Mit einem fröhlichen Lächeln nahm Trainer Martin Jol in der Lobby des Grand Elysee Hotels Platz, um sich den Fragen von hsv.de zu stellen.

Gemütlich lehnte sich der niederländische Coach in einem der weißen Sessel in der Eingangshalle des Hotels zurück, um über seine ersten Arbeitstage, seinen bisherigen Kontakt zur Mannschaft, einen möglichen Wechsel von Rafael van der Vaart und seine Taktikvorstellungen zu sprechen.

Frage: Martin Jol, am Freitag erwarten Sie die ersten Spieler zum Leistungstest in der Arena. Inwieweit hatten Sie schon Kontakt zu Teilen der Mannschaft?

Martin Jol: Von Freitag bis Sonntag machen wir die ersten Leistungstests. Die Nationalspieler haben alle 18 Tage frei bekommen, am 11. Juli kommen beispielsweise van der Vaart, de Jong und Mathijsen wieder und fahren gleich mit ins Trainingslager. Olic fängt sogar schon früher an. Ich habe aber nicht mit allen gesprochen. Wenn du mit einem telefonierst, ist der andere vielleicht sauer, dass ich mit ihm nicht gesprochen habe. Wir werden noch genug Zeit haben, uns alle kennenzulernen. Bei mir sind alle Spieler gleich. Alle fangen Blanko an.

Frage: Sind Sie ein harter Hund in der Vorbereitung?

Jol: Die umfangreichen Leistungstest am Anfang geben uns einen genauen Überblick über den jeweiligen Leistungsstand. Das habe ich bislang bei jeder Mannschaft so gemacht. Ansonsten sage ich immer, wer erfolgreich sein will, muss auch etwas investieren.

Frage: Welchen Eindruck konnten Sie bislang von der Mannschaft und Ihrem Leistungsvermögen gewinnen?

Jol: Im letzten Jahr hat die Mannschaft den vierten Platz belegt, also muss es eine gute Mannschaft sein. Wir haben viele junge, hoffnungsvolle Talente beim HSV, dazu spezielle Spielertypen wie Olic und Extraklasse wie van der Vaart.

Frage: Bei Letztgenannten steht allerdings noch nicht endgültig fest, ob er auch zukünftig beim HSV spielen wird. Wie gehen Sie damit um?

Jol: Bei van der Vaart ist es eine besondere Situation. Zeljko Petrovic hat mit ihm telefoniert und Rafael hat nach wie vor gesagt, dass er gerne beim HSV bleiben will. Er liebt Hamburg. Aber es kann sein, dass er über einen Wechsel nachdenkt, wenn ein Verein wie Real Madrid oder Barcelona kommt. Das hat sich aus den Gesprächen im letzten Jahr ergeben. Normalerweise weiß man so etwas schon zu diesem Zeitpunkt, aber in diesem Fall ist es anders.

Frage: Spieler wie Mohamed Zidan und Tim Atouba, über die in den letzten Wochen viele Berichte in den Medien zu lesen waren, werden wieder ihre Chance suchen.

Jol: Bei Tottenham hatten wir auch zwei Ägypter. Ich kenne ihre Mentalität. Für Zidan wird es erst einmal darum gehen, sich nur auf den Fußball zu konzentrieren. Atouba kenne ich noch aus der Zeit bei Tottenham. Wir hatten mit Edman einen weiteren sehr guten Linksverteidiger und Tim hat damals zu mir gesagt, dass er nach Hamburg möchte. Als er hier eine gute Saison gespielt hat, habe ich gedacht, vielleicht habe ich einen Fehler gemacht. Auch er kann sich noch weiterentwickeln. Er ist gut in der eigenen Hälfte, aber kann noch besser in der anderen Hälfte werden.

Frage: Welches System bevorzugen Sie?

Jol: Es steht immer im Verhältnis zur Notwendigkeit. Thomas Doll hat mit der Raute sehr gut gearbeitet. Wenn Stevens das gemacht hätte, wäre er vielleicht abgestiegen. Deutschland hat bei der EURO kurzfristig erfolgreich umgestellt. Man braucht auch immer Resultate. Ich bevorzuge ein 4-2-3-1. Doch auch mit anderen Systemen können wir anderen Teams Probleme bereiten. Da ist Flexibilität notwendig.