Borussia Dortmund ist gut aus den Startlöchern gekommen. Doch nach dem 1:1 gegen Bayern München überwog zunächst die Enttäuschung. Jetzt fiebert der BVB dem Spiel in Cottbus entgegen.

Der Schlager gegen den FC Bayern war rund eine Stunde vorbei, als der neue BVB-Trainer Jürgen Klopp nach einem kleinen Medienmarathon im Halbdunkel der Katakomben des Signal Iduna Parks gegenüber bundesliga.de seine letzten Statements für den Tag von sich gab.

"Atmosphäre einfach geil"

Danach posierte er lächelnd mit einigen Fans in den Armen für zahlreiche Fotos, bevor er sich schließlich erschöpft ins Auto fallen und von einem Fahrer aus der Arena kutschieren ließ.

"Die Atmosphäre war einfach geil, unglaublich, sensationell. Es hat ohne Ende Spaß gemacht. Aber ich muss jetzt erst einmal ein bisschen am Ergebnis knabbern", hatte er zuvor noch gesagt. "Nicht weil ich denke, du musst die Bayern schlagen. Aber wenn wir sie da haben, wo wir sie hatten, dann müssen wir sie schlagen."

"Wir haben zwei Punkte verschenkt"

Die Zeiten haben sich geändert in Dortmund. Ein 1:1 gegen den deutschen Rekordmeister Bayern München ist kein Grund mehr für Zufriedenheit. Der Stachel der Enttäuschung über den späten Ausgleich und den verpassten Sieg saß tief, nachdem der BVB den Gast in den ersten 45 Minuten dominiert und die Mannschaft fast 70 Minuten in Überzahl gespielt hatte.

"Wir haben zwei Punkte verschenkt", ärgerte sich Dortmunds Florian Kringe. "Wir hätten das Ding gewonnen, wenn wir aktiver gewesen wären", pflichtete ihm Innenverteidiger Mats Hummels bei. "In der Kabine war eine Stille, wie ich sie selten erlebt habe", meinte Torwart Marc Ziegler. Der Trainer sprach von "einer gefühlten Niederlage". "Unsere beste Phase hatten wir, als die Bayern noch zu elft waren. Da waren wir wirklich gut, da hat alles gepasst", so Klopp. "Dann hat die Mannschaft nachgelassen. Vielleicht hat so ein bisschen der Glaube an uns selber gefehlt."

Klopp sorgt für Aufbruchstimmung

Mit dem Abstand einige Tage dürfte sich die Enttäuschung etwas gelegt haben. Immerhin hat Borussia Dortmund aus den beiden schweren Auftaktpartien in Leverkusen (3:2) und gegen die Bayern vier Punkte geholt, die erste Pokalrunde unbeschadet überstanden und auch den spektakulären Blitztransfer Petric/Zidan problemlos weggesteckt.

Weil sich das Medieninteresse hauptsächlich auf den charismatischen neuen Sympathieträger Jürgen Klopp konzentriert, kann sich die Mannschaft weitgehend in Ruhe weiterentwickeln. Der Trainer hat nach der schlechtesten Saison seit 22 Jahren für eine Aufbruchstimmung gesorgt und die Mannschaft in seinen Bann gezogen."

Jürgen Klopp ist locker, kann aber auch den Schalter umlegen. Es ist eine gute Mischung", beschreibt Florian Kringe seinen Chef. "Wir kommen alle locker und mit Spaß zum Training. Jeder ist motiviert an sich zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln. Aber auf dem Trainingsplatz oder beim Spiel verlangt er uns 100 Prozent ab. Dann geht es richtig zur Sache. Gegen die Bayern konnte man schon phasenweise die Handschrift des Trainers erkennen. In der zweiten Halbzeit hat man aber auch gesehen, dass wir noch einige Arbeit vor uns haben."

Zidan als neuer Hoffnungsträger

Große Hoffnungen setzt der BVB in seine Neuverpflichtung Mohamed Zidan, der bereits zum dritten Mal einen sportlichen Neuanfang unter Klopp wagt. Zweimal blühte der sensible Ägypter in Mainz unter Klopp auf, schoss Tore am Fließband. "Er ist ein ganz besonderer Trainer", sagt Zidan. "Er weiß, wie er mich motivieren kann. Unter ihm war ich immer gut und konnte bestehen."

Zweifel an Zidans Klasse haben sie in Dortmund nicht. "Er hat sich super eingeführt", urteilt Kringe stellvertretend für die Truppe. "Er hat offensiv sehr gute Aktionen gehabt. Er ist ein sehr wendiger und bissiger Spieler, der sich auch nicht zu schade war, auch defensiv eine Menge zu arbeiten." Der Einsatz von Zidan gegen Cottbus ist aber fraglich. Der Ägypter klagt über Schmerzen im Fuß.

Was jetzt noch fehlt zum rundum gelungenen Saisonstart? "Ein Dreier in Cottbus", sagt Kringe. Die Chancen stehen nicht schlecht. Bislang gewann die Borussia alle fünf Bundesliga-Gastspiele in der Lausitz.

Tobias Gonscherowski