Köln - Eine Woche nach Ihrem jeweiligen Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League treffen der FC Bayern München und Borussia Dortmund im Halbfinale des DFB-Pokals aufeinander. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Ottmar Hitzfeld, der mit beiden Clubs viele Titel feierte, über seine Erwartungen, den Ausfall von Manuel Neuer und erklärt, welche Mannschaft bei diesem Duell mehr zu verlieren hat.

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bundesliga.de: Herr Hitzfeld, auf was für eine Partie kann man sich bei diesem Klassiker freuen?

Hitzfeld: Nach wie vor ist der FC Bayern der Favorit, vor heimischem Publikum sowieso. Hätte dieses Halbfinale in Dortmund stattgefunden, wäre es eher 50:50 gewesen. Aber in der Allianz-Arena ist der FC Bayern eine Macht. Das hat man ja zuletzt beim 4:1-Sieg gegen den BVB erneut feststellen können.

bundesliga.de: Für welches Team spricht eher die Form, nachdem sich sowohl die Münchner als auch die Dortmunder in der vergangenen Woche von der Champions League verabschiedet haben?

Hitzfeld: Der FC Bayern muss sicherlich eine Reaktion zeigen, aber auch der BVB will reagieren. Nichtsdestotrotz ist der Druck beim FC Bayern größer, denn nach dem Aus im Viertelfinale ist es für seinen Stellenwert enorm wichtig, dass man auch in dieser Saison das Double gewinnt. Bayern steht sicherlich unter Druck, aber er kann in solch einer Situation Leistung bringen.

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bundesliga.de: Ist es mit dem Aus in der Champions League eher für die Bayern oder für den BVB einfacher umzugehen?

Hitzfeld: Für den FC Bayern, vor allem weil Borussia Dortmund mit einer Situation umzugehen hat, die noch in der Verarbeitung ist. Überall wird man als BVB-Spieler oder BVB-Verantwortlicher auf diesen Sprengstoff-Anschlag angesprochen, und das ist nicht einfach damit umzugehen. Das beschäftigt natürlich die Spieler. Die Bayern sind ja mit viel Unglück bei Real Madrid ausgeschieden und konnten erhobenen Hauptes nach Hause fliegen. Nun werden sie mit aller Macht versuchen, die Meisterschaft und den DFB-Pokal unter Dach und Fach zu bringen.

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bundesliga.de: Bei Dortmund scheint es in dieser Saison mit der Balance nicht zu stimmen, sprich unglaublich stark in der Offensive, aber anfällig in der Defensive.

Hitzfeld: Es stimmt, dass die Borussia im Spiel nach vorne eine brutale Qualität vorweisen kann, aber im Abwehrbereich wäre es wünschenswert, wenn sie stabiler wäre. Das ist wohl auch der Grund, warum Thomas Tuchel immer wieder umgestellt hat, mal mit einer Dreier-, mal mit einer Viererkette spielt. Im Endeffekt kassiert Dortmund in dieser Saison zu viele Tore. Man braucht sich nur die Statistik anzuschauen: Allein in der Bundesliga hat der BVB doppelt so viele Treffer kassiert wie der FC Bayern. Das spricht eindeutig für die Schwachstelle bei der Borussia.

bundesliga.de: Manuel Neuer fällt verletzungsbedingt bis zum Saisonende aus. Kann das an diesem Mittwoch eine große Rolle spielen ?

Hitzfeld: Ich würde von einem kleinen Handicap für Bayern sprechen, weil nicht Manuel Neuer hinter der Abwehr im Tor steht, und das ist für die Defensiv-Spieler sicherlich eine kleine Umstellung. Aber das Vertrauen in Sven Ulreich ist da. Für ihn ist es die Möglichkeit, sich zu bewähren und Spielpraxis zu sammeln.

bundesliga.de: Auch in der Innenverteidigung gibt es mit Jerome Boateng und Mats Hummels, die beide angeschlagen sind, gewisse Sorgen.

Hitzfeld: Klar hat der FC Bayern einige Probleme zu lösen und der BVB kann mit Pierre-Emerick Aubameyang, Marco Reus und Ousmane Dembele dieser Bayern-Abwehr einige Sorgen bereiten, wenn sie schnell umschalten, wie man es beim Tor der Dortmunder in München vor zweieinhalb Wochen sehen konnte, als die Bayern ausgekontert wurden. Aber Bayern ist eine Mannschaft, die sehr gutes Pressing spielt, und versucht, auch die Gefahr von ihrem eigenen Tor fernzuhalten. Nach vorne macht Bayern sehr viel Druck und versucht, die Abwehr sehr hoch aufzustellen, um Dortmund nicht zur Entfaltung kommen zu lassen.

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bundesliga.de: Wer kommt nun ins Finale?

Hitzfeld: Ich glaube, dass Bayern ins Finale einzieht, aber mal sehen, ob es nach 90 oder 120 Minuten der Fall sein wird. Es wird spannend.

Das Interview führte Alexis Menuge