Zusammenfassung

  • Statistisch hat das Heynckes-Team 2012/13 eine wahre Rekord-Saison hingelegt

  • Neun Spieler aus der Triple-Saison stehen aktuell noch im Bayern-Kader

  • Meister sind die Bayern schon, im DFB-Pokal und in der Champions League sind die Titel in Reichweite

Köln - Der FC Bayern München tanzt noch auf allen Hochzeiten: Nach der Deutschen Meisterschaft, die seit dem 29 Spieltag feststeht, folgte im Halbfinale des DFB-Pokals ein furioser 6:2-Sieg bei Bayer Leverkusen. Und im Champions-League-Halbfinale ist trotz der 1:2-Niederlage im Hinspiel gegen Real Madrid der Finaleinzug noch möglich. Natürlich werden dieser Tage Erinnerungen an die legendäre Triple-Saison 2012/13 wach, nicht zuletzt weil der Trainer damals wie heute Jupp Heynckes hieß.

Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, sagte vor dem Rückspiel in Madrid: "Wenn wir uns im Bernabeu den Traum von Kiew (Finalort am 26. Mai, Anm.d.Red.) verwirklichen wollen, brauchen wir definitiv die beste Leistung der gesamten Saison."

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Statistisch ist die Triple-Saison 2012/13 nicht zu toppen: Insgesamt 91 Punkte holte der FCB in der Bundesliga - das ist absoluter Rekord. In dieser Saison können die Bayern theoretisch noch auf 87 Punkte kommen. Auch einen neuen Siegrekord (29) und einen Zu-Null-Rekord (21 Spiele) stellten die Münchner im Sommer 2013 auf. Beide Bestmarken sind in dieser Saison nicht mehr knackbar. Maximal kann die Heynckes-Elf auf 28 Siege kommen. Und auch der Zu-Null-Rekord ist nach dem 4:1 gegen Augsburg am 29. Spieltag nicht mehr einstellbar.

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Die Heynckes-Elf lag am Ende der Saison 2012/13 satte 25 Punkte vor der Konkurrenz – einen so großen Vorsprung gab es nie zuvor (zu keinem Saisonzeitpunkt). Drei Spieltage vor Schluss beträgt Bayerns Vorsprung auf den ersten Konkurrenten 22 Zähler – nicht unmöglich, dass der FCB diesen noch auf mehr als 25 Punkte ausbaut.

Weitere Bestmarken damals, die wahrscheinlich noch lange Zeit Bestand haben: Die Tordifferenz von +80 ist ebenso ein Bundesliga-Rekord wie die 49 Punkte in der Rückrunde.

Neun aktuelle Spieler schon 2013 dabei

Das Kader-Gerüst aus der Triple-Saison ist in weiten Teilen auch heute noch vorhanden. Insgesamt neun Spieler aus dem aktuellen Kader waren auch schon 2013 dabei (Müller, Ribery, Rafinha, Martinez, Alaba, Neuer, Robben, Boateng und Starke). Einige Bayern wissen also, wie es sich anfühlt gleich drei Pokale in einer Saison in die Höhe zu heben.

Aus der Startaufstellung des Champions-League-Endspiels 2013 müsste der FC Bayern bei einem erneuten Finaleinzug vermutlich nur vier Akteure ersetzen. Philipp Lahm (Karriereende), Dante (OGC Nizza), Bastian Schweinstiger (Chicago Fire) und Mario Mandzukic (Juventus Turin) stehen nicht mehr beim Rekordmeister unter Vertrag. Zudem ist ein Einsatz von Manuel Neuer nach wie vor fraglich.

Insgesamt neun Spieler im aktuellen Kader waren auch schon 2013 unter Trainer Heynckes dabei - in der Grafik sind die Spieler mit den meisten Einsätzen auf der jeweiligen Position zu sehen
Insgesamt neun Spieler im aktuellen Kader waren auch schon 2013 unter Trainer Heynckes dabei - in der Grafik sind die Spieler mit den meisten Einsätzen auf der jeweiligen Position zu sehen © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA

Martinez wieder der Stabilisator

Damals wie heute ist Javier Martinez ein ganz wichtiger Eckpfeiler im Team von Jupp Heynckes. Eine seiner ersten Amtshandlungen als neuer Bayern-Trainer war, dass er den Spanier wieder im defensiven Mittelfeld spielen ließ. Unter Carlo Ancelotti agierte Martinez zumeist in der Innenverteidigung.

In den 16 Bundesliga-Spielen der Saison unter Heynckes mit Martinez im defensiven Mittelfeld blieb der FC Bayern zehn Mal ohne Gegentor. Wenn der Spanier unter Heynckes auf dem Platz stand, gab es nur sechs Gegentreffer. Schon in der Triple-Saison 2012/13 war Martinez der Stabilisator: Da kassierte Bayern in 27 Spielen mit Martinez nur acht Gegentore. 

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Die Bayern stehen für Ballbesitz

In der Saison 2012/13 waren die Bayern vor allem für ihren Ballbesitzfußball bekannt. 61 Prozent der Spielanteile hatten die Münchner in ihren Spielen über die Saison gesehen. In der aktuellen Saison konnten die Münchner diesen Wert bislang sogar überbieten. Nach 31 Spieltagen kommen die Bayern durchschnittlich auf 63 Prozent der Ballbesitzphasen.

Auffällig ist, dass die Bayern in der laufenden Bundesliga-Spielzeit deutlich mehr Großchancen zulassen als noch in der Triple-Saison 2012/13. Die Münchner hatten im Saisonverlauf also durchaus Glück, dass sie nicht mehr Gegentore kassiert haben, denn 20 von 26 Großchancen wurden von den Gegnern ausgelassen. Und selbst vergaben die Münchner 2017/18 40 von 82 Großchancen, das ist eine eher schwache Quote für den Rekordmeister.

Seit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft Anfang April haben die Münchner Tempo und Konzentration extrem hoch gehalten: In der Bundesliga folgten ein 5:1 gegen Gladbach und ein 3:0 in Hannover, im Pokal der bereits erwähnte Torrausch in Leverkusen und in der Champions League das souveräne Weiterkommen gegen den FC Sevilla.

Angesichts der jüngsten Leistungen ist der Traum vom erneuten Triple aktuell lebendiger denn je...

Alexander Barklage

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