Zusammenfassung

  • Boateng zeigte bei seinem Comeback sofort seine Qualitäten.

  • James gefiel mit einem sehr variablen Spiel.

  • Boateng könnte gegen Mainz in der Startelf stehen.

München - Das Gefühl für den tödlichen Pass war auf Anhieb wieder da. Mit seinem Assist zum 3:0-Endstand gegen den RSC Anderlecht krönte Jérôme Boateng sein Comeback nach fast viermonatiger Verletzungspause. Für den Innenverteidiger des FC Bayern München war der Erfolg zum Auftakt der Champions League ein erster Schritt zurück zu alter Stärke.

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"Es ist ein schönes Gefühl", sagte Boateng nach seinem ersten Einsatz in dieser Spielzeit. "Ich habe lange darauf gewartet und freue mich natürlich, dass ich bei einem Champions-League-Spiel reinkommen darf und wir gewinnen." Und dass er selbst mit seinem präzisen Zuspiel auf Joshua Kimmich in der Schlussminute seinen Teil dazu beitragen konnte, rundete den gelungenen Abend für Boateng ab: "Wir kennen uns schon ein bisschen länger und ich konnte das Spiel auch lange genug beobachten. Arjen hatte auch ein paar super Läufe. Da habe ich Josh gesehen und das hat ganz gut gepasst."

Startelf-Debüt für James Rodriguez

Der am Ende auch in der Höhe verdiente Sieg gegen den belgischen Meister täuschte aber nicht darüber hinweg, dass der FC Bayern von seiner Topform noch ein gutes Stück entfernt ist. Zwar hatten die Münchner gegen den seit der elften Minute in Unterzahl agierenden Gegner 68 Prozent Ballbesitz, doch der beruhigende zweite Treffer nach der frühen Führung durch Robert Lewandowski (12.) gelang Thiago erst in der 65. Minute. "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht", sagte Boateng. "Wir hätten einfach schneller spielen müssen. Wir hätten gegen eine Mannschaft in Unterzahl viel mehr Torchancen kreieren können."

Einer, der in der Offensive häufig versuchte, die Initiative zu ergreifen, war James Rodriguez. Der Neuzugang von Real Madrid, der wie Boateng zuletzt wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel pausieren musste, bekam von Trainer Carlo Ancelotti von Beginn an das Vertrauen. Nach seinem zwölfminütigen Kurzeinsatz am Samstag bei der 0:2-Niederlage in Hoffenheim feierte der Kolumbianer sein Startelfdebüt für seinen neuen Club.

© gettyimages / Grimm / Bongarts

Ursprünglich auf der Zehnerposition aufgeboten, präsentierte sich James sehr variabel und tauschte häufig mit seinen Offensivkollegen auf den Außenbahnen, Franck Ribéry und Arjen Robben, die Positionen. Auch wenn bei seinen Aktionen noch die Feinabstimmung fehlte, sorgte der 26-Jährige immer wieder für Torgefahr. Sein erstes Tor verhinderte allerdings Anderlechts Torhüter Mats Sels, der in der 67. Minute seinen wuchtigen Distanzschuss entschärfte.

James will sich nicht festlegen

"Ich bin froh und glücklich, weil es mir besser geht", sagte James nach seinem Startelf-Einstand bei ESPN. Was seine bevorzugte Position angehe, wolle er sich nicht festlegen, schließlich fühle er sich sowohl auf Links- als auch Rechtsaußen, sowie in der Mitte wohl. "Dort, wo mich Carlo Ancelotti aufstellt, versuche ich, mein Bestes zu geben." Den Dank seines Trainers und ein paar aufmunternde Worte holte sich James bei seiner Auswechslung in der 85. Minute persönlich ab.

Das allgemeine Fazit Ancelottis zur Leistung seiner Bayern fiel indes gemischt aus. "Uns hat die Intensität gefehlt und wir haben die Lücken nicht gefunden. Aber wenn die Kontrolle da ist, genügt das auch mal", sagte der Italiener. "Insgesamt bin ich zufrieden." Nach der ersten Saisonniederlage am vergangenen Wochenende hat der Rekordmeister jedenfalls auf dem Platz die richtige Antwort gegeben.

Boateng beschwört Teamgeist

Am Samstag gilt es nun auch in der Bundesliga gegen den 1. FSV Mainz 05 wieder nachzulegen, um der zuletzt aufgekommenen Unruhe entgegenzuwirken.  "Die Saison ist noch jung, aber wir dürfen nicht denken, dass wir noch in der Vorbereitung sind", fordert auch Boateng. "Wir müssen ganz schnell als Mannschaft zusammen daran arbeiten."

Der 29-Jährige will sich nach seinem Comeback geduldig an seine alte Form heranarbeiten, um so auch dem Team wieder helfen zu können. "Es ist klar, dass ich nicht von heute auf morgen direkt alle Spiele auf dem Niveau wie vorher spiele, aber das muss ich mir erarbeiten. Das geht über Spielpraxis und gutes Training", sagt Boateng - und brennt bereits auf seinen ersten Startelf-Einsatz: "Wir werden das die Woche diskutieren und wenn es geht, fange ich auch gerne mal ein Spiel an."

Aus München berichtet Maximilian Lotz