München - Während Robert Lewandowski zum Torjubel abdrehte, hob ein paar Meter weiter Franck Ribéry nur dezent den Finger. Der Franzose genoss den Moment zunächst für sich, ehe er wenig später von der Jubeltraube um Lewandowski eingeschlossen wurde. Nach einmonatiger Verletzungspause meldet sich Ribéry beim FC Bayern München zurück und ebnet mit seinen Pässen beim 3:0-Sieg gegen den FC Schalke 04 dem Rekordmeister den Weg ins Halbfinale des DFB-Pokals.

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Eine Zerrung in der Oberschenkelmuskulatur hatte Ribéry seit Ende Januar außer Gefecht gesetzt. Nachdem er am Wochenende die 8:0-Torgala gegen den Hamburger SV noch 90 Minuten als Zuschauer von der Bank aus verfolgt hatte, kehrte er nun im Pokalviertelfinale auf den Rasen zurück. "Das ist schon bewundernswert, wie er auf dem Platz arbeitet und auch zuvor jeden Tag, damit er sein Comeback so feiern konnte, wie er es getan hat", sagte David Alaba.

"Ein Franck Ribéry ist nicht zu ersetzen"

Nach seiner Zwangspause stand Ribéry sofort wieder im Mittelpunkt. Das frühe Tor von Lewandowski leitete der Flügelspieler mit einem präzisen Steilpass ein. "Er hat es super gemacht, nicht nur beim ersten Tor, sondern auch bei seiner Vorarbeit später", schwärmte Torhüter Manuel Neuer. Auch Lewandowskis zweiten Treffer zum 3:0-Endstand bereitete Ribéry direkt vor. Das Kopfballtor durch Thiago leitete er mit einem Pass auf den Flankengeber Lewandowski ein.

Video: Ribérys Erfolgsgeschichte

Sein Kumpel Alaba, mit dem er sich im Zusammenspiel auf der linken Seite blind versteht, freute sich besonders über Ribérys Rückkehr. "Ein Franck Ribéry ist nicht zu ersetzen, auch außerhalb des Platzes", sagte der Österreicher. "Er ist enorm wichtig für die Mannschaft und das zeigt er jeden Tag." Auch Mats Hummels unterstrich Ribérys Wert für die Bayern. "Es ist immer schade für uns, wenn er ausfällt", sagte Hummels. "Wenn er da ist, ist er immer eine unglaubliche Bereicherung und Verstärkung für uns. Er liefert immer, wenn er auf dem Platz steht."

Assists in Serie

Und zwar in erster Linie Torvorlagen. In seinen einzigen beiden Bundesligaspielen in diesem Jahr in Freiburg und Bremen bereitete Ribéry je einen Treffer vor. Trotz verletzungsbedingt nur 13 Einsätzen, steht er in der Liga aktuell bei sieben Assists. Nun im Pokal gegen Schalke lieferte er zwei weitere. Von Alaba wird er deswegen nur noch "die Maschine" genannt. Auf seinen neuen Namen angesprochen, reagierte Ribéry mit einem Schmunzeln. "Ich fühle mich gut und das ist wichtig", sagte der 33-Jährige, der sich einfach freute, wieder bei der Mannschaft zu sein. "Ich habe 67 Minuten gespielt, das war sehr gut für meinen Kopf und für meinen Körper."

Dass es bei Ribéry auf Anhieb wieder rund läuft, passt ins nahezu makellose Bild, das der FC Bayern momentan zeigt. In der Bundesliga trumpften die Münchner zuletzt beim 8:0 gegen den HSV auf, der Halbfinal-Einzug im Pokal war beim souveränen Auftritt gegen Schalke nie gefährdet und das Viertelfinale in der Champions League ist nach dem 5:1-Sieg im Hinspiel gegen den FC Arsenal zum greifen nah. "Wir spielen im Moment sehr gut, aber wir müssen so weitermachen", sagt Ribéry.

Bereit für entscheidende Phase

Während die Bayern in den vergangenen Jahren gegen Ende der Saison mit einem gewissen Leistungsabfall zu kämpfen hatten, zeigt aktuell die Formkurve mit Blick auf die entscheidenden Wochen steil nach oben. Im Sommer hatte Trainer Carlo Ancelotti angekündigt, seine Mannschaft für die wichtigen Phasen der Saison entsprechend einzustellen. "Wir wissen, worum es geht", betont Neuer. "Wir nehmen diese wichtige Phase der Saison ernst. Wir sind voll auf der Höhe und freuen uns auf jedes Spiel."

Ribéry leistet mit seiner Spielfreude einen wichtigen Beitrag. Das weiß auch sein Trainer. "Er hat eine Menge Qualität. Er ist in guter Verfassung und er ist fit", sagte Ancelotti und attestierte seinem Schützling eine "sehr gute Leistung" beim Comeback gegen Schalke. Ribérys Blick ging indes bereits nach vorne, schließlich wartet am Samstag in der Bundesliga mit dem 1. FC Köln bereits die nächste schwere Aufgabe auf die Bayern. "Jetzt wollen wir am Samstag in Köln gewinnen", sagte Ribéry, der gerne wieder seinen Teil dazu beitragen würde.

Aus München berichtet Maximilian Lotz