München - Fünf Tore in sieben Bundesligaspielen für den 1.FC Kaiserslautern: Srdjan Lakic liegt derzeit in der Torschützenliste auf Rang 2, ist mit seinen Toren die Pfälzer Lebensversicherung und endlich in der Bundesliga angekommen.

Dabei ging sein erster Bundesligaauftritt beim jetzigen Zweitligisten Hertha BSC gründlich daneben. Jetzt aber hat er in Deutschlands Eliteklasse richtig Fuß gefasst. Mittlerweile ist Lakic jedem Fußballfan im Land ein Begriff.

bundesliga.de erzählt, warum Lakic Dieter Hoeneß dankbar ist, was er von Aberglauben im Fußball hält und warum er doch keine Karriere im Wassersport gemacht hat.

Spätstarter

Erst mit 23 schaffte der Angreifer den Sprung in den Profikader von NK GOSK Dubrovnik in Kroatiens Liga zwei. Damals war vor allem seine körperliche Verfassung der Grund dafür, dass es noch nicht früher geklappt hat, obwohl er eingesteht, dass er die besten Voraussetzungen dafür hatte. "Ich war als junger Spieler sehr talentiert und deutlich besser als andere in meinem Jahrgang. Dann ist meine Entwicklung stehen geblieben, ich habe mich körperlich nicht so weiterentwickelt wie andere in meinem Alter. Mit 18, 19 Jahren war ich körperlich noch etwas schwach. Mit 20 bin ich noch gewachsen und habe richtig Kraft gekriegt." Und wie. Heute hat der 1,86-Meter-Stürmer vor allem im Zweikampf seine Stärken und ist mit seinen Qualitäten im Kopfballspiel ein wichtiger Faktor in der FCK-Offensive.

Tore gegen seine Idole

Vor dem Spiel in Hamburg hatte Lakic verraten, zu welchem Stürmerstar er jahrelang bewundernd aufgesehen hatte. "Ruud van Nistelrooy war mein absolutes Vorbild und jahrelang mein Lieblingsspieler. Jetzt bin ich selbst sehr weit gekommen und spiele in der gleichen Liga." Doch obwohl er gegen van Nistelrooys HSV traf, verlor sein FCK. Auch zu Bayerns Olic blickt er auf. "Ivica Olic schätze ich sehr. Ich kenne seinen Weg und weiß, dass er in seiner Karriere immer sehr hart gearbeitet hat. Natürlich sehe ich die Spieler als absolute Vorbilder und sie haben große Qualität. Aber ich bin ich und versuche keinen zu kopieren." Nach dem Bayern-Spiel tauschte er mit Olic die Trikots - erhobenen Hauptes, als Torschütze und Sieger.

Einziger Bundesligakapitän ohne Binde

FCK-Verteidiger Martin Amedick und Lakic sind beide absolut gleichberechtigte Kapitäne bei den Pfälzern. Kaiserslautern ist damit der einzige Bundesligaverein, der zwei Spielführer hat. Lakics besondere Aufgabe ist hierbei die Betreuung der jungen Spieler im Kader, während Amedick sich eher um das Organisatorische kümmern soll. Doch nur ein Spieler kann auf dem Spielberichtsbogen als Kapitän aufgeführt sein, genauso wie nur ein Akteur die Spielführerbinde am Arm tragen kann. "Beide Spieler gleichermaßen für mich als Ansprechpartner zur Verfügung" kommentierte FCK-Coach Marco Kurz seine damalige Entscheidung, schloss aber abenteuerliche Tauschsspiele aus: "Natürlich wird die Binde auf dem Platz nun nicht ständig wechseln".

Heimweh

Die kroatische Küstenstadt Dubrovnik, die als auch "Perle der Adria" oder "Kroatisches Athen" bezeichnet wird, ist Lakics Geburtsort. Schnell musste er sich daran gewöhnen, seine Heimat und seine Familie für den Fußball zu verlassen: "Ich bin schon früh von zuhause weggegangen, bin in eine andere Stadt in Kroatien gezogen. Damals habe ich meine Familie genauso wenig gesehen wie heute, obwohl ich im gleichen Land gewohnt habe." Dennoch ist der Kroate mit seiner Familie eng verbunden und lässt die Bande zu seinem Heimatland nicht abreißen: "Ich stehe in regelmäßigem Kontakt mit meinen Eltern und meiner Schwester, leider können wir uns nicht so oft sehen, wie wir das gerne wollen. Die Familie ist mir trotzdem sehr wichtig, aber man kann sich nicht immer alles aussuchen, was man will."

Erste Schritte in der Bundesliga

Seine ersten Bundesligaschritte machte der Rechtsfuß bei Hertha BSC. Heute weiß er, warum es damals nicht optimal für ihn lief. "Ich habe in Berlin sehr gut angefangen, war in den ersten Spielen auch Stammspieler. Der Sprung aus Kroatien nach Deutschland war schon sehr groß, sodass ich in ein kleines Leistungsloch gefallen bin." Seine Berlin-Episode war eine durchwachsene, aber lehrreiche Zeit. Besonders an Herthas damaligen Manager denkt er gerne zurück. Ohne das Engagement von Dieter Hoeneß wäre wohl alles anders gelaufen für Lakic. "Ich bin ihm heute noch dankbar. Er hat mich in die Bundesliga geholt.” Hoeneß ließ es sich auch nicht nehmen, Lakic nach seinem guten Einstand 2008 beim FCK persönlich zu gratulieren.

Torjäger ohne Ego-Trip

Hoeneß hatte sich damals einiges vom kroatischen Angreifer versprochen - Lakics Trefferquoten in Kroatien ließen aufhorchen. Bei verschiedenen Stationen hat er seinen Torriecher immer weiter entwickelt, mit dem er heute ganz Deutschland beeindruckt und Kaiserslauterns Fans jubeln lässt. Bei GOSK Dubrovnik netzte er 13 Mal in 27 Spielen ein, danach folgte eine phänomenale Saison mit 24 Toren in 28 Partien bei Hravatski Dragovolijac Zagreb. Als er weitere 13 Mal in Kroatiens erster Liga bei NK Kamen Ingrad traf, wurde man auch endlich beim kroatischen Verband auf ihn aufmerksam. Wer bei Lakics Torquoten Ego-Trips vermutet, liegt falsch. "Ich bin ein Teamplayer. Ich sehe meine Rolle in der Mannschaft und hoffe, dass wir erfolgreich bleiben."

Warten auf den Anruf

Drei Mal lief Lakic im Trikot mit dem unverwechselbaren roten Schachbrettmuster auf - für Kroatiens U 21. Mittlerweile hat er aber den Durchbruch geschafft und denkt an größere Ziele. Eine Berufung in die Nationalmannschaft "ist mein großer Traum. Trotz der riesigen Konkurrenz in Kroatien fühle ich mich gut genug für die Nationalmannschaft. Wenn ich über einen längeren Zeitraum gesund bleibe und meine Leistung halte, glaube ich, dass ich eine Chance bekommen werde." Nationalcoach Slaven Bilic kennt er sehr gut, denn auch bei der U 21 war er Lakics Trainer. "Ich weiß, dass er und seine Leute mich auf dem Zettel haben. Sie haben meinen guten Start gesehen. Deshalb heißt es jetzt, weiter hart zu arbeiten, damit irgendwann der Anruf kommt."

Verschnupfte Wasserratte

Lakic war es eigentlich gewöhnt, seine Treffer wie einst Diego Maradona mit der Hand zu markieren. Und das sogar noch halbnackt. Denn Lakic war Wasserballer, bevor seine Mutter entschied, dass dies auf Dauer wenig Sinn machen würde. Sie konnte es nämlich nicht mehr länger mit ansehen, dass der kleine Srdjan immer wieder mit verschnupfter Nase nach Hause kam - da schickte sie ihn kurzerhand zum Fußball. Ein Glücksfall für den 1. FC Kaiserslautern und die Bundesliga, dass der unverantwortliche Lakic entweder nach dem Wasserballtraining mit nassen Haaren nach Hause ging oder kroatische Wasserballbecken einfach schlecht beheizt sind, denn sonst würde Lakic heute womöglich in Kroatiens Wasserball-Nationalmannschaft einnnetzen.

Versprochen ist versprochen

Lakic hatte nicht nur bei Hertha, sondern auch bei Kaiserslautern Probleme: Verletzungsbedingt fiel er 2009 lange aus, hatte aber betont: "Ich komme stärker denn je zurück." Lauterns sportlicher Leiter Kuntz glaubte ihm damals: "Wir wussten ja, was wir an ihm haben. Er ist eben nur ein Jahr ausgefallen und er weiß, was er an uns hat. Wir sind ihm da immer beigestanden und man sagt, dann ist irgendwann Zahltag." Lakic fühlt sich bestätigt, will aber noch besser werden: "Ich stehe immer noch hinter meinen Worten und ich glaube, dass ich schon jetzt auf einem besseren Niveau bin, als ich vor meiner Verletzung war. Natürlich habe ich noch viel Luft nach oben. Ich versuche hart zu arbeiten und mich zu verbessern".

Glücklos ohne die "Neun"

Es hätte wenig Sinn, Lakic mit Kleeblättern und Fuchsschwänzen zu beschenken, in der Hoffnung, dass die Glücksgöttin ihm im nächsten Spiel zulächelt und ihm weitere Treffer gönnt. Denn Lakic sagt klipp und klar: "Ich glaube nicht an Glück." Auch dass er es bei Hertha nicht geschafft hat, in Kaiserlautern aber der Durchbruch gelang, liege nur an ihm selbst: "Ich bin ein anderer Spieler, und deshalb komme ich besser zu Recht. Die Hertha damals war mein zweiter Profiverein, die Bundesliga eine andere Welt." Dennoch weiß es die Statistik besser. Ganze 44 Tore erzielte er bei den letzten drei Vereinen, bei denen er mit der "Neun" auflief. Bei Hertha hatte er die 18 bekommen und sich kein einziges Mal in die Torschützenliste eintragen können. Zukünftige Trainer des Kroaten wären also gut beraten, hier lieber nichts dem Zufall zu überlassen und Lakic mit der klassischen Stürmernummer auszustatten.

Christoph Gschoßmann