Zusammenfassung

  • Mit der sechsten Deutschen Meisterschaft in Folge bauen die Bayern ihre Rekordserie aus.

  • Franck Ribéry schließt zu den Rekordmeistern Scholl, Kahn, Schweinsteiger und Lahm auf.

  • Der "Kaiser" traf vom Weißbierglas auf die Torwand.

Köln - Der FC Bayern München hat seiner beeindruckenden Trophäensammlung einen weiteren Titel hinzugefügt. Bereits zum 28. Mal feiern die Münchner eine Deutsche Meisterschaft, 27 davon in der Bundesliga. Klar, dass sie damit mit großem Abstand Rekordmeister der Bundesliga sind. Aktuell ist es sogar der sechste Meistertitel in Folge, das hat zuvor noch kein Club geschafft. Es ist nur einer von vielen Meisterrekorden in der langen Historie der Roten, die auch viele Kuriositäten rund um das Meisterrennen erlebte.

Deutsche Meistertitel sammeln liegt in der DNA der Bayern. Viele souverän, einige gar mit deutlichem Vorsprung, manche aber auch nach ganz engem Rennen und auf den letzten Drücker. Begonnen hat der lange Reigen in der Bundesliga am 24. Mai 1969. Nach einem klaren 5:1-Sieg gegen die Offenbacher Kickers waren die Bayern erstmals Deutscher Meister seit Bundesliga-Start. Es war der 32. Spieltag der Saison 1968/69, die Bayern durften zuhause - damals noch im Stadion an der Grünwalder Straße - vor eigenem Publikum feiern.

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Auch die nächsten vier Meistertitel in den 70er Jahren und 1980 machte der FCB zuhause klar. Bis heute gelang den Münchnern insgesamt zwölf Mal der entscheidende Schritt zum Titelgewinn im eigenen Stadion. Darunter auch ein Mal in einem echten Endspiel. 1971/72 traf der FCB am letzten Spieltag zuhause auf den zweitplatzierten FC Schalke 04, der nur einen Punkt weniger auf dem Konto hatte. Franz Beckenbauer und Co. siegten 5:1 und sicherten dem Club die zweite Bundesliga-Meisterschaft.

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Auswärts ließen die Bayern insgesamt sogar 13 Mal die Sektkorken knallen. Seit der Saison 2001/02 und damit elf Mal in Folge stand der Meistertitel sogar immer nach einem Spiel in der Fremde fest. Und zwei Mal wurde sogar auf dem Sofa gefeiert. 1988/89 sowie 2014/15 durften die Spieler zuhause am Fernseher zuschauen, wie der jeweilige Konkurrent seine letzte Chance verspielte. Beide Male hatten die Münchner ihr eigenes Spiel gewonnen, doch der 1. FC Köln (1989) und der VfL Wolfsburg (2015) konnten am folgenden Tag nicht nachziehen. In beiden Fällen war der FCB damit vorzeitig Deutscher Meister.

Überhaupt standen sie stolze 19 Mal schon vor dem letzten Bundesliga-Spieltag der jeweiligen Saison als Meister fest. In der Saison 2013/14 unter Coach Pep Guardiola sogar schon nach dem 27. Spieltag - die früheste Meisterschaft in der Geschichte der Bundesliga.

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Aber natürlich gab es auch die ganz engen Entscheidungen. So wie in der Saison 1985/86. Am vorletzten Spieltag trat das Team von Coach Udo Lattek bei Spitzenreiter SV Werder Bremen an - und fuhr mit einem glücklichen 0:0 nach Hause, weil Bremens Michael Kutzop in der 89. Minute einen Elfer an den Pfosten setzte. Am letzten Spieltag gewannen die Bayern dann 6:0 gegen Gladbach, gleichzeitig verlor Bremen 1:2 in Stuttgart - und die Münchner waren aufgrund des besseren Torverhältnisses Deutscher Meister. Übrigens zum ersten und bis heute einzigen Mal, dass ein Club Meister wurde, der zuvor an keinem der 33 Spieltage Tabellenführer war.

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Ebenfalls durch das bessere Torverhältnis ging der Titel 1999/2000 an die Säbener Straße - weil Bayer 04 Leverkusen, auch durch ein Eigentor von Michael Ballack, am letzten Spieltag bei der SpVgg. Unterhaching 0:2 verlor. Ein Jahr später hatten die Bayern am Ende zwar einen Punkt Vorsprung auf den Tabellenzweiten, aber so spannend und so knapp war die Entscheidung nie zuvor in der Geschichte der Bundesliga. Denn erst in der fünften Minute der Nachspielzeit gelang Patrik Andersson durch einen indirekten Freistoß im Strafraum der 1:1-Ausgleichstreffer beim Hamburger SV. Auf Schalke war die Partie gegen Unterhaching da schon lange vorbei und mit 5:3 von den Knappen gewonnen. Königsblau wäre bei einer Bayern-Niederlage erstmals seit 1958 wieder Deutscher Meister geworden. Doch die Freude der Schalker währte nur viereinhalb Minuten.

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Die aktuelle Meisterserie von Thomas Müller und Co. ist in Deutschland einmalig. Zum sechsten Mal in Folge geht die Meisterschale an die Isar. Der vorherige Rekord lag bei drei Meistertiteln in Folge. Dieses Kunststück gelang dem FCB indes zuvor bereits drei Mal - von 1972 bis 1974, von 1985 bis 1987 und von 1999 bis 2001. Das erfolgreichste Jahr in der Clubhistorie war dabei die Saison 2012/13. Das Team von Coach Jupp Heynckes holte 91 Punkte, hatte 25 Zähler Vorsprung auf Vizemeister Borussia Dortmund, erspielte ein Torverhältnis von +80 Treffern und feierte 29 Siege - alles Bundesliga-Bestmarken. Und am Ende holte die Mannschaft neben der Deutschen Meisterschaft auch noch den DFB-Pokal und die Trophäe in der Champions League - und feierte als erster deutscher Club das historische Triple.

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Mit dabei war damals wie heute Franck Ribéry. Der Franzose, der seit 2007 seine Tore in der Allianz Arena schießt, wird in dieser Saison zum achten Mal Deutscher Meister - und schließt damit zu den anderen Rekordmeistern Mehmet Scholl, Oliver Kahn, Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm auf. Meistercoach Jupp Heynckes steht mit seinen vier Meistertiteln in der Bayern-Rangfolge hingegen "nur" auf Platz drei. Hinter Ottmar Hitzfeld (5) und Rekordmeister Udo Lattek (6), der zwei Mal mit den Bayern drei Meistertitel in Folge gewann, 1972 bis 1974 und 1985 bis 1987.

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Kuriose Momente

Und auch rund um die Meisterfeiern der Roten gab es immer wieder lustige und kuriose Szenen. Wie 1997, als Mario Basler sich im letzten Heimspiel mit einem großen Plakat im Stadion bei Kölns Toni Polster bedankte, weil der am Spieltag zuvor mit einem Dreierpack gegen Leverkusen Bayern zur Meistertitel geschossen hatte. Der gleiche Basler erzielte zwei Jahre später im letzten Match vor eigenem Publikum gegen Bochum ein direktes Ecken-Tor. 2010 deklarierte sich Coach Louis van Gaal bei der Ansprache auf dem Marienplatz zum "Feierbiest".

Und dann war da natürlich auch noch der "Kaiser". Nach dem Titelgewinn 1993/94 ließ sich Coach Franz Beckenbauer bei der Meisterfeier im aktuellen Sportstudio des ZDF zum Schuss auf die Torwand überreden. Der Weltmeistermacher legte den Ball auf ein volles Weißbierglas - und verwandelte sicher.

Von Tobias Schild