Nicht besonders gut gespielt und trotzdem gewonnen. Das war schon immer eine der großen Stärken des FC Bayern.

Der deutsche Rekordmeister findet nach einem holperigen Bundesliga-Start mit zuletzt fünf Siegen am Stück wieder zurück in der Erfolgsspur. Nur noch ein Punkt trennt die Münchener nach dem etwas schmeichelhaften 2:1-Erfolg bei Schalke 04 von der Tabellenführung.

Arbeit statt Zauberei

Aber gerade die Art und Weise, wie die Bayern ihre "Dreier" einfahren, dürfte die Konkurrenz beeindrucken. Die Mannschaft von Jürgen Klinsmann lieferte in den letzten Wochen einen "Arbeitssieg" nach dem anderen ab und keinesfalls jenen Zauberfußball, mit dem die jungen Teams aus Hoffenheim und Leverkusen die Fans in kollektives Entzücken versetzten.

Was soll aber erst werden, wenn die Münchener neben der Effizienz auch noch die zweifellos vorhandene spielerische Extraklasse voll zur Entfaltung bringen?

"Es war ein wunderschönes Wochenende für den FC Bayern", frohlockte Bayern-Manager Uli Hoeneß. "Die anderen spüren den heißen Atem des FC Bayern. Wenn wir die Tabellenführung erst einmal haben, geben wir sie nicht mehr her." Dass Schalke mehr Spielanteile und 66 Prozent Ballbesitz hatte, 18:1-Ecken für sich verbuchen und 47 Flanken in den Bayern-Strafraum schlagen konnte, war Hoeneß egal. "Wir haben 2:1 Tore erzielt. Und Tore sind wichtiger als Ecken."

"Sind voll im Geschäft"

Die Bayern waren mit sich und der Welt einfach zufrieden. Auch das Fehlen der verletzt ausgefallenen deutschen Nationalspieler Philipp Lahm, Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger konnte gegen Schalke kompensiert werden. "Wir konzentrieren uns nur auf uns. Wir sind eine starke Truppe. Das hat man auch gegen Schalke wieder gesehen. Insofern wird es schwer für die anderen", strahlte Mittelfeldspieler Tim Borowski pures Selbstbewusstsein aus.

"Wir haben gewusst, dass wir voll im Geschäft sind, wenn wir gegen Schalke gewinnen und das ist jetzt der Fall", betonte Hoeneß. "Für unser Selbstvertrauen, unser Mia-san-mia-Gefühl war der Sieg wichtig. Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg."

Schnellstmöglich an die Spitze

Das sah Trainer Jürgen Klinsmann genauso. Nach dem Sieg klatschte er sichtlich erleichtert seine Spieler ab und lief anschließend sogar zusammen mit der Mannschaft in die Fankurve. "Das war ein Schlüsselspiel, da brauchen wir nicht drumherum reden", gestand er.

"Wir sind natürlich sehr, sehr zufrieden mit dem Sieg. Er bringt uns langsam da hin, wo wir hinwollen. Wir wollen so schnell wie möglich Tabellenführer in der Bundesliga werden. Unser Ziel ist nach wie vor die Herbstmeisterschaft."

In den direkten Duellen gegen Leverkusen und Hoffenheim (am 15. und 16. Spieltag) können die Bayern spätestens den Sprung an die Spitze schaffen, von der sie nach dem 7. Spieltag noch sieben Punkte trennten. Die Konkurrenz ist gewarnt. "Unser Sieg wird die anderen beeindrucken", glaubt Bayern-Kapitän Mark van Bommel, "denn es ist nicht so einfach auf Schalke zu gewinnen".

Platz 1 im Blick

Klinsmann fühlt sich durch die Erfolge der letzten Wochen in seiner Arbeit bestätigt. Dass der schnelle Erfolg zunächst ausblieb, ficht ihn nicht mehr an. Sachlich analysiert er die Gründe der Aufholjagd.

"So langsam trägt unsere Arbeit Früchte.Wir hatten eine schwierige Vorbereitung mit den Nachzüglern der Europameisterschaft und einigen Verletzungen. Franck Ribéry ist jetzt wieder da. Er ist einer, der den Unterschied ausmacht, wenn es in so einem Spiel zur Sache geht. Aber die Mannschaft merkt auch: Sie ist fit und wird immer stabiler. Die Körpersprache ist positiv selbst nach einem Gegentor. Sie sagt sich dann: Das ist gar kein Problem, wir legen wieder einen nach. Das gibt ihr Stärke."

Und abschließend: "Es liegt nur an uns. Das weiß die Mannschaft auch. Wir wollen in allen Wettbewerben vorne dabei sein. Wir stehen in der Champions League auf Platz 1. Da wollen wir auch in der Bundesliga bald hin." Am kommenden Samstag geht der Kampf um die Tabellenspitze weiter. Dann gastiert der FC Bayern bei Borussia Mönchengladbach.

Tobias Gonscherowski

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