Basel - Holger Badstuber war nach dem 0:1 beim FC Basel richtig sauer. Wutentbrannt marschierte der Abwehrchef des FC Bayern schon 20 Minuten nach dem Abpfiff im St. Jakob-Park in Richtung Mannschaftsbus und ließ die wartende Schar der Journalisten links liegen.

Es dauerte weitere 20 Minuten bis Badstubers Kollegen frisch geduscht aus den Kabinen traten. Die Gesichter waren ähnlich versteinert, dennoch hatten die meisten erste Erklärungsversuche für die Pleite parat.

"Situation ist belastend"

"Wir können unseren Fußball zurzeit nur umsetzen, wenn wir auch in Führung gehen. Dann gewinnen wir ja meist auch die Spiele. Aber wenn es lange 0:0 steht und der Gegner auch noch ebenbürtig ist, dann sieht es am Ende leider häufig blöd für uns aus. Das war in Basel wieder der Fall", meinte zum Beispiel Manuel Neuer im Interview.

Und Toni Kroos sowie Mario Gomez stellten unisono fest: "Der Wille und die Einsatzbereitschaft waren da. Aber wir können derzeit nicht so befreit aufspielen. Die Situation ist schon ein wenig belastend."

Ribery vergibt Chancen

Dabei fing eigentlich alles wie gewünscht an. Franck Ribery hätte schon in den ersten 15 Minuten zum Mann des Tages avancieren können. Er vergab aber zwei Mal freistehend aus wenigen Metern die Führung.

Doch fortan übernahmen die Hausherren das Kommando und ließen die Defensive der Bayern ein ums andere Mal alt aussehen. Wäre Neuer nicht gewesen, es hätte schon zur Pause 0:2 stehen können.

Badstuber war zu dem Zeitpunkt schon am Anschlag. Immer wieder versuchte er, seine Nebenleute wachzurütteln. Genützt hat es nichts. Nach dem späten Gegentor bekam der eingewechselte Thomas Müller dafür eine Standpauke vom seinem Nationalmannschaftskollegen. Das gab es in der Form auch noch nie.

Schwierige Phase "dauert viel zu lange"

"Wir haben uns das alles ein wenig anders vorgestellt. Wir haben klasse Einzelspieler, aber es läuft derzeit nicht rund und flüssig. Wir stecken momentan in einer schwierigen Phase und die dauert schon viel zu lange an", analysierte Neuer
die sportliche Situation der Münchner.

In der Bundesliga haben Dortmund und Mönchengladbach dem Rekordmeister den Rang abgelaufen. Folgt nun das Aus im Achtelfinale der Champions League und platzt dadurch der Traum vom Endspiel in der heimischen Allianz Arena?

Manager Christian Nerlinger sieht dieses Horroszenario noch weit entfernt. "Natürlich haben wir uns ein anderes Ergebnis gewünscht. Aber dieses 0:1 lässt für das Rückspiel noch alles offen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die Partie in München drehen und weiterkommen werden", sagte er.

Rummenigge: "Ihr müsst wach werden"

Doch vor dem Rückspiel gegen Basel steht in München am Sonntag eine weitere schwierige Aufgabe auf dem Programm: Der FC Schalke 04 wird dann zu Gast sein. Eine Niederlage und die Bayern würden hinter den "Königsblauen" auf Rang 4 der Tabelle zurückfallen.

Soweit soll es nicht kommen. "Jetzt ist es wichtig, dass wir selbstkritisch mit unserer Leistung umgehen und die Fehler intern ansprechen. Wir müssen so schnell wie möglich unser Selbstvertrauen zurückgewinnen. Und da müssen wir am Sonntag gegen Schalke wieder mit anfangen", forderte Neuer.

Etwas direkter drückte sich Vorstandboss Karl-Heinz Rummenigge. "Ich glaube, es ist jetzt ein wichtiger Moment in unserer Saison gekommen. Ich appelliere an die Mannschaft: Ihr müsst jetzt wach werden. Jetzt gilt nur noch 'Einer für alle und alle für einen'. Und am Sonntag geht es damit los", teilte Rummenigge den Profis kurz nach Mitternacht auf dem traditionellen Bankett mit. Holger Badstuber war da immer noch nicht wieder ganz auf Normaltemperatur.

Aus Basel berichtet Michael Reis