Seit Mittwoch sind Willy Sagnol, Martin Demichelis und Lucio zurück im Training des FC Bayern München. Damit ist der Kampf um die Stammplätze in der Abwehr voll im Gange.

Und die Messlatte für die kommende Saison liegt sehr hoch. Mit nur 21 Gegentreffern in der abgelaufenen Spielzeit stellten die Bayern einen neuen Bundesliga-Rekord auf. Für die zwei Innenverteidigerposten stehen mit Lucio, Demichelis, Breno und Daniel van Buyten vier Profis Gewehr bei Fuß. Die besten Karten dürfte der Argentinier Demichelis haben.

Der 27-Jährige stand in der Bundesliga-Saison 2007/08 28 Mal in der Anfangsformation und wurde nur ein einziges Mal ausgewechselt. "Das war meine bisher beste Saison. Ich hoffe, dass diese noch besser wird. Es ist nicht immer einfach, du musst jeden Tag viel zeigen. Aber letzte Saison konnte ich zeigen was ich kann", zeigt sich Demichelis zufrieden mit seiner Leistung.

Olympia ist abgehakt

Vergessen ist die Diskussion um die Olympischen Spiele, an denen Martin Demichelis gerne teilgenommen hätte, von den Bayern aber keine Freigabe bekam. "Das Thema Olympia ist abgehakt. Natürlich hätte ich gerne in Peking gespielt, aber nun bin ich hier und will eine gute Vorbereitung machen und mich voll und ganz auf Bayern konzentrieren", so Demichelis.

Mit dieser Einstellung und seinen Leistungen in der vergangenen Saison kommt der Innenverteidiger auch für einen weiteren Posten in Frage - den des Kapitäns. "Natürlich wäre es eine schöne Sache, wenn ich Kapitän werden würde. Dies ist nun meine sechste Saison bei den Bayern. Das kann man nicht ablehnen, wenn man gefragt wird, aber diese Entscheidung muss Jürgen Klinsmann treffen", so Demichelis gegenüber bundesliga.de.

Der bisherige Co-Kapitän Lucio ist gar nicht so wild darauf, sich in der kommenden Saison die Kapitänsbinde überzustreifen und die Nachfolge von Oliver Kahn anzutreten. "Das Kapitänsamt ist für mich nicht so wichtig. Für mich ist es wichtig, dass ich weiterhin meine beste Leistung bringe und mich für das Wohl der Mannschaft einsetze", sagt der 30-jährige auf Nachfrage von bundesliga.de bescheiden.

Verzicht auf Sturmläufe

Zum Wohl der Mannschaft will der Innenverteidiger auch in der kommenden Spielzeit auf seine bekanntgewordenen Vorstöße in die gegnerische Hälfte verzichten. "Ich werde mich an die Angaben des Trainers halten und der Mannschaft helfen. Natürlich wollte ich öfters mal nach vorne stürmen, aber aus Respekt vor dem Trainer und für das Team blieb ich hinten".

Gerade zum Saisonstart gibt es gerade hinten einiges zu tun, steht doch nach dem Karriereende von Oliver Kahn mit Michael Rensing eine neue Nummer 1 im Bayern-Kasten, mit der es sich in der Anfangsphase einzuspielen gilt. "Wir haben viel Vertrauen in Michael. Er hat ja schon einige Einsätze gehabt und dabei gute Leistungen gezeigt. Er hat seine Qualitäten und schreit schon genauso wie Oliver Kahn über den Platz", zeigt sich Lucio mit einem Lächeln zuversichtlich.

Auf dem Platz will auch Willy Sagnol wieder sein Können beweisen. Nach einer schweren Knieverletzung, die den 31-jährigen Franzosen monatelang außer Gefecht gesetzt hatte, kam der Rechtsverteidiger nicht über neun Saisoneinsätze hinaus.

Champions-League-Sieg ist möglich

Nach einer verkorksten EURO, bei der Frankreich schon nach der Vorrunde die Koffer packen musste, will Sagnol bei den Bayern wieder angreifen.

"Die EURO ist abgehakt. Jetzt zählt nur noch der FC Bayern. Ich habe am Ende der vergangenen Saison meinen Rhythmus im Spiel einfach nicht gefunden und nicht genug Vertrauen gespürt. Aber ich arbeite jeden Tag, um wieder mein altes Niveau zu erreichen. Ich werde in der Vorbereitung mein Bestes geben, aber der Trainer entscheidet, wer spielen wird. Wir werden sehen, wer das sein wird", gibt sich der letzte verbleibende Champions-League-Gewinner von 2001 kämpferisch.

Die Champions League würde Sagnol auch gerne noch einmal gewinnen und sieht für die kommende Saison auch gute Chancen dafür. "Natürlich haben wir das Potenzial, nächste Saison die Champions League zu gewinnen. Wir haben eine super Mannschaft mit hoher Qualität und Erfahrung. Und nun sind wir auch eingespielt".

Wechsel ist kein Thema mehr

Und auch das Wechselthema der Winterpause ist keines mehr: "Es gab Angebote. Aber ich habe dem Verein schon vor der EURO mitgeteilt, dass ich bleibe. Nach acht Jahren wollte ich mich nicht nach so einer Saison verabschieden." Der routinierte Franzose nimmt den harten Konkurrenzkampf mit Lahm und Lell an und will auch Verantwortung übernehmen.

Dabei zeigt sich Sagnol auch bereit, die Bürde der Kapitänsbinde zu übernehmen. "Natürlich bin ich bereit, ich war es schon ein paar Mal, und ich würde mich freuen, denn ich bin der dienstälteste Spieler in den Reihen."

Und vielleicht stemmt Willy Sagnol dann als Bayern-Kapitän am 27. Mai 2009 im Olympiastadion zu Rom den Champions-League-Pokal in die Höhe.

André Wagner