München - Xabi Alonso wird dem FC Bayern München fehlen, wenn er im Sommer seine Fußballschuhe an den Nagel hängt. Der bislang zweimalige Bundesliga-Meister hinterlässt große Fußstapfen - als spielerisch veranlagter Regisseur auf, als Führungsspieler neben dem Platz. Wer kann in sie treten?

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Alonso nimmt beim Rekordmeister auch in dieser Spielzeit eine tragende Rolle ein, die Suche nach seinem Nachfolger ist entsprechend ein Prozess großer Tragweite. Der 35-Jährige, der in seiner Karriere bereits alle großen Titel gewonnen hat, bestimmt das Münchner Spiel aus der Tiefe des Raums. Ihn prägen Ruhe, Kreativität und das Gefühl für die ganz besonderen Fußballmomente. In der Bundesliga absolvierte Alonso in dieser Saison 20 von 25 Partien, stand dabei 18 Mal in der ersten Elf. Kurzum: Der 114-malige Nationalspieler Spaniens ist kaum zu ersetzen.

Im Video: Alonsos Nachfolger

Mögliche Nachfolger für Alonso befinden sich bereits im Kader des FC Bayern. Carlo Ancelotti verfügt im zentralen Mittelfeld über Qualität, von der andere Trainer nur träumen können. Beim 1:0-Sieg seiner Mannen gegen Gladbach am 25. Bundesliga-Spieltag bildeten Alonso und sein Landsmann Thiago die Doppel-Sechs, Arturo Vidal fehlte derweil wegen einer Gelbsperre. Von der Bank kamen noch die talentierten Joshua Kimmich und Renato Sanches. In Javi Martínez lief ein weiterer Akteur, der schon oft im defensiven Mittelfeld spielte, in der Innenverteidigung auf. Einen Sommertransfer für die Position hat der FCB in Sebastian Rudy außerdem auch bereits eingetütet.

Thiago

Thiago hat sich die Rolle des zentralen Spielmachers in dieser Saison mehr und mehr angeeignet. Die Werte des 25-Jährigen überragen: In 1790 Bundesliga-Minuten hatte der spanische Nationalspieler 2376 Ballbesitzphasen, brachte dabei über 90 Prozent seiner Pässe an den Mitspieler und war an 71 Torschüssen beteiligt. Alonso kommt in 1514 Einsatzminuten auf einen vergleichbaren Passwert (88,5 Prozent) und 50 Beteiligungen an Torschüssen. Zum Vergleich: Naby Keita vom Tabellenzweiten Leipzig verbucht in 1656 Minuten bei 79,5 Prozent angekommener Pässe 1333 Ballbesitzphasen und 68 Torschussbeteiligungen, Julian Weigl vom Dritten Dortmund in 1968 Minuten bei 89,7 Prozent angekommener Pässe 1934 Ballbesitzphasen und 12 Torschussbeteiligungen.

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Die Zahlen zeigen, dass Thiago sowohl in der Tiefe des Feldes als auch weiter vorne Bestwerte einfährt. Wie Alonso hat der Mann mit der Rückennummer sechs das Auge für Lücken, schon bevor sie entstehen, und den Fuß, der den Pass in den sich bildenden Raum auch noch zielgerichtet spielen kann. Thiago ist nahe dran am kompletten zentralen Mittelfeldakteur. Von Alonso unterscheidet er sich durch etwas mehr Offensivdrang, läuft außerdem zumeist in einer Doppel-Sechs und nicht zentral vor der Abwehrkette auf.

Arturo Vidal

Wenn der FC Bayern im 4-2-3-1 agiert, kommt Vidal als defensiver Mittelfeldspieler zum Einsatz. Wenn aber drei Akteure in der Mitte des Felds spielen, nimmt der Chilene eine offensivere Rolle ein. Er ist flexibel einsetzbar - defensiv schwer zu bezwingen, vorne gleichzeitig um das Setzen von Akzenten bemüht. In 32 Pflichtspielen erzielte Vidal in dieser Saison sieben Tore, bereitete weitere vier vor. Seine Flexibilität macht ihn für den Gegner unberechenbar.

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Der 29-Jährige zeichnet sich allerdings, wie auch Thiago, durch seine eigene Herangehensweise an die Position in der Zentrale aus. Als die Elf von der Säbener Straße beispielsweise im Dezember 2016 das Top-Duell gegen RB bestritt, setzte Ancelotti auf Alonso, Vidal und Thiago.

Joshua Kimmich

Kimmich ist ein Zukunftsversprechen des FCB. Bricht seine große Zeit vielleicht schon in der nächsten Spielzeit an? Der 22-Jährige spielte 2016/17 bislang 19 Mal im Oberhaus für die Süddeutschen, kam dabei neunmal von der Bank. Auch in der deutschen Nationalmannschaft hat sich der Mittelfeldmann, der auch schon rechts hinten zum Einsatz gekommen ist, einen Platz erspielt.

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Bei Kimmich deutet viel auf stetig steigende Spielminuten hin - egal, auf welcher Position. Ancelotti schätzt seine Vielseitigkeit, setzt ihn trotz der hochkarätigen Konkurrenz zumeist im Zentrum ein. Die Statistiken des im Sommer 2015 Verpflichteten erinnern in jedem Fall schon an die Erfahreneren: 966 Minuten absolvierte Kimmich, brachte dabei 86,7 Prozent seiner Pässe an den Mann, gewann insgesamt 55,7 Prozent seiner 174 Zweikämpfe und war an 44 Torschüssen beteiligt.

Renato Sanches

In Sanches sicherte sich der Rekordmeister im letzten Sommer eins der vermeintlich größten Talente im Weltfußball. Mit 18 Jahren hat der Portugiese bereits die Europameisterschaft gewonnen, anschließend den Schritt zu den Bayern gewagt. Für München absolvierte er seitdem 21 Pflichtspiele, stellt sich hinter Alonso, Thiago und Vidal geduldig an.

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Ändert sich das in der kommenden Spielzeit? Sanches bringt viel mit, um sich eine tragende Rolle in der Mannschaft zu erspielen. Der heute 19-Jährige ist passsicher (89,1 angekommene Pässe), muss sich im Zweikampfverhalten aber noch steigern und zum Umsetzen seines durchaus immer wieder aufblitzenden kreativen Talents mehr Ruhe ausstrahlen.

Javi Martínez

Dass Martínez im defensiven Mittelfeld spielen kann, hat er vor allem während seiner Zeit in Bilbao bewiesen. Seitdem hat sich der Wunschakteur vom damaligen Trainer Jupp Heynckes etwas gewandelt. Seine Stärken setzt er als Innenverteidiger ein - am Ball agiert er souverän, im Kopfballduell kaum schlagbar, in der Spieleröffnung außerdem immer besser. Martínez ist bei den vielen Partien, die der FC Bayern im Jahr angeht, die perfekte Ergänzung zu Jérome Boateng und Mats Hummels.

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Unwahrscheinlich, dass der 18-malige Nationalspieler Spaniens bald wieder vorrückt. Der 28-Jährige bringt die Fähigkeiten zwar mit, er hat sich hinten drin aber zu einem Erfolgsfaktor entwickelt. Das sieht wohl auch Ancelotti so: 25 Vergleiche sind in der Bundesliga zu diesem Zeitpunkt bestritten;, 22 Mal stand Martínez in der Startformation des FCB. In den weiteren drei Spielen fehlte er verletzt, gewonnen hat der Tabellenführer ohne ihn nicht (Remis in Frankfurt und gegen Hoffenheim, Niederlage in Dortmund).

Sebastian Rudy

Die TSG 1899 Hoffenheim spielt bislang eine herausragende Saison - auch dank ihrem defensiven Mittelfeldakteur, der zumeist die Kapitänsbinde überstreift. Den Bayern blieb das nicht verborgen, sie haben Rudy zur kommenden Transferperiode unter Vertrag genommen. 23 Mal lief der deutsche Nationalspieler in dieser Spielzeit für die Kraichgauer auf, fiel einmal verletzt und einmal gelbgesperrt aus; seine Kraichgauer befinden sich auf Champions-League-Kurs.

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Rudy hat im Mittelfeld schon alle Positionen bekleidet, zudem auch schon ein paar Mal als Rechtsverteidiger agiert. Im defensiven Mittelfeld hat der 27-Jährige, spätestens 2016/17, eine beeindruckende Konstanz erlangt. 80,5 Prozent angekommene Zuspiele, 53,1 Prozent gewonnen Zweikämpfe, 76 Torschussbeteiligungen - die Zahlen untermauern seinen Status als Hoffenheimer Lebensversicherung. Interessant: Trotz seiner Rolle zentral vor der Abwehrkette wird Rudy öfter gefoult, als er selbst das Foul am Gegner zieht. Gleiches trifft auf einen weiteren Spieler zu, der direkt vor der Verteidigung aufläuft - Alonso.

Felix Tschon