In der Champions League mit dem Rücken zur Wand, in der Bundesliga nur Sechster - Louis van Gaal steht bei Bayern München vor dem brisanten Duell gegen den FC Schalke 04 (ab 15 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio) unter Druck.

"Es ist nicht nur Druck auf dem Trainer, sondern auf dem ganzen Verein und auf den Spielern", sagt Mannschaftskapitän Mark van Bommel.

Kapitän fordert "Kampf und Leidenschaft"

Van Gaal, berichtet er, habe sich allerdings trotz der angespannten Situation bislang nicht aus der Ruhe bringen lassen. "Er geht cool damit um und hat sich nicht verändert." Doch van Bommel weiß auch: Ein Sieg muss her, egal wie: "Bayern München hat oft dreckige Siege eingefahren, wenn es drauf ankam."

Vor sechs Monaten wurde übrigens van Gaals Vorgänger Jürgen Klinsmann beim Rekordmeister gefeuert - nach einem 0:1 gegen Schalke 04. "Das ist eine andere Situation, jetzt sind wir nicht so weit in der Saison, damals war schon April, es ist einfach Zufall, dass Schalke kommt", sagte van Bommel.

"Wir werden vom ersten Moment an Gas geben, dann wird das Publikum uns auch voll unterstützen, davon bin ich überzeugt", kündigt der Kapitän eine einsatzfreudige Bayern-Mannschaft an: "Kampf und Leidenschaft, damit fängt alles an."

Hoffen auf Robben

Für das Schalke-Match stehen bis auf den verletzten Franck Ribéry (Patellasehnen-Entzündung), den Rekonvaleszenten Ivica Olic (Lauftraining nach Muskelbündelriss in der Wade) und den erkrankten Christian Lell (Magen-Darm-Infekt) nahezu alle Spieler zur Verfügung.

Wie viel Spielzeit der Fitness-Zustand des kürzlich am Knie operierten Arjen Robben zulässt, wird man erst unmittelbar am Spieltag sehen. "Wir sind froh, dass wir ihn hier haben. Er hat etwas Besonderes, was andere Spieler nicht haben", sagt van Bommel, warnt aber auch: "Man darf nach seiner Verletzung nicht zu viel von ihm erwarten."

Rechtzeitig vor dem Topspiel meldete sich auch der stürmende Verteidiger Daniel van Buyten, der in Stuttgart wegen einer Wadenprellung ausgewechselt werden musste, wieder fit.

"Chancen auf einen Punkt oder sogar mehr..."

Kurios ist freilich: Auf der Gäste-Bank sitzt mit Felix Magath ein Mann, der am 31. Januar 2007 seinen Arbeitsplatz bei den Bayern trotz eines "Doppel-Doubles" aus Meisterschaft und Pokal vorzeitig verlassen musste.

Magath konzentriert sich aktuell allerdings ganz klar auf seine "Knappen": "Mich beschäftigt die dortige Situation nicht mehr als bei jedem anderen Gegner." Er halte es für verfrüht, schon von einer Krise bei den Bayern zu sprechen.

Aber er würde natürlich gern mit einem Auswärtssieg dazu beitragen, dass es endgültig dazu kommt. "Schalke war in München in der Vergangenheit immer ein unangenehmer Gegner, daher rechne ich mir schon Chancen auf einen Punkt oder sogar mehr aus", sagt Magath süffisant: "München ist immer eine Reise wert."

Starke Auswärtsbilanz

Und der Tabellenvierte aus Gelsenkirchen ist seit fünf Spielen ohne Niederlage. Auswärts hat die Magath-Elf von fünf Partien vier gewonnen und ein Mal remis gespielt - das ergibt Platz 1 in der Auswärtstabelle. "Wir stehen traditionell defensiv gut, haben dagegen allerdings noch Probleme, das Spiel selbst offensiv vorzubringen", analysiert der ehemalige Bayern-Coach vor der Partie in der Allianz Arena: "Auswärts muss man mehr reagieren als agieren, und das fällt uns in dieser Phase leichter."

Personell stehen die unter der Woche angeschlagenen Rafinha (Innenband) und Heiko Westermann (Kapselprobleme) zur Verfügung. Eine Alternative könnte auch wieder Mineiro (fehlte zuletzt wegen einer Knieverletzung) sein. "Er ist wieder fit, kann spielen und kann uns sicher auch immer helfen", meint der Chef-Coach: "Aber unsere jungen Spieler haben in den vergangenen Wochen gute Leistungen gebracht, so dass Mineiro überraschend Konkurrenz bekommen hat. Ich werde je nach Spiel und Trainingseindrücken entscheiden, ob er dabei ist."

Für zwei der "jungen Wilden", nämlich für Lewis Holtby (Fußprellung) und Levan Kenia (Fußgelenksverletzung), kommt das Spiel in München aber zu früh.