München - Das schönste Tor hatte sich der FC Bayern München für den Schluss aufgehoben. Joshua Kimmich vollendete eine sehenswerte Ballstafette in der Nachspielzeit mit der Hacke zum 5:0-Endstand gegen den SC Freiburg. Es war nur eines von vielen Puzzleteilen, die das neue Gesicht der Bayern unter Trainer Jupp Heynckes bereits erahnen lassen. Vollständig ist das Puzzle aber noch nicht.

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Der unstillbare Torhunger und die damit verbundene Gier auf Erfolg sind jedenfalls wieder erkennbar. "Die Mannschaft hat auch nach dem 2:0 immer noch auf das nächste Tor gespielt. Das ist positiv", stellte Heynckes zufrieden fest. Das 5:0 zu Beginn seiner vierten Amtszeit bei den Bayern war im Vergleich zu seinen bisherigen drei Antrittssiegen sein höchster. Und es war der höchste Saisonsieg für die Münchner. "Vorne haben wir schon immer die Qualität, Tore zu machen", sagte Torschütze Kimmich.

Fehler in der Defensive abstellen

Gezeigt hat der Rekordmeister diese Fähigkeiten zuletzt in der Bundesliga allerdings nicht durchgängig. Zwei Mal in Folge wurde eine 2:0-Führung noch aus der Hand gegeben, auch weil die Balance zwischen Offensive und Defensive nicht stimmte. "Wir haben das in der Halbzeit thematisiert", erklärte Mats Hummels. "Uns war klar, dass wir uns nicht eine Leichtsinnigkeit hinten erlauben wollen. Das haben wir umgesetzt."

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Während die Bayern im zweiten Durchgang den Freiburgern in der Tat keine nennenswerte Torchance mehr gewährten, waren es vor allem zwei Großchancen der Gäste im ersten Durchgang, die dem neuen Trainer missfielen. "Wir haben im Aufbauspiel Fehlpässe gespielt, so kamen die Chancen zustande", merkte Heynckes an und forderte für die Zukunft: "Wir müssen erst mal defensiv gut stehen und zu null spielen. Das ist fundamental im Fußball."

Hummels: "Wir brauchen alle"

Damit das, was gegen Freiburg am Ende gelang auch in Zukunft regelmäßiger klappt, bedarf es eines funktionierenden Kollektivs. "Es ist nicht immer die Abwehr, wenn man zu null spielt. Das ist der Verdienst von allen anderen", betonte Hummels. "Man kann vielleicht einen, allerhöchstens maximal zwei Spieler tolerieren, die nicht so in der Defensive mitarbeiten. Wir brauchen alle, sonst ist man keine richtig gute Mannschaft. Das hat der Trainer auch begriffen und allen sehr klar gemacht."

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Mit Handauflegen sei es nicht getan, hatte Heynckes bei seiner Vorstellung am vergangenen Montag hervorgehoben. In seinen ersten Tagen ließ er daher Taten folgen. "Er ist sehr fordernd", sagte Hummels und berichtete von hoher Trainingsintensität. "Er war bisher auch zufrieden, aber er hakt ständig nach, korrigiert und feuert an. Das tut uns gut." Kimmich ergänzte: "Er strahlt eine gewisse Ruhe aus, aber wenn er etwas anspricht, hört jeder zu." Auch in den Einzelgesprächen mit den Spielern, in denen es Heynckes einerseits um das übliche Kennenlernen ging, andererseits um die Vermittlung seiner Erwartungen an jeden Einzelnen.

Spanische Doppelsechs für mehr Stabilität

Wie wichtig dem Coach die Kommunikation ist, war auch während des Spiels zu sehen. Als der Rest der Mannschaft gerade das 2:0 durch Kingsley Coman bejubelte, beorderte Heynckes Javi Martinez an die Seitenlinie und gab ihm taktische Anweisungen. Martinez war einer von insgesamt fünf Spielern, die auch bei Heynckes‘ letztem Spiel als FCB-Trainer im Pokalfinale 2013 in der Startformation standen. Wie damals bot er den Spanier in seiner 4-2-3-1-Grundordnung auf der Sechserposition auf. "Ich sehe ihn da sehr gut, weil er defensiv sehr viel zerstört. Er hat diese Positionstreue und turnt nicht irgendwo anders rum", sagte Hummels und hoffte, dass der mit einer Schulterverletzung ausgewechselte Martinez nicht länger ausfällt.

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An seiner Seite zeigte sein Landsmann Thiago seine bisher beste Saisonleistung. In puncto Laufleistung und Zweikampfstärke wies er von allen Bayern-Spielern die besten Werte auf und krönte seine Vorstellung mit seinem ersten Saisontor. "Wir haben als Team gespielt, es ist lange her, dass wir so gespielt haben. Das ist eine Sache der Mentalität", sagte Thiago und zeigte sich beeindruckt von Heynckes: "Er ist ein Trainer mit jeder Menge Erfahrung. Er zeigt dir wie er den Fußball versteht." Die Umsetzung seiner Vorstellungen klappt jedenfalls schon ganz gut.

Aus München berichtet Maximilian Lotz