München/Kaiserslautern - Nach einer langen Serie deprimierender Niederlagen hatte Paul Breitner 1983 die Nase endgültig voll und wollte die Punkte per Post in die Pfalz schicken. Doch die Zeiten der Betzenberg-Phobie sind beim Rekordmeister Bayern München vorbei.

"Man sollte die großen Schienbeinschoner anziehen. Aber die sind Aufsteiger, wir Meister. Angst brauchen wir nicht zu haben", sagte Nationalspieler Thomas Müller vor Freitag-Spiel beim 1. FC Kaiserslautern (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Bayern feierten in Lautern

Angst ist in der Tat fehl am Platz. Die Pleitenserie der Bayern bei den "Roten Teufeln", die beim legänderen 4:7 im Oktober 1973 ihren Höhepunkt gefunden hatte, gehört der Vergangenheit an. Seit 14 Spielen haben die Münchner nicht mehr gegen den FCK verloren.

Beim bisher letzten Auftritt in Lautern im Jahr 2006 feierten die Bayern am vorletzten Spieltag durch ein 1:1 sogar die Meisterschaft, eine Woche später stiegen die Pfälzer ab. Daran kann sich Bastian Schweinsteiger noch gut erinnern.

"Beim letzten Auftritt sind wir dort Meister geworden. Ich glaube, ich habe da nie verloren", sagte der Nationalspieler, der sich dennoch auf ein hitziges Duell einstellt: "Da steckt viel Brisanz drin."

Kein Klose-Salto - aus Respekt

Gute Erinnerungen an den FCK hat auch Trainer Louis van Gaal. "Ich habe in meinem ersten Jahr als Trainer von Ajax Amsterdam 1992 in Lautern gespielt und 1:0 gewonnen", sagte der Niederländer, der nach wie vor ohne seinen verletzten Topstar Arjen Robben auskommen muss. Auch Martin Demichelis wird nicht im Kader der Bayern stehen.

Gewinnen möchte auch Nationalstürmer Miroslav Klose bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Der 32-Jährige, der seine Karriere beim FCK beenden will, warnte seine Teamkollegen aber vor der Atmosphäre im seit Wochen ausverkauften Fritz-Walter-Stadion.

"Freitagabend ist es am geilsten auf dem Betze, da hat Lautern fast immer gewonnen. Ich weiß, was da abgeht, das wird ein sehr schweres Spiel", sagte Klose, der im Vorfeld des Spiels an seine Familie und seine ehemaligen Fans denkt: "Ich habe 50 Karten für Familie und Freunde bestellt. Aber wenn ich ein Tor schieße, werde ich keinen Salto machen - aus Respekt vor den Fans."

Ein Fußball-Fest

Beim FCK blickt man nach dem 3:1-Auftakterfolg beim 1. FC Köln mit Vorfreude auf das Spiel des Jahres. "Genau dafür sind wir aufgestiegen. Für diese Feste, die wir gemeinsam mit unseren Fans feiern können", sagte Vorstandsboss Stefan Kuntz.

Doch die Pfälzer, die auf den tschechischen Mittelfeldspieler Jan Moravek (Muskelverletzung) verzichten müssen, wollen nicht nur beim erwarteten Erfolg der Bayern Spalier stehen. Trainer Marco Kurz, der zuvor Bayerns Stadtrivalen 1860 betreute, möchte sich nicht kampflos geschlagen geben: "Es gibt wie immer drei Punkte, die wir holen wollen. Wir müssen mutig sein und dürfen keine Angst haben."

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Kaiserslautern: Sippel - Dick, Amedick, Rodnei, Bugera - Kirch, Bilek, Tiffert, Ilicevic - Lakic, Hoffer

München: Butt - Lahm, van Buyten, Badstuber, Contento - van Bommel, Schweinsteiger - Müller, Kroos, Ribery - Klose

Schiedsrichter: Florian Meyer