Leverkusen - Bayer Leverkusen hat die Hinrunde auf dem zweiten Rang abgeschlossen, Eintracht Frankfurt überwintert als Vierter. Mit dem Abschneiden seiner beiden ehemaligen Vereine kann Bernd Schneider hochzufrieden sein. Der 39 Jahre alte Ex-Nationalspieler spricht im Interview mit bundesliga.de über die Entwicklung der beiden Clubs.

bundesliga.de: Herr Schneider, Bayer Leverkusen steht nach der Hinrunde auf Platz 2. Hätten Sie der "Werkself" ein so starkes Halbjahr zugetraut?

Bernd Schneider: Ganz so überraschend kam die gute Hinrunde von Bayer Leverkusen für mich nicht. Trotzdem ist der 2. Platz zwischen zwei so starken Mannschaften wie Bayern München und Borussia Dortmund ein wenig erstaunlich. Ich hätte Leverkusen eher dahinter zwischen Platz 3 und 6 angesiedelt.

bundesliga.de: Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Schneider: Wichtig war, dass sie nach den beiden Auswärtsniederlagen in Frankfurt und Dortmund gelernt haben, sich auf die Defensive zu konzentrieren. Die Trainer haben der Mannschaft etwas mitgegeben, damit die Automatismen danach besser gegriffen haben. Sie spielen aus einer kompakten Defensive und versuchen, über Konterspiel zum Erfolg zu kommen. Leverkusen hat von da an nur noch wenige Torchancen zugelassen und selbst vorne immer die Möglichkeit, ein Tor zu erzielen. So kam die Serie fast zwangsläufig, als sie inklusive Europa League 13 Spiele ungeschlagen waren.

bundesliga.de: Das Trainerduo Sami Hyypiä/Sascha Lewandowski wurde anfangs skeptisch gesehen. Wie bewerten Sie die Arbeit der beiden?

Schneider: Hinter den Erfolgen steckt harte Arbeit des Trainerteams. Sascha Lewandowski und Sami Hyypiä haben der Mannschaft eine Handschrift vorgegeben. Das hat sich von Woche zu Woche immer mehr verfestigt. Die Spieler haben sich darauf eingestellt, wie gesagt, die Automatismen greifen. Der Erfolg gibt dem Trainerteam Recht. Und der Fußball ist auch schön anzusehen.

bundesliga.de: Welchen Eindruck macht das Trainerteam auf Sie?

Schneider: Ich habe den Eindruck, dass sie sehr gut harmonieren. Sascha Lewandowski ist der absolute Fußballlehrer. Er hat schon als Trainer viel erlebt, wenn auch "nur" im Nachwuchsbereich. Ihn kenne ich gut, Sami Hyypiä etwas weniger. Aber er ist eine absolute Respektsperson. Sie ergänzen sich hervorragend. Es passt, sie leisten gute Arbeit. In diesem Jahr werden auch die Spiele gegen vermeintlich kleinere Gegner, die im vergangenen Jahr noch verloren wurden, gewonnen. Ich erinnere mich da noch an das 0:3 gegen Nürnberg vor einem Jahr kurz vor Weihnachten. In diesem Jahr haben sie stattdessen 1:0 gewonnen. Das spricht für die Trainer. Sie motivieren die Spieler gut, die ziehen mit und stehen hinter den Trainern.

bundesliga.de:Stefan Kießling führt nach der Hinrunde die Torschützenliste an. Wie wichtig ist er für die Mannschaft?

Schneider: Stefan Kießling wurde in der Hinrunde für seinen Riesenaufwand, den er betreibt und der für die Mannschaft sehr hilfreich ist, belohnt. Er hat jetzt das Selbstvertrauen und macht die Bälle rein. Für die Mannschaft ist es wichtig, einen Spieler in den eigenen Reihen zu haben, der gut die Bälle hält und wichtige Tore erzielt.

bundesliga.de: Trotzdem spielt er in den Planungen von Bundestrainer Joachim Löw keine Rolle. Können Sie das nachvollziehen?

Schneider: Er hat in der Nationalmannschaft starke Konkurrenz im Sturm. Die vielen Tore sprechen sicher für Stefan Kießling, aber es spricht auch vieles für Miroslav Klose und Mario Gomez, die in den letzten Jahren in der Nationalmannschaft viel geleistet haben. Vielleicht bekommt Kießling noch einmal eine Chance und kann sie dann nutzen.

bundesliga.de: Kommen wir auf die Bundesliga zu sprechen, in der die Bayern mit großem Vorsprung vorne wegmarschieren. Werden sie das Rennen um den Titel machen?

Schneider: Ich denke nicht, dass es in der Bundesliga an der Spitze noch einmal spannend wird. Trotzdem ist im Fußball immer alles möglich. Aber die Bayern sind in diesem Jahr gefestigt und haben in den letzten beiden Jahren national keinen Titel gewonnen. Sie wollen unbedingt wieder Meister und Pokalsieger werden. Darauf liegt die Priorität. Der Kader ist zu stark, sie haben enorme Qualität in der Mannschaft. Sie werden in dieser Saison souverän Meister.

bundesliga.de: Abschließend noch ein Wort zu Ihrem anderen Ex-Verein Eintracht Frankfurt. Was zeichnet die Eintracht aus?

Schneider: Die Eintracht ist neben dem SC Freiburg und Mainz 05 die Überraschung der Hinrunde. Die Eintracht spielt einen herzerfrischenden Fußball, egal ob zuhause oder auswärts. Sie versuchen, ihr Ding durchzuziehen. Die Handschrift von Armin Veh ist zu erkennen. Ich habe am 1. Spieltag das Spiel Frankfurt gegen Leverkusen gesehen. Das Spiel hätte auch 6:5, 7:6 oder 6:6 ausgehen können. Beide Mannschaften hatten viele Torchancen. Das war schön anzusehen. Die Probleme lagen allerdings in der Defensive. Aber auch da hat sich die Eintracht stabilisiert. Ich bin gespannt, wie es in der Rückrunde weitergehen wird.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski