Basel - Der Traum vom Heim-Endspiel in der Champions League droht für Bayern München vorzeitig zu platzen. Der deutsche Rekordmeister unterlag im Achtelfinal-Hinspiel beim FC Basel mit 0:1 (0:0) und steht vor dem Rückspiel am 13. März in der heimischen Allianz Arena gewaltig unter Druck. Dem eingewechselten Valentin Stocker gelang der Siegtreffer für den Schweizer Meister in der 86. Minute.

In der ersten Halbzeit hatten der überragende Torhüter Manuel Neuer und eine Portion Glück einen Rückstand der Bayern verhindert, als Basel nur Latte und Pfosten traf. Die Münchner boten zwar über weite Strecken eine engagierte Vorstellung, offenbarten aber spielerisch erneut Schwächen.

"Das ist ganz bitter für uns. Man kann nicht sagen, dass es unverdient war. Wir haben es uns selber zuzuschreiben. Wir müssen intern die Dinge ansprechen, die nicht stimmen", sagte Neuer. Auch Trainer Jupp Heynckes haderte nach dem Abpfiff: "Es war ein ausgeglichenes Spiel. Beide Mannschaften hatten sehr gute Torchancen. Da muss man auch mal 1:0 in Führung gehen."

Und Franz Beckenbauer warnte: "Das ist kein gutes Ergebnis. Basel ist auch in der Lage, auswärts ein Tor zu schießen. Dann müsste man schon drei machen. Es ist schon bedenklich, was hier passiert ist, weil Basel das Spiel verdient gewonnen hat."

Bayern mit starker Anfangsphase

Vor 36.000 Zuschauen im ausverkauften St. Jakob-Park sahen es die Münchner Feinmotoriker nicht gern, dass der strenge Schweizer Winter das Rasen-Grün an vielen Stellen mit Ocker übermalt hatte. Arjen Robben, der Thomas Müller auf die Bank verdrängt hatte, trat bei einigen seiner Sprints immer wieder Rasenstücke los und verlor bald etwas die Lust.

Nur einmal gelang es den Münchnern in der Anfangsphase, schnell in den Basler Strafraum einzudringen. Franck Ribery, der deutlich auffälliger spielte als Robben auf dem anderen Flügel, scheiterte aber mit seinem Flachschuss am gut reagierenden Torhüter Yann Sommer.

Basel scheitert am Aluminium

Vorausgegangen war ein Ballverlust des künftigen Münchners Xherdan Shaqiri, dem wie seinen Kollegen zunächst der Druck der Aufgabe im "Jahrhundertspiel" anzumerken war. Doch Shaqiri steigerte sich. Obwohl ihm einige Abspielfehler unterliefen, prägte er mit zahlreichen Vorstößen das Offensivspiel seiner Elf im "wichtigsten Match eines Schweizer Fußballvereins aller Zite", wie es der Stadionsprecher vor dem Anpfiff formulierte. Das dichte Bayern-Mittelfeld, in dem Anatoliy Tymoshchuk und David Alaba als Sechser agierten, war bald kein echtes Hindernis mehr für Shaqiri und Co., zumal sie oft über außen kamen.

Über rechts, wo Philipp Lahm nicht seinen besten Tag hatte, erspielte sich Basel die erste gute Chance, als Neuer einen Heber von Marco Streller gerade so ins Toraus boxte (16.). Bei der folgenden Ecke hatte Basel den ersten von zwei "Holz-Schüss" (Schweizer-Deutsch) binnen drei Minuten. In einer kuriosen Szene lenkte Neuer einen Kopfball von Verteidiger Aleksandar Dragovic nach der Flanke von Shaqiri irgendwie an den Innenpfosten. Von da kullerte der Ball die Linie entlang, bis ihn Holger Badstuber wegschlug.

In der 19. Minute knallte der frühere Dortmunder Alex Frei den Ball aus elf Metern freistehend an die Latte. Die Bayern fingen sich jedoch bald wieder. Ribery, der oft auf sich allein gestellte Mario Gomez und Alaba hatten bis zur Pause noch Möglichkeiten zur Führung für die immerhin engagierten Münchner. Insgesamt blieb deren Spiel aber wie der Untergrund: Stückwerk.

Gomez allein auf weiter Flur

Das setzte sich so auch in der zweiten Halbzeit fort. Gomez blieb ohne echte Anbindung ans Mittelfeld, Toni Kroos spielte solide, aber längst nicht so kreativ auf der "Zehn", wie es der Regisseur kann. Robben hatte seine beste Szene für lange Zeit nach einer guten Stunde, als er an der Strafraumgrenze ein Foul herausholte. Allein: Robben war es auch, der den Ball beim folgenden Freistoß dann auch zwei Mal einem Basler an den Rücken schoss.

Dennoch war es nicht Robben, sondern der in der zweiten Halbzeit allerdings auch nicht mehr so starke Ribery, der für Müller weichen musste (71.). Müller holte sich gleich in seiner ersten Szene die Gelbe Karte ab, als er Sommer im Kampf um den Ball umrammte.

Zuvor war Gomez am Basler "Goalie" gescheitert. In der Schlussphase traf Stocker zum überraschenden Sieg der Gastgeber.

Schema: FC Basel - Bayern München 1:0 (0:0)

Basel: Sommer - Steinhöfer, Abraham, Dragovic, Park - Huggel, Xhaka - Shaqiri (83. Zoua), Fabian Frei (66. Stocker) - Alexander Fabian Frei (90. Cabral), Streller
München: Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Lahm - Timoschtschuk, Alaba - Robben, Kroos (89. Olic), Ribery (71. Müller) - Gomez
Schiedsrichter: Nicola Rizzoli (Italien)
Tor: 1:0 Stocker (86.)
Zuschauer: 36.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Abraham - Thomas Müller (2), Rafinha

Erweiterte Statistik:
Torschüsse: 8:20
Ecken: 6:5
Ballbesitz: 42:58 Prozent