als 16.000 sind es schon insgesamt. In den neun Herthastraßen, die in Berlin existieren, lebt es sich dieser Tage noch mal so gut.

Freibier von Dardai?

Im Olympiastadion ist es eng wie lange nicht mehr. Mittelfeldspieler Pal Dardai hat sogar versprochen: "Wenn gegen Leverkusen, Dortmund, Bremen, Bochum und Gelsenkirchen jeweils mindestens 55.000 Fans pro Spiel kommen, dann gibt es nach dem letzten Heimspiel 55.000 Becher freie Getränke."

"Pal wird wohl zahlen. Gegen Leverkusen waren über 58.000 Zuschauer da, die werden auch in den letzten vier Heimspielen kommen", lacht Melillo. Dass durch den Höhenflug der Hertha erst jetzt viele Fans aus dem Ostteil der Hauptstadt zur Hertha kommen, kann der Fanbeauftragte nicht bestätigen: "Wenn man sich früher an Spieltagen die Bahnen angeschaut hat, die aus dem Ostteil gekommen sind, dann waren die auch schon gut gefüllt."

Ein passendes Lied zur Meister-Euphorie haben die Hertha-Fans längst gefunden. "Hey, das geht ab. Wir holen die Meisterschaft", heißt der Hit der Berliner Rapper "die Atzen", den die Rapper mit einer völlig losgelösten Ostkurve nach dem jüngsten 1:0-Sieg gegen Leverkusen minutenlang schmetterten und sich auch bestens für den 23. Mai 2009 eignen würde.

Stefan Kusche