München - Wiedergutmachung ist angesagt beim Rekordmeister: Die Bayern wollen die 1:3-Pleite in Gladbach beim ersten Heimspiel der Rückrunde gegen den VfL Wolfsburg und Ex-Bayern-Trainer Felix Magath vergessen machen - und wie in der Hinrunde den Grundstein für eine neue Serie legen. Im Fernduell messen sich die Bayern zeitgleich mit Verfolger Borussia Dortmund, das "Angstgegner" Hoffenheim empfängt.

In den weiteren Spielen kreuzen zwei Kontrahenten um internationale Plätze, Bremen und Leverkusen, die Klingen, während Michael Skibbe sein erstes Heimspiel als Hertha-Coach gegen den zuletzt desolaten HSV bestreitet. Im Tabellenkeller trifft Schlusslicht Augsburg auf Kaiserslautern (alle Spiele ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Die Hoffnung auf einen Umschwung beim FCB trägt vor allem Rückkehrer Franck Ribery, der nach abgesessener Gelb-Rot-Sperre trotz leichter Rückenprobleme wieder zur Verfügung steht. "Er gehört zu den fünf Besten der Welt. Es ist wichtig, dass er gesund und fit ist für die Ziele, die wir haben", sagte Nationalspieler Bastian Schweinsteiger. Ohne den französischen Superstar war das Münchner Spiel beim 1:3 in Gladbach leicht auszurechnen. Und die Verantwortlichen vermissten auch Leidenschaft: "Insgesamt muss die Mannschaft lernen und verstehen, dass es heute nicht genügt, überragende Fähigkeiten zu haben. Jeder muss bereit sein, wieder über die Schmerzgrenze hinwegzugehen", sagte Jupp Heynckes im "Bild"-Interview. Die Niederlage in Gladbach macht auch Schweinsteiger nicht verrückt: "Wir wissen aber, dass wir aggressiver spielen müssen und nicht so einfache Fehler im Aufbauspiel machen dürfen." Und Heynckes mahnte an, "dass wir die Fehlerquellen minimieren müssen. Wir müssen cooler und konzentrierter sein im Abschluss. Entscheidend ist aber, dass die Mannschaft wieder mehr nach hinten arbeitet und robuster in die Zweikämpfe geht". Zuletzt hätten einige Spieler seiner Mannschaft wohl gedacht, "das geht von selbst", führte Heynckes, der Breno wieder in den Kader berief, weiter aus: "Auch beim FC Bayern darf man sich nie zurücklehnen. Es ist meine Aufgabe, das den Spielern zu vermitteln. Nicht nur diese Woche, sondern bis Ende Mai. "

"Wölfe"-Coach Felix Magath kehrt mit gemischten Gefühlen zu seinem Ex-Club zurück. "Ich freue mich auf das Spiel in München, denn ich kann am Samstagabend meine Kinder und Frau wiedersehen", sagte Magath. Sportlich erwartet der 58-Jährige eine schwere Aufgabe: "Der FC Bayern hat die bessere Mannschaft und ist klarer Favorit." Zudem befürchtet Magath, der von Juli 2004 bis Januar 2007 Trainer der Bayern gewesen war und dort zwei Mal in Folge das Double gewonnen hatte, eine Trotzreaktion des Rekordmeisters: "Die Bayern wollen sich für ihre schwache Leistung in Mönchengladbach revanchieren." Vor allem die Rückkehr Riberys bereitet dem VfL-Coach Kopfzerbrechen. "Natürlich wäre es mir lieber gewesen, wenn er auch noch gegen uns gesperrt gewesen wäre. Jetzt müssen wir versuchen, beide Außenseiten zu kontrollieren", sagte Magath. Er kann in München wieder auf Torjäger Mario Mandzukic zurückgreifen. Der kroatische Nationalstürmer meldete sich nach seiner Lungenverletzung fit. "Ich freue mich auf die Bayern. Das sind die schönsten Spiele, die man bestreiten kann. Ich bin jetzt schon heiß auf die Partie", sagte Mandzukic. Nicht zur Verfügung steht dagegen Mittelfeldspieler Jan Polak, bei dem eine Verletzung aus dem Trainingslager wieder Probleme bereitet. Hinter den Einsätzen von Alexander Madlung (Muskelverletzung) und Neuzugang Vieirinha (Adduktorenprobleme) steht laut Magath "ein Fragezeichen".

"Die Vorfreude aufs erste Heimspiel ist riesengroß. Wir haben lange nicht mehr in diesem großartigen Stadion gespielt." Jürgen Klopp freut sich auf die Heimpremiere im Jahr 2012 - und Fußball-Dortmund fiebert einer weiteren Premiere entgegen: dem ersten Heimsieg gegen Hoffenheim. "Gegen diese Mannschaft haben wir zuhause in der Liga noch nie gewonnen", erinnert Sebastian Kehl. Drei Mal trennten sich die Teams unentschieden. "Ich denke, dass in diese Richtung auch die Ansprache gehen wird. Wir wollen das Spiel auf jeden Fall gewinnen, um das, was wir in Hamburg erreicht haben, auszubauen", so Kehl. Hoffenheim habe es, erklärte Trainer Jürgen Klopp, in den letzten direkten Aufeinandertreffen wiederholt geschafft, "uns durch eine gewisse Härte aus dem Spiel zu nehmen". Der BVB-Trainer wirft 1899 dabei keineswegs Unfairness vor, und er fordert auch seine Elf nicht auf härter einzusteigen. "Wir haben inzwischen gelernt, mit dieser Art der Zweikampfführung geschickter umzugehen, intelligenter zu spielen und das Freilaufverhalten ohne Ball zu intensivieren. Personell ist beim Meister eine Änderung zu erwarten. Roman Weidenfeller sei zurück im Mannschaftstraining, erklärte Klopp: "Und dementsprechend auch zurück zwischen den Pfosten." Ein kleines Fragezeichen steht noch hinter Mohamed Zidan. Bis auf den verletzen Mario Götze kann der Trainer personell also aus dem Vollen schöpfen.

1899-Cheftrainer Holger Stanislawski zeigte sich beeindruckt von der Dortmunder Stärke. "Der BVB hat eindrucksvoll gezeigt, in welcher Form er ist. Wir wissen um seine Qualität", sagte "Stani". Dennoch sei seine Mannschaft keinesfalls chancenlos: "Niemand traut uns am Samstag etwas zu, aber wir werden 90 Minuten lang alles investieren, fahren erhobenen Hauptes nach Dortmund und gehen auch so wieder vom Platz. Wir wollen einer momentan vielleicht übermächtig wirkenden Mannschaft Paroli bieten", erklärte der Trainer. Nach dem Weggang von Vedad Ibisevic scheint eine Abkehr vom System mit einer zentralen Spitze wahrscheinlich. Der Trainer sieht in der möglichen Umstellung keine Probleme, sein Team wolle sich der Offensivkraft des BVB ohnehin eher mit einer Vielzahl an Offensivspielern stellen, die auf verschiedenen Positionen spielen können. "Die Hosen voll zu haben", sich "hinten rein zu stellen", sei keine Option. Verzichten muss Stanislawski dabei weiterhin auf Marvin Compper, der bereits Teile des Mannschaftstrainings absolvierte, ein Einsatz am Samstag kommt für den Innenverteidiger aber noch zu früh. Hoffnung macht Hoffenheim die Statistik: Die Borussia gewann nur eines der sieben Bundesliga-Spiele gegen Hoffenheim (drei Remis, drei Niederlagen).

Die Teams verbindet eine turbulente Hinrunde: Leverkusen musste das frühzeitige Pokal-Aus in Dresden sowie die schmerzhaft hohe Heimniederlagen gegen Köln oder Nürnberg schlucken, am Ende stand Bayer jedoch wie die Bremer, bei denen sich große Siege mit deftigen Pleiten abwechselten, auf einem Europapokalplatz. Einen Punkt liegt Werder nur vor Leverkusen, mit einem Sieg würde die "Werkself" den SVW überholen. Um dies zu verhindern, verpflichtete Bremen Francois Affolter - der Abwehrspieler nahm am Donnerstag erstmals am Mannschaftstraining der "Grün-Weißen" teil. Gegen Leverkusen soll er helfen, die Werder-Defensive zu stabilisieren. "Wir hoffen, dass er sich möglichst schnell zurechtfindet und sich mit seinen Qualitäten bei uns einbringt. Er kann unserem Spiel zusätzliche Sicherheit bringen. Ich gehe davon aus, dass er am Samstag dabei sein wird", sagte Trainer Thomas Schaaf, der eine "sehr schwierige, aber auch sehr reizvolle Aufgabe" erwartet. Neben Affolter kann Schaaf wohl mit Aleksandar Ignjovski und Sebastian Mielitz planen. Ignjovski kehrte nach auskurierten Adduktorenproblemen zurück, während der Keeper seine Schulterprellung überstanden hat. Vom Ausfall Lukas Schmitz' (Gelbsperre) könnte Florian Hartherz profitieren. Fraglich ist der Einsatz von Marko Arnautovic (Bauchmuskelzerrung). Marko Marin und Denni Avdic sind laut Schaaf "noch kein Thema".

Bayer-Cheftrainer Robin Dutt sieht Werder als "eine Mannschaft, die trotz der vielen Verletzten auf ihre spielerische Linie achtet" und ergänzte: "Zudem haben sie mit Claudio Pizarro einen absoluten Top-Torjäger der Liga in ihren Reihen." Im Vergleich zum Spiel gegen Mainz in der Vorwoche erwartet Dutt einen Gegner, der spielstärker ist: "Bremen hat einen höheren Anspruch und spielt seit Jahren in der oberen Tabellenregion mit." Von einem Schlüsselspiel im Rennen um die Champions-League-Plätze wollte der Trainer aber nicht sprechen. Im Rückblick war es für Dutt wichtig, dass sein Team gegen Mainz mit einem Sieg gut in die Rückrunde gestartet ist: "Wir haben gezeigt, dass wir körperlich in einem guten Zustand sind. Wir haben in der zweiten Hälfte nochmal zugelegt und die Mannschaft hat diese Verfassung in dieser Trainingswoche bestätigt. Insgesamt macht sie einen sehr griffigen Eindruck." Ein Lob hatte Dutt auch noch für seine beiden "Sechser" Stefan Reinartz und Lars Bender parat: "Sie haben sehr variabel gespielt und sich sehr gut abgewechselt." Weiterhin verletzt fehlen Leverkusen Rene Adler, Renato Augusto, Sidney Sam und Tranquillo Barnetta. Zur Aufstellung ließ sich Dutt wenig entlocken: "Ich habe auf einigen Positionen die Qual der Wahl." Eines verriet er allerdings: Kapitän Simon Rolfes sei ein Kandidat für die Anfangself.

"Wir werden dem HSV zeigen, wo der Hammer hängt", gab sich Hertha-Trainer Michael Skibbe vor seinem Heim-Debüt zuversichtlich. Doch der Trend spricht eine andere Sprache. Seit sieben Spielen ist die "Alte Dame" ohne Sieg, zum Rückrundenstart in Nürnberg gab es ein 0:2. Der Abstand auf den Relegationsplatz beträgt drei Punkte, der Vorsprung auf die Hamburger einen Zähler. Auch Christian Lell, der unter der Woche seinen Vertrag verlängerte, weiß: "Das Spiel gegen den HSV ist richtungsweisend." Weiter ist fraglich, ob der etatmäßige Spielführer Andre Mijatovic nach seiner Sprunggelenksverletzung zurückkehrt. Hertha reagierte am Donnerstag auf den personellen Engpass und nahm Abwehrspieler Felix Bastians vom SC Freiburg ab sofort unter Vertrag. Ob der 23-Jährige bereits am Samstag gegen den HSV im Kader stehen wird, ließ Skibbe offen. "Ich warte natürlich noch die letzten Trainingseinheiten ab, aber eine Option ist Felix immer", sagte der Coach. Bastians brennt auf sein Debüt für Berlin: "Die Stimmung im Olympiastadion ist großartig, ich war immer beeindruckt, wenn ich dort gespielt habe. Ich bin bereit!" Weiterhin rotgesperrt ist Spielmacher Raffael, auch Maik Franz (Kreuzbandriss) fehlt noch.

HSV-Trainer Thorsten Fink geht mit großer Zuversicht in das Duell: "Wir haben die Niederlage gegen Dortmund gut verdaut", sagte Fink: "Sie hat keine Spuren oder Verunsicherung hinterlassen." Berlin sei eine Mannschaft, mit der man mithalten könne. "Mein Team will zeigen, was es kann." Trotz des 1:5 am vergangenen Wochenende gegen den BVB sei ein gesicherter Mittelfeldplatz weiter Finks Ziel. "Wir wissen, dass wir nicht weit weg sind von den Abstiegsplätzen", sagte der Coach, "aber auch nicht von oben." Derweil steht der ehemalige Kapitän David Jarolim vor seinem Startelf-Comeback. "Er hat gute Chancen zu spielen", sagte Fink. Für Jarolim, der zum ersten Mal seit September 2011 wieder in der Startelf stehen würde, muss wohl der gegen Dortmund schwache Gojko Kacar auf die Bank. Auf Ivo Ilicevic kann Fink in Berlin zurückgreifen. Der Kroate hat nach seinen Wadenproblemen mit der Mannschaft trainiert. Über einen Einsatz will Fink kurzfristig entscheiden. Hoffnung gibt es auf einen Startelfeinsatz von Mladen Petric. Fink stellt klar, dass er auf seinen Angreifer zählt: "Mladen wird spielen, wenn er fit ist. Stand jetzt: Er ist fit." Auf Marcus Berg (Aufbautraining nach Schlüsselbeinbruch) und Gökhan Töre (Meniskusoperation) muss der 44-Jährige weiter verzichten.

Im Fokus des Kellerduells 18. gegen 16. steht Augsburgs Neuzugang Jan Moravek, der vor seinem Debüt im FCA-Dress steht. Der Offensivspieler, der - ebenfalls als Leihspieler - beim FCK den Durchbruch schaffte, glaubt fest an den Klassenerhalt der Fuggerstädter: "Ich wäre nie nach Augsburg gekommen, wenn ich der Überzeugung gewesen wäre, dass der Club absteigt. Klar, die Situation ist nicht einfach und vor uns ist ein langer Weg, aber wir haben definitiv gute Chancen, die Klasse zu halten. Jedenfalls werde ich dafür alles tun, was ich kann." Ob er von Beginn an spielt, steht noch nicht fest. Der Aufsteiger demonstrierte trotz aller Sorgen Gelassenheit: Manager Andreas Rettig stellte Trainer Jos Luhukay eine Jobgarantie aus - auch für den Fall des Abstiegs. Um den von vorneherein zu verhindern, soll gegen die direkte Konkurrenz aus der Pfalz ein Sieg gelingen - anders als im Hinspiel (1:1). "Da haben wir viel zu früh auf 0:0 gespielt. Das wird es zuhause nicht geben", verspricht Rettig. Luhukay hofft auf den Heim-Bonus: "Unsere tollen Fans werden die Mannschaft nach vorne treiben."

"Das ist ein sehr ein wichtiges, aber kein entscheidendes Spiel", erklärte FCK-Coach Marco Kurz: "Wir wollen das Team sein, das den Aufwind mitnehmen kann." Der Auftritt gegen Bremen "war in Ordnung", meinte Kurz, darauf müsse man aufbauen und sich weiter steigern. "Um zu gewinnen, müssen wir unser Potential abrufen und 90 Minuten top diszipliniert auftreten", gibt er als Devise für den Auswärtsauftritt seines Teams vor, dem Dorge Kouemaha wegen eines Adduktoren-Bündelrisses und Pierre De Wit aufgrund einer Grippe fehlen werden. "Augsburg ist eine hochdisziplinierte Mannschaft, die sehr kompakt steht und nach vorne sehr gefährlich werden kann, wenn sie die Möglichkeit dazu bekommt", erklärte Kurz über den Aufsteiger. Mit der Unterstützung von mehr als 3.000 FCK-Fans gilt es folglich eine gesunde Mischung zu finden, bei der die Defensivarbeit nicht unter der Spielgestaltung leidet. "Wir wissen, dass wir mit Siegen größere Schritte machen und müssen dafür konstant unsere Qualität abrufen. Das Ziel sind drei Punkte, zu denen jeder seinen Teil beitragen muss", erklärt Kurz. Teil der FCK-Elf könnten auch die Neuzugänge Anthar Yahia (Spielberechtigung erteilt) und Sandro Wagner sein, der gegen seine Ex-Kollegen aus Bremen noch aussetzen musste.