München - Einzig ein Tor fehlte Arturo Vidal bei seiner ansonsten gelungenen Heimpremiere. Sein erster Treffer im Trikot des FC Bayern München dürfte aber wohl nur eine Frage der Zeit sein. "In diesem Jahr werde ich versuchen öfter als jemals zuvor zu treffen, weil wir so viele Möglichkeiten herausspielen", sagte Vidal. Und weil Trainer Pep Guardiola mit ihm offensive Pläne verfolgt.

Einen ersten Einblick in seine taktischen Überlegungen hinsichtlich der Rolle Vidals gewährte Guardiola beim souveränen 3:0-Erfolg über den AC Mailand beim Audi Cup. Der Bayern-Coach setzte auf ein System mit einer Dreierkette in der Defensive und geballter Kraft im Mittelfeld davor. Dort fungierte Vidal auf der Zehnerposition als Denker und Lenker des Spiels und wechselte sich zeitweise als eine Art hängende Spitze mit Mario Götze an vorderster Front ab.

Vidal hinterlässt "einen super Eindruck"

"Ich fühle mich in der offensiveren Rolle wohl. Bereits bei Juventus und in der Nationalmannschaft habe ich ähnlich gespielt", sagte der Chilene. Nach seinem Kurzeinsatz im Supercup gegen den VfL Wolfsburg, stand Vidal im Testspiel gegen Milan erstmals in der Startelf der Bayern und spielte immerhin eine Halbzeit lang. Er komme allmählich in den Rhythmus, sagte der 28-Jährige. "Ich hoffe, ich kann mich in jedem Spiel verbessern." Von seinen neuen Teamkollegen ist Vidal bereits sehr gut aufgenommen worden. "Bis jetzt macht er sowohl auf dem Feld, als auch daneben einen super Eindruck", sagte Sebastian Rode. "Er lacht viel, aber an seinem Deutsch hapert es noch ein bisschen, aber das kriegt er auch noch hin." Erst seit vergangener Woche weilt Vidal in München, derzeit noch ohne seine Familie. Bis 2019 plus Option für ein weiteres Jahr hat der ehemalige Leverkusener bei den Bayern unterschrieben - Zeit genug, seine Deutschkenntnisse wieder aufzufrischen.

Vidal bedankt sich für das Vertrauen

Fußballerisch ist der Mittelfeldspieler jedenfalls auf Anhieb wieder voll da. "Arturo ist aggressiv im Anlaufen und in der Zweikampfführung", umreißt Sebastian Rode Vidals Stärken. Im Münchner Starensemble ist Vidal die Funktion des "Aggressive Leaders", die vor ihm etwa Mark van Bommel ausübte, zugedacht. Nicht ohne Grund trägt er den Spitznamen "Krieger". Doch Kapitän Philipp Lahm beschwichtigt: "Er geht nicht seine Mitspieler in der Kabine an." Vidal selbst ist einfach nur glücklich, "dass meine Teamkollegen und der Trainer mir ihr Vertrauen schenken." Auch Neuzugang Douglas Costa, der im Duell mit dem italienischen Topclub am Dienstag ebenfalls seinen Einstand vor heimischem Publikum feierte, fühlt sich bereits bestens integriert. "Meine Mannschaftskollegen haben mir geholfen, sodass ich mich auf dem Platz ausleben kann", sagt der Brasilianer. Zunächst auf dem linken, später auf dem rechten Flügel präsentierte der 24-Jährige begleitet von zahlreichen "Ohs" und "Ahs" von den Rängen seine technischen Kabinettstückchen.

"Douglas ist eine Rakete"

"Ich habe kein Problem damit auf verschiedenen Positionen zu spielen. Egal ob links oder rechts - das ist normal für mich", sagt Costa. In Abwesenheit des verletzten Franck Ribery und des geschonten Arjen Robben bewies der Offensivspieler, der gegen Mailand den Führungstreffer von Juan Bernat vorbereitete, dass er eine Bereicherung für das Spiel der Bayern darstellt. Vor allem wegen seiner Handlungsschnelligkeit am Ball und seiner Sprintstärke, die er auf beiden Außenbahnen ausspielen kann. "Douglas ist eine Rakete. Er ist pfeilschnell und im Eins-gegen-Eins richtig gut", lobt Rode den Neuzugang von Shakhtar Donetsk. "Ich war schon immer ein schneller Läufer", erklärt Costa. "Ich glaube nicht, dass ich schneller bin als Robben und Ribery. Wir sind alle schnell und das ist gut für die Mannschaft." So oder so wächst für die Gegner die Herausforderung, mit diesem Tempo Schritt zu halten.

Aus München berichtet Maximilian Lotz