Die Bundesliga geht in eine spannende Schlussphase. Titelverteidiger Bayern München sitzt dem VfL Wolfsburg vier Spieltage vor Saisonende mit drei Punkten Rückstand im Nacken. bundesliga.de sprach mit Bayern-Präsident Franz Beckenbauer über den Titelkampf, die Trainerfrage und die Faszination Bundesliga.

bundesliga.de: Warum ist die aktuelle Bundesligasaison eigentlich so spannend?

Franz Beckenbauer: Ja, warum ist sie so spannend? Für die Zuschauer ist es natürlich höchst interessant, so eine Spannung zu haben. Auf der anderen Seite: Wo Stärken sind, sind auch Schwächen. Ich glaube, dass die aktuelle Situation auch aus einer Schwäche heraus kommt, nämlich aus der Schwäche des FC Bayern, aus der Schwäche der Bremer, die irgendwo im Mittelfeld verschwunden sind, und auch aus der Schwäche der Schalker, die in den letzten Jahren immer wieder in der Champions League dabei waren.

bundesliga.de: Wie erklären sie sich die Stärke von Wolfsburg und Hertha BSC auf der anderen Seite?

Beckenbauer: Ich habe es ja gerade versucht zu erklären. Die Stärke auf der einen Seite ist auch die Schwäche auf der anderen. Ich glaube, wenn die Bayern, die Schalker und die Bremer, weil ich die drei jetzt genannt habe und weil die drei in den letzten Jahren auch den Ton angegeben haben, das ganz Jahr in Normalform gespielt hätten, dann würde es keine Überraschung a la VfL Wolfsburg oder Hertha BSC geben.

bundesliga.de: Warum tut sich der FC Bayern in dieser Saison so schwer?

Beckenbauer:(lacht) Ja, warum. Es gab einen spektakulären Wechsel im Tor. Oliver Kahn hat aufgehört, Michael Rensing kam ins Tor. Es ist natürlich schwierig, wenn man 14 Jahre einen Torhüter gewohnt ist - und ich weiß es ja selbst, ich habe ja auch lange Zeit mit einem Sepp Maier gespielt -, wenn plötzlich ein anderer hinter dir drin steht. Da fehlt natürlich die Bindung und es fehlt das Vertrauen. Das war sicherlich auch mit ein Grund, warum der FC Bayern so viele Gegentore kassiert hat. Die Abstimmung hat nicht ganz funktioniert. Dann kam auch ein neuer Trainer. Jürgen Klinsmann hat versucht alles über den Haufen zu werfen, was bisher gut war. Das ist ihm nicht gelungen.

bundesliga.de: Der Trainerwechsel von Klinsmann zu Jupp Heynckes kam doch etwas überraschend. Warum war der Wechsel notwendig, warum ist Heynckes vor allen Dingen jetzt der richtige Mann?

Beckenbauer: Mit Jürgen Klinsmann ging es nicht mehr weiter, der Vertrauensverlust war einfach zu groß, ob es die Vereinsführung war oder die Mannschaft selbst. Ich denke, man hat mit Jupp Heynckes einen gefunden, der ein alter Fuhrmann ist. Ein Fußballlehrer, der gezeigt hat, dass er es kann. Also ich denke, es ist eine sehr, sehr gute Lösung.

bundesliga.de: Jupp Heynckes ist aber nur eine Lösung bis zum Saisonende. Was für einen Trainer braucht der FC Bayern denn ab Sommer?

Beckenbauer:(lacht) Ja, einen Zauberer! Am besten einen Zauberer aus dem Zirkus Krone. Das wäre das beste. (lacht weiter) Nein, er muss natürlich alles haben, was ein guter Trainer haben muss. Also ich wäre schon sehr zufrieden, wenn er in die Nähe eines Gus Hiddink kommt, den ich sehr verehre und der für mich einer der besten Trainer auf der ganzen Welt ist. Also wenn wir so einen finden würden, dann wäre das optimal.

bundesliga.de: Warum wird der FC Bayern nach dem Sieg gegen Borussia Mönchengladbach doch noch Meister?

Beckenbauer: Allein der Sieg gegen Gladbach wird nicht reichen. Man wird die anderen vier Spiele auch noch gewinnen müssen, um die Chance zu haben Deutscher Meister zu werden. Und dann ist es auch nicht garantiert, denn die Wolfsburger sind nach wie vor vorne und haben Vorteile. Man muss auf einen Ausrutscher von Wolfsburg warten und ob der passiert, weiß ich nicht. Wenn man noch eine kleine Chance haben will, müssen allerdings die restlichen vier Spiele gewonnen werden.

bundesliga.de: Was ist Ihnen in dieser Saison wirklich sehr positiv aufgefallen?

Beckenbauer: Das Auffälligste waren sicherlich wieder die Zuschauer - das ist fantastisch. Wieder ein neuer Rekord. Ich glaube 41.000 im Schnitt oder sogar mehr. Das ist absoluter Weltrekord. Das hat nicht mal die Premier League in England.