München - Unmittelbar nach Bastian Schweinsteigers Treffer zum 1:0 setzten die Sprechchöre ein. "Deutscher Fußball-Meister FCB", schallte es von den Rängen der Allianz Arena (Spielbericht). Glückwünsche wiesen die Verantwortlichen des FC Bayern München aber noch zurück. Den endgültigen Titelgewinn möglicherweise am Sonntag auf dem Sofa zu erleben, ist für viele ein komisches Gefühl.

"Wenn man auf der Couch sitzt, ist es schwer, sich über die Meisterschaft zu freuen", gab Philipp Lahm zu. Dabei ließ der Kapitän des FC Bayern offen, ob er sich das für die definitive Titelentscheidung relevante Spiel des Verfolgers VfL Wolfsburg bei Borussia Mönchengladbach (ab 17:00 Uhr im Liveticker) überhaupt anschauen werde. "Vielleicht läuft der Fernseher und vielleicht schaue ich es mir an", sagte Lahm, aber er werde nicht seinen ganzen Tagesablauf auf halb sechs ausrichten.

Bei Neuer läuft der Fernseher

Angesichts der klar besseren Tordifferenz gegenüber Wolfsburg ist den Bayern selbst bei einem Sieg der Niedersachsen in Gladbach der 25. Meistertitel der Vereinsgeschichte - der 24. seit Bestehen der Bundesliga - nur noch theoretisch zu nehmen. "Im Prinzip wissen wir, dass wir Deutscher Meister werden. Ob es am Sonntag der Fall sein wird, steht noch nicht fest. Wenn nicht, dann müssen wir halt noch ein Spiel gewinnen", sagte Torhüter Manuel Neuer, der sich die Partie der Wolfsburger jedenfalls nicht entgehen lassen will.

Auch Thomas Müller wird es vermutlich auf dem Sofa bequem machen. "Ich werde den Nachmittag zu Hause verbringen und eventuell werde ich das Spiel auch anschauen", sagte Müller. Aber selbst wenn die Gladbacher mit einem Punktgewinn gegen die Wölfe die Bayern am frühen Sonntagabend zum Meister machen - eine rauschende Partynacht in München wird es vorerst nicht geben.

"Heiße Spiele unter der Woche"

"Feiern können wir noch nicht, weil wir jetzt unter Woche auch heiße Spiele haben", sagte Müller in Anspielung auf das Halbfinale im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund am Dienstag. Und eine Woche später steht das Hinspiel im Semifinale der Champions League gegen den FC Barcelona auf dem Programm.

Der 25-Jährige bedauert zugleich, dass man angesichts der bevorstehenden Kracher in den anderen Wettbewerben den Titelgewinn in der Bundesliga derzeit nicht gebührend würdigen kann. "Es ist schade, weil die Meisterschaft dadurch ein bisschen in den Hintergrund rückt", sagte Müller. Schließlich habe man sich das ganze Jahr über den „Allerwertesten dafür aufgerissen“. Er hätte auch nichts dagegen, wenn die Meisterschaft erst am letzten Spieltag zugunsten der Bayern entschieden werden würde. "Aber die Garantien kann dir keiner geben", räumte Müller ein.

Feierlichkeiten nur aufgeschoben

Der vorzeitige Gewinn der Meisterschaft birgt auch Gefahren. Im vergangenen Jahr nahmen die Bayern nach dem frühesten Titelgewinn der Bundesliga-Geschichte im März allzu früh den Fuß vom Gas, was sich auch negativ auf die Champions League auswirkte. Um nicht wieder wie im Vorjahr im Halbfinale der Königsklasse zu scheitern, gilt es nun, die Spannung weiter hochzuhalten. "Auch wenn es jetzt theoretisch um nichts mehr geht, wollen wir immer guten Fußball spielen und unsere Spiele gewinnen", betonte Lahm.

Den nächsten Sieg soll es schon am Dienstag im Pokal zu bejubeln geben. Und Lahm warnt: "Die Dortmunder werden alles reinlegen, weil sie sonst keinen Titel mehr gewinnen können. Sie werden alles dafür tun, ins Finale zu kommen. Aber wir genauso!"

Die Bayern haben Berlin fest im Blick: Am 30. Mai steigt in der Hauptstadt zunächst das Endspiel im DFB-Pokal, eine Woche später am 6. Juni folgt das Finale der Champions League. Für diese Ziele verschiebt Lahm auch gerne die Meisterfeierlichkeiten: "Irgendwann werden wir auf dem Rathausbalkon stehen und dann können wir richtig feiern." Am liebsten erst am 7. Juni.

Aus München berichtet Maximilian Lotz