Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach hat Planungssicherheit. Nach dem 3:1-Heimsieg gegen den 1. FSV Mainz 05 hat sich die Elf vom Niederrhein definitiv für den internationalen Wettbewerb in der kommenden Saison qualifiziert. Bei optimalem Verlauf am letzten Spieltag könnte die Borussia sogar noch auf Platz 4 springen. Doch noch fast wichtiger als der sportliche Erfolg war die emotionale Verabschiedung des Gladbacher Keepers Marc-Andre ter Stegen.

Als das Spiel gerade ein paar Sekunden abgepfiffen war, eilte auch schon ein Kamerateam in den Gladbacher Sechzehner, um die Gefühlsregungen des Mannes einzufangen, der in 18 seiner bislang erst 22 Lebensjahre dem Verein die Treue gehalten hatte. Marc-Andre ter Stegen ließ den Tränen freien Lauf und ging langsam in Richtung Mittelkreis, wo er nacheinander seinen langjährigen Torwarttrainer Uwe Kamps und seine Mannschaftskameraden umarmte.

Favre: "Einer der besten Torhüter der Welt"

Die Fans feierten den tadellosen Sportsmann, der auch gegen Mainz einmal mehr seine Extraklasse unter Beweis gestellt hatte und mit vielen Paraden den Sieg sicherte. "Er gehört zu den besten Torhütern auf der Welt", adelte Borussia-Trainer Lucien Favre seinen Torwart beinahe überschwenglich.

Favre war es, der den damals 18-Jährigen am 10. April 2011 erstmals in den Kasten der Borussia stellte. Ter Stegen debütierte ausgerechnet mitten im Abstiegskampf gegen den rheinischen Erzrivalen 1. FC Köln und feierte zu seinem Einstand gleich einen spektakulären 5:1-Derbysieg (zum Video-Spielbericht). Seitdem verpasste der Keeper kein einziges Bundesliga-Spiel mehr und avancierte zum großen Rückhalt der Fohlenelf, die er zum Saisonende wohl in Richtung eines internationalen Topclubs verlassen wird.

Kruse und ter Stegen spielen für Löw vor

Vorher betrieb er wie auch sein Teamkollege Max Kruse nochmals Eigenwerbung in Sachen Kadernominierung für die WM in Brasilien. Beide präsentierten sich in absolut länderspielreifer Verfassung. Kruse war an allen drei Gladbacher Toren beteiligt, das zweite erzielte er mit sehenswertem Distanzschuss selbst. "Ich hoffe, dass ich wieder zeigen konnte, dass ich eine Alternative bin und der Bundestrainer auf mich zurückgreift", blieb der Angreifer bescheiden.

Angesichts einiger personeller Engpässe im deutschen Angriff scheint es eher unwahrscheinlich, dass Joachim Löw auf einen Max Kruse verzichten kann. Immerhin kann der 26-Jährige auf bereits zwölf Tore und zwölf Assists in dieser Saison verweisen (Scorer-Liste). Wie die ganze Mannschaft hat auch Kruse im Endspurt der Saison wieder zu alter Form zurückgefunden.

Überraschungscoup in Wolfsburg?

Sechs der letzten neun Bundesliga-Spiele hat Gladbach nun gewonnen und sich damit ein echtes Endspiel um Platz 5 in Wolfsburg erkämpft. Gewinnen die Fohlen am kommenden Samstag bei den Wölfen, überholen sie den direkten Konkurrenten. Zudem würden sie sich als Fünfter in der nächsten Saison Qualifikationsspiele für die Europa League ersparen. Sie würden erst in der Gruppenphase einsteigen.

Und es könnte sogar noch besser kommen. Siegen die Borussen beim VfL und verliert gleichzeitig Bayer Leverkusen gegen Werder Bremen, hätte Gladbach sogar noch Platz 4 erobert und damit noch die Chance auf die Champions League (Tippen Sie den 34. Spieltag im Tabellenrechner). "Es ist noch alles möglich, Leverkusen kann zuhause verlieren", orakelte Lucien Favre nach dem Erfolg über Mainz. "An einem letzten Spieltag ist alles möglich."

Gladbach kann dabei unbeschwert aufspielen. Platz 6 ist sicher, die Mannschaft hat nichts mehr zu verlieren und kann nur noch dazu gewinnen. "Die Spiele in Wolfsburg waren in den vergangenen Jahren sehr schwierig. Wir waren dort nicht so erfolgreich", erinnert sich Martin Stranzl. "Wolfsburg spielt eine sehr stabile Rückrunde und tollen Fußball. Wir freuen uns alle auf das Spiel, in dem Wolfsburg mehr zu verlieren hat als wir. Wenn wir Fünfter werden wollen, müssen wir dort gewinnen." Die Unterstützung der Fans ist der Borussia sicher. Die Gäste-Tickets für das Wolfsburg-Spiel sind alle schon weg.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski