Hamburg - Die Sommerpause ist vorbei, auch die Profis des Hamburger SV sind wieder mit Feuereifer ins Training eingestiegen. Nach der schlechtesten Saison seiner Bundesliga-Geschichte wollen die Hanseaten wieder durchstarten.

Der prominenteste Neuzugang des Bundesliga-Dinos dürfte Rene Adler sein. Der Nationaltorhüter kam von Bayer Leverkusen und spricht bei bundesliga.de über seine lange Leidenszeit, seinen Abschied von der "Werkself" und die Ziele mit seinem neuen Club.

bundesliga.de: Rene Adler, Sie waren lange verletzt und haben über ein Jahr lang kein Bundesliga-Spiel mehr bestritten. Wie geht es Ihnen? Wie fit sind Sie?

Rene Adler: Ich bin kerngesund und fühle mich topfit. Ich habe eine achtmonatige, intensive Reha hinter mir. Wahrscheinlich hätte auch weniger Zeit gereicht, aber so kann ich mir zu 100 Prozent sicher sein, dass ich in einem Topzustand bin. Die Verletzung hatte im Nachhinein auch etwas Positives. Besonders auf mentaler Ebene habe ich viel gelernt.

bundesliga.de: Wie schwer ist Ihnen in Leverkusen der Abschied gefallen?

Adler: Ich war zwölf Jahre in Leverkusen - eine schöne Zeit. Aber jetzt bin ich beim HSV und fühle mich wie an meinem ersten Schultag. Es wartet eine neue Erfahrung auf mich und ich spüre die Vorfreude. Es ist ein Neuanfang von allem. Ich bin jemand, der gerne langfristig plant, nicht jede Saison den Verein wechselt. Ich bin nach Hamburg gekommen, um ein Teil der neuen Mannschaft zu sein. Eine Mannschaft mit sehr viel Potenzial. Ich bin gespannt auf die kommende Zeit.

bundesliga.de: Haben Sie Bayer mit dem Gefühl verlassen, dass man Sie dort ein bisschen hat fallen lassen, nachdem Ihr Nachfolger Bernd Leno so großartig eingeschlagen hat?

Adler: Ich habe den Verein im Guten verlassen. Keine Seite hat sich eine so lange Verletzung gewünscht, aber auch das gehört zum Fußball. Dazu kommt, dass Bernd einen guten Job gemacht hat. So eine Situation ist für den einzelnen Spieler schwierig, aber das gehört eben auch dazu. Ich blicke jetzt nach vorne und freue mich auf die Zeit beim HSV.

bundesliga.de: Fühlten Sie sich ohnmächtig, weil Sie wegen Ihrer Verletzung den Kampf um die Nummer 1 nicht auf dem Platz austragen konnten? Wie sind Sie damit umgegangen?

Adler: Im Fußball bringt es nichts, verpasste Gelegenheiten zu bedauern. Natürlich ist man nicht immer davor gefeit, sich zu fragen, was hätte sein können. Diese Gedanken sind unterm Strich aber nicht leistungsfördernd und nicht realistisch. Ich bin Realist und ich konzentriere mich darauf, was ich beeinflussen kann.

bundesliga.de: Mit welchen Erwartungen und Zielen fangen Sie nun beim Hamburger SV an?

Adler: Man muss sich nur den Kader anschauen. Diese Mannschaft besitzt großes Potenzial. Natürlich müssen wir intern besprechen, warum es in der vergangenen Saison so schwer war, dieses stetig abzurufen. Dazu kann ich, weil ich zu dieser Zeit nicht im Verein war, nur wenig sagen, aber ich werde meinen Beitrag leisten, dass wir in der Zukunft zeigen, was wir können. Hamburg ist eine fußballverrückte Stadt, die sich nach Erfolgen sehnt. Beim HSV ist viel möglich. Es liegt nun an uns, dieses Potenzial auch auszuschöpfen.

bundesliga.de: Warum haben Sie sich für den HSV entschieden? Welche Rolle haben Sportdirektor Frank Arnesen und Trainer Thorsten Fink gespielt?

Adler: Der Kontakt zur sportlichen Leitung war aufrichtig und nachhaltig. Man hat sich intensiv um mich bemüht. Dabei habe ich gemerkt, dass dort Leute sind, die etwas aufbauen möchten und ihre Ziele konsequent verfolgen. Der ganze Umgang miteinander hat mir imponiert. Es besteht eine sehr gute Grundlage für die Zusammenarbeit.

bundesliga.de: Beim HSV wird der bisherige Stammkeeper Jaroslav Drobny seinen Posten nicht kampflos räumen. Wie hart wird der Konkurrenzkampf?

Adler: Zum Fußball gehört der Konkurrenzkampf, es geht in erster Linie um Leistung. Sorgen mache ich mir keine. Ich bin der Überzeugung, dass ich meinen Platz im Team finde.

bundesliga.de: Wie verlief der Trainingsauftakt?

Adler: Sehr positiv. Man muss sich natürlich zunächst mit dem Umfeld vertraut machen, aber das funktioniert schon sehr gut. Einige Spieler kenne ich ja auch noch aus der Nationalmannschaft.

bundesliga.de: Was ist für den HSV in der kommenden Saison drin?

Adler: Ich bin kein Freund von Prognosen vor einer Saison. Wir müssen den nächsten Schritt machen und wollen unser Optimum erreichen.

bundesliga.de: Beim HSV haben in der Vergangenheit eine Reihe von großartigen Torhütern wie Rudi Kargus, Uli Stein oder Frank Rost im Kasten gestanden. Keiner von Ihnen wurde die Nummer 1 in Deutschland. Welche Chancen rechnen Sie sich noch in der Nationalmannschaft aus?

Adler: Ich bin ambitioniert genug, um das Ziel Nationalmannschaft zu haben. Aber zuallererst möchte ich mit dem HSV Erfolg haben. Alles Weitere wird sich dann von selbst ergeben.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski