Wolfsburg - Dem enttäuschenden 2:2 gegen den Mit-Abstiegskonkurrenten FC St. Pauli folgte eine turbulente Woche in Wolfsburg. Am Dienstag stellten sich Kapitän Marcel Schäfer und die Spieler im Fansaal der Volkswagen Arena den erbosten Anhängern.

Und Druck gab es nicht nur von der Fan-Seite, auch die Verantwortlichen des VfL nahmen die Spieler in die Pflicht: "Alle Egoismen müssen ausgeschaltet werden, und der Fokus muss allein auf dem Erreichen des Klassenerhalts liegen", forderte Francisco Javier Garcia Sanz.

"Wenn die Mannschaft jetzt nicht konsequent agiert, dann werden wir Konsequenzen ziehen", drohte der Aufsichtsratsvorsitzende und bescheinigte den Spielern "beratungsresistent" zu sein. Ein Vorwurf, den der mittlerweile entlassene Manager Dieter Hoeneß den Spielern in einem Gespräch mit bundesliga.de bereits im Dezember vergangenen Jahres gemacht hatte.

Erfolgreiche Jagd der "Wölfe"

Zu aller Überraschung gab Felix Magath der Mannschaft am Mittwoch einen Tag frei. In so einer Situation sei es wichtig, einmal "zu tun, was die Spieler nicht erwarten", begründete der Trainer die Maßnahme und hoffte, die Spieler würden "nach dem Druck der letzten Tage" die Zeit nutzen, die Köpfe freizubekommen.

Mit Erfolg: Das "Wolfsrudel" kehrte von der Jagd auf die "Geißböcke" erfolgreich zurück und feierte einen klaren 4:1-Sieg. "Ich hatte seit meiner Rückkehr zum ersten Mal das Gefühl, dass die Spieler begriffen haben, um was es geht", analysierte Magath, der gegen den 1. FC Köln zum 450. Mal bei einem Bundesligaspiel auf der Bank saß.

"Haben die richtige Antwort gegeben"

"Die Aussprache mit den Fans war wichtig. Sie haben uns die Meinung gegeigt. Und wir haben die richtige Antwort gegeben", zeigte sich Sascha Riether, der die Gespräche mit den Fans als "sehr fruchtbar" bezeichnete, einsichtig. "Auf dieser Leistung müssen wir aufbauen."

"Wir haben mutig nach vorn gespielt. So muss es weitergehen", blickte auch Marcel Schäfer nach vorn. Für den Kapitän war das Spiel gegen Köln "mental ein Endspiel. Wir wissen jetzt, dass wir auch noch gewinnen können", sagte der 26-Jährige nach dem ersten "Dreier" seit sieben Spielen und der Rückkehr von Magath.

Magath will "rechtzeitig in Urlaub"

Und Siege müssen her aus den letzten drei Partien in Bremen, gegen Kaiserslautern und in Hoffenheim, denn den Deutschen Meister von 2009 trennen nur drei Punkte von Borussia Mönchengladbach und dem FC St. Pauli auf den Abstiegsrängen.

Die zwei Punkte auf Eintracht Frankfurt auf Rang 15 will Magath auf jeden Fall auch noch aufholen, denn "ich plane nicht mit der Relegation, ich möchte rechtzeitig in Urlaub gehen", war dem sichtlich erleichterten Trainer schon wieder nach einem Scherz zumute. Um sofort wieder ernst zu werden: "Auch dieses Mal gab es wieder die leichte Tendenz, sich zu sicher zu fühlen", hatte Magath nach dem 3:1 ein Nachlassen seiner Spieler beobachtet. "Das müssen wir am Freitag gegen Werder Bremen abstellen."

"Müssen uns keine Sorgen machen"

Das haben sich seine Spieler fest vorgenommen: "Wenn wir so auftreten wie heute, müssen wir uns keine Sorgen machen", ist der zweimalige Torschütze Mario Mandzukic gegenüber bundesliga.de von der eigenen Stärke überzeugt. "Ich bin von unserer Mannschaft überzeugt und schau' nicht auf die Konkurrenz."

In den letzten vier Heimspielen hat der von Magath von der Außenbahn ins Sturmzentrum versetzte Kroate immer getroffen. Jetzt will er in Bremen beweisen, dass er auch auswärts Tore erzielen kann, damit die kommenden Wochen für die "Wölfe" nicht weiter so turbulent verlaufen wie die vergangene.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs