Dortmund - Keine Frage, der BVB ist zurück in der Erfolgsspur. "Wir haben wieder der ganzen Liga gezeigt, warum wir da oben stehen", stellte Kevin Großkreutz nach dem 2:0-Erfolg über St. Pauli trocken fest. Ein über 90 Minuten dominanter Auftritt gegen einen komplett überforderten Gegner, hohes Tempo, permanente Torgefahr und am Ende ein ganz souveräner Erfolg - so hält man die Konkurrenz auf Distanz und holt sich zugleich ein dickes Lob seines Trainers ab.

"Wir haben konsequent und zielstrebig agiert, haben Spaß und Leidenschaft bei der Eroberung von Bällen gezeigt und waren in allen Belangen die bessere Mannschaft", bilanzierte Jürgen Klopp hochzufrieden.

Von wegen Krise: "Wir ziehen unser Ding durch!"

Fragt man den Trainer, hatte der BVB die Erfolgsspur trotz zuletzt zweier siegloser Spiele allerdings auch nie verlassen. Und auch die Spieler verwiesen nach dem klaren Sieg alles ins Reich der Fabel, was auch nur ansatzweise das Wort Krise beinhaltete. "Eine Krise hat es nie gegeben. Diesen Kopf haben wir uns nie gemacht, den man uns vielleicht einreden wollte", demonstrierte Marcel Schmelzer, der am Dienstag seinen Vertrag vorzeitig bis zum 30. Juni 2014 verlängert hat, im ein absolut intaktes Selbstvertrauen.

Oder um es mit kurzen Worten zu sagen: "Wir ziehen unser Ding durch!" Davon ist Kevin Großkreutz überzeugt, der seiner Mannschaft den "geilsten Fußball" der Liga bescheinigt. Vieles falsch gemacht haben kann die Borussia trotz aller Unkenrufe und Diskussionen auch in den letzten Wochen nicht: Immerhin ist der Tabellenführer das einzige Team, das in der Rückrunde noch ungeschlagen ist.

Auch die Tatsache, dass die Mannschaft zuletzt zwei Mal nicht gewonnen hatte, obwohl sie drückend überlegen war, ist für Jürgen Klopp seit dem Wochenende Vergangenheit. Zwar hatte auch der Trainer "mehr Klarheit in den Aktionen" angemahnt. Jetzt aber ist er überzeugt: "Nach den Diskussionen um die Chancenverwertung hat die Mannschaft ihre Prüfung bestanden!"

Großkreutz' freundliche Grüße

Das stimmt, weil am Ende für den BVB zwei Tore zu Buche standen und man sich für den hohen Aufwand mit drei Punkten belohnte. Dass aber wiederum 25 (!) Torschüsse nur zu zwei Treffern führten, fällt in die Kategorie ausbaufähig. Eine derartige Zahl an Möglichkeiten wird sich nicht in jedem Spiel ergeben - auch kaum am kommenden Samstag beim FC Bayern. Dort muss der BVB dann beweisen, dass er aus weniger Chancen mehr machen kann. Kaltschnäuzigkeit statt Abschlussschwäche heißt die Devise für die Fahrt an die Isar, will man dort erfolgreich sein.

Nicht nur Kevin Großkreutz scheint fest daran zu glauben - und formuliert das auch relativ freimütig. Der Nationalspieler wagte sich schon aus der Deckung und schickte freundliche Grüße Richtung Gegner: "Jetzt fahren wir nach München und gewinnen auch bei den Bayern. Wir brauchen vor keinem Angst zu haben."

Mischung aus Leidenschaft und Leichtigkeit

Keine Angst, keine Nervosität - und auch keinen Druck. Der liegt bei 13 Zählern Rückstand eindeutig auf Seiten des FC Bayern. "Für uns ist es eigentlich nur ein weiteres Spiel, das wir unbedingt gewinnen wollen", bleibt Marcel Schmelzer ganz entspannt. "Wir können frei aufspielen, wir haben nichts zu verlieren", meint auch Großkreutz.

Der BVB ist ganz offenbar gewillt, auch bei den Bayern mit der erprobten Erfolgsformel der Saison zu bestehen - mit jener unwiderstehlichen Mischung aus Leidenschaft und Leichtigkeit. Und mit einem Gefühl im Rücken, das die Südtribüne nach dem St. Pauli-Spiel wieder in Worte fasste: "Deutscher Meister wird nur der BVB!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte