Wolfsburg - Rückblick, 8. März 2014: Fassungslos und schwer enttäuscht schlichen die Wölfe Richtung Kabine. Mit 6:1 Toren waren sie aus der eigenen Arena geschossen worden. Dabei hatten sie 1:0 geführt und sich dem FC Bayern München lange Zeit als ebenbürtig erwiesen. Doch dann mussten sie fünf Bayern-Treffer innerhalb von 17 Minuten (63. bis 80. Minute) wegstecken.

Es sollte für lange Zeit die letzte Heimniederlage des VfL Wolfsburg bleiben - bis das Los es so wollte, dass 20 Monate und 19 Tage nach der Pleite in der zweiten Runde des DFB-Pokals der Meister beim Pokalsieger antreten musste. Was von vielen als ein "vorweggenommenes Endspiel" bezeichnet worden war, sollte sich in der Volkswagen Arena zu einer einseitigen Angelegenheit entwickeln.

Der FC Bayern München gewann 3:1 und beendeten damit eine Serie von 27 Heimspielen ohne Niederlage und die Ambitionen des VfL, den Pokal zu verteidigen. Und obwohl Kapitän Diego Benaglio konstatieren musste, dass von "unter Wert" nicht die Rede sein könne, hielt sich die Enttäuschung nicht nur beim VfL-Keeper in Grenzen. "Die Bayern sind eine Klasse für sich", zollte er dem Gegner Respekt.

Frage: Hat der VfL Wolfsburg heute eine Lehrstunde erhalten, Herr Benaglio?

Diego Benaglio: Das kann man so sagen. Sie haben uns von der ersten Minute ihr Spiel aufgezwungen und uns überhaupt nicht spielen lassen. In der ersten Halbzeit ist uns gar nichts gelungen. Das frühe Tor (15. Minute; die Red.) hat seinen Teil dazu beigetragen. Das war ein schöner Schuss von Costa, aber den kann man verteidigen. Andererseits hätten wir vor der Pause auch fünf oder mehr Tore kriegen können.

"Muss man sportlich fair anerkennen"

Frage: Sie wirken, wie viele Ihrer Mitspieler auch, gar nicht richtig enttäuscht. Täuscht der Eindruck?

Benaglio: Nein. Die Bayern waren heute eine Klasse für sich. Das muss man sportlich fair anerkennen. Es tut aber weh, dass der Weg im Pokal zu Ende ist. Wer einmal in Berlin war und diese Atmosphäre erlebt hat, möchte das natürlich wieder.

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Frage: Dabei war die Hoffnung doch, dass man, wenn man mit den Bayern schon nicht über eine gesamte Saison mithalten kann, ihnen zumindest in einem K.o.-Spiel Paroli bieten kann...

Benaglio: Das stimmt. Aber wir haben heute gegen eine der besten wenn nicht die beste Mannschaft Europas gespielt. Die Bayern sind eine Klasse für sich.

"Man ist sauer, enttäuscht...."

Frage: Was geht einem nach so einer ersten Halbzeit durch den Kopf?

Benaglio: Natürlich waren wir verärgert, dass wir nicht umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen haben. Man ist sauer, enttäuscht, es gehen einem viele Gedanken durch den Kopf. Auch: jetzt bloß keine zu herbe Klatsche kassieren.

Frage: In der zweiten Hälfte lief es dann ja besser...

Benaglio: Die zweite Halbzeit lief in der Tat besser, aber wir wissen auch, dass das nicht allein unser Verdienst war. Die Bayern haben ein, zwei Gänge zurückgeschaltet und ihre Führung souverän verteidigt . Sie hätten jederzeit wieder eine Schippe drauflegen können.

"Haben uns als Team präsentiert"

Frage: Was kann man aus so einem Spiel Positives mitnehmen?

Benaglio: Dass wir uns trotz der Überlegenheit der Bayern in Durchgang eins nicht aufgegeben haben. Wir haben uns als Team präsentiert. Und für André Schürrle freut es mich, dass er nach seiner Einwechslung getroffen hat. Er macht und tut und gibt im Training alles. Er erwartet von sich selber viel mehr als er bisher zeigen konnte. Ich wünsche ihm, dass ihm das Tor heute einen Pusch gibt.

Frage: Am Samstag kommt mit Leverkusen ein weiterer Champions-League-Starter in die Volkswagen Arena. Was muss man tun, um das Spiel von heute aus den Köpfen zu bekommen?

Benaglio: Was bleibt uns denn anderes übrig, als nach vorn zu schauen. Wir müssen dieses Spiel ganz schnell abhaken. Gegen Bayer wollen wir dann gewinnen, um uns oben festzusetzen, denn unser Ziel ist es, auch in der kommenden Saison Champions League spielen.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs.

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