Zusammenfassung

  • Mit einem klaren Chancenplus verliert Bayern das Hinspiel gegen Real Madrid 1:2

  • Die Münchner müssen im Rückspiel möglicherweise auf drei Leistungsträger verzichten

  • Der Glaube an den Finaleinzug ist aber trotz der schlechten Ausgangslage sehr groß

München - Gemessen an den Chancen hätte das Ergebnis für Joshua Kimmich definitiv anders ausfallen müssen. "Ich würde sagen 7:2", schlug Kimmich vor. Auf der Anzeigetafel leuchtete allerdings ein 1:2 auf. Doch trotz der bitteren Niederlage gegen Real Madrid hat der FC Bayern München die Hoffnungen auf den Einzug ins Finale der Champions League noch nicht aufgegeben.

Es war in der 28. Spielminute zwar der erste richtig gefährliche Torschuss der Bayern, dennoch war es ein Tor mit Ansage. Nachdem Kimmich einen mutigen Vorstoß mit einem listigen Abschluss aus spitzem Winkel erfolgreich abschloss, zeigte er in Richtung Haupttribüne. Er habe auf einen Kumpel gedeutet, mit dem er eine Schwäche von Real-Keeper Keylor Navas ausgemacht hatte. "Ich wusste im Vorfeld, dass er oftmals spekuliert", sagte Kimmich. Da Navas mit einer Flanke rechnete, erwischte Kimmich ihn auf dem falschen Fuß.

Kimmich kritisiert naive Chancenverwertung

So eiskalt wie der Rechtsverteidiger, nutzten allerdings auch die Gäste ihre wenigen Möglichkeiten. Durch einen Volleyschuss von Marcelo (44.) und einen Konter von Marco Asensio (57.) drehte der Titelverteidiger die Partie. Im weiteren Verlauf der zweiten Hälfte drängten die Münchner auf einen zweiten Treffer, ließen aber auch beste Möglichkeiten ungenutzt.

Video: Robbery - die unverzichtbare Flügelzange

"Real hat gefühlt zwei Mal aufs Tor geschossen, zwei Mal hat es geklingelt. Das ist eben deren Qualität", haderte Kimmich. "Wir sind absolut naiv und leichtsinnig mit unseren Chancen umgegangen." Und Thomas Müller ergänzte: "Wir haben bewiesen, dass Real Madrid verwundbar ist, aber wir haben die Torchancen einfach nicht genutzt, so kannst du kein Spiel gewinnen."

Am Ende gaben die Bayern fast doppelt so viele Torschüsse wie Real (13:7) ab. "Das ist eigentlich sehr selten und auch ungewöhnlich, dass eine Mannschaft wie Real so viel zugelassen hat. Nur haben wir es nicht verstanden, die Chancen zu nutzen. Wir waren zu ineffizient", kritisierte Trainer Jupp Heynckes. "Wir werden in Madrid noch einmal alles geben, um das Hinspiel-Ergebnis zu korrigieren."

Ausfall von Robben und Boateng droht

Im Rückspiel am kommenden Dienstag müssen die Münchner möglicherweise auf zwei Leistungsträger verzichten. Schon nach acht Minuten musste Arjen Robben, der sich bei einem Flankenversuch verletzte, ausgewechselt werden. Nach gut einer halben Stunde erwischte es auch Jerome Boateng, der nach einem Ausfallschritt sofort andeutete, dass es nicht mehr weitergeht. "Bei Jerome ist es etwas Muskuläres, er wird wohl ausfallen", sagte Heynckes unmittelbar nach der Partie

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"Das hat uns nicht weitergeholfen und nimmt uns Optionen. Andererseits ist der Kader exzellent besetzt", sagte Müller und verwies auf die letzten 20 Minuten in der ersten Hälfte, als die Bayern nach den verletzungsbedingten Umstellungen "fast die beste Phase im Spiel" hatten. "Für das Rückspiel hat das nichts zu sagen. Natürlich hätten wir gerne alle an Board."

Weiter hundertprozentige Überzeugung

Möglichen Personalsorgen zum Trotz haben die Bayern das Finale noch nicht aus den Augen verloren. Im Vorjahr schied der lange in Unterzahl agierende Rekordmeister nach einer 1:2-Hinspielniederlage im Viertelfinale im Bernabeu erst nach Verlängerung aus. In dieser Saison holte Juventus Turin in Madrid fast ein 0:3 aus dem Hinspiel auf. "Man sieht immer wieder, welch verrückte Dinge in den K.o.-Spielen passieren, dementsprechend ist alles offen", sagte Müller.

Die Wut und Enttäuschung über das unglückliche Ergebnis am Mittwoch wollen die Bayern in neue Energie ummünzen, um in der spanischen Hauptstadt mit einer starken Leistung das Ding noch umzubiegen und so den Traum vom möglichen Triple nicht platzen zu lassen. "Wir wissen, dass wir zwei Tore machen müssen. Das ist möglich, Juve hat es gezeigt, wir haben es letztes Jahr gezeigt", gab sich Kimmich kämpferisch. "Es gibt zwei Spiele, deswegen sind wir noch nicht draußen, obwohl die Ausgangslage nicht gut ist. Trotzdem ist im Fußball alles möglich." Der Glaube an den Finaleinzug sei jedenfalls zu "hundert Prozent" da.

Aus München berichtet Maximilian Lotz