München - Frühes Aufstehen ist nicht jedermanns Sache. Für die Spieler des FC Bayern München war es am zweiten Tag des neuen Jahres aber ganz offensichtlich kein Problem. Ab halb acht Uhr morgens, als der Himmel über dem Erdinger Moos nordöstlich von München noch glutrot war, trudelten sie am Flughafen ein: ausgeschlafen, aufgeweckt und allesamt bestens gelaunt.

Auch Abwehrspieler Breno, der nach Intervention des deutschen Rekordmeisters trotz des Verdachts der Brandstiftung mit nach Katar reisen durfte, wirkte vergnügt.

"Optimale Bedingungen" in Doha

"Jetzt wird's ernst", sagte Sportdirektor Christian Nerlinger, ehe er das Flugzeug ins fünfeinhalb Flugstunden entfernte Doha bestieg, "und entsprechend werden wir uns vorbereiten." Ernst, weil: Der FC Bayern ist Tabellenführer der Fußball-Bundesliga, steht im Viertelfinale des DFB-Pokals und im Achtelfinale der Champions League - aber als Garantie zum Gewinn mindestens eines Titels will das bei den Münchnern niemand verstanden wissen. Erst im Mai, erinnerte Holger Badstuber, "werden die Preise vergeben".

Nerlinger ist "grundsätzlich sehr zuversichtlich für die Rückrunde", die Ausgangssituation gut. In Doha herrschten "optimale Bedingungen", verspricht der Sportdirektor. Außerdem: Bastian Schweinsteiger könne nach dem Auskurieren seiner Schulterverletzung "ohne Probleme mittrainieren, das ist eine absolut wichtige Personalie". Auch Arjen Robben sei bereit, es sei ein "Riesenvorteil, dass beide voll dabei sind". Schweinsteiger werde beim Auftakt zur Rückrunde in Mönchengladbach (20. Januar) spielen können, glaubt der Sportdirektor.

"Müssen Meister werden"

Während Kapitän Philipp Lahm vor dem Einsteigen ins Flugzeug noch schnell behauptete, das kommende Jahr mit unter anderem dem Champions-League-Endspiel in München und der Europameisterschaft sei ein "Fußball-Jahr wie jedes andere", wurde Schweinsteiger schon ein wenig konkreter, was die Erwartungen zumindest des FC Bayern für die kommenden fünf Monate angeht: "In einem Jahr, in dem das Champions-League-Finale in München stattfindet, sollte man schon das Ziel haben, da hinzukommen." Dieser Preis wird am 19. Mai vergeben.

Zwei Wochen zuvor, am 5. Mai, wird zunächst die Meisterschale überreicht, und Thomas Müller hat vor dem Abflug nach Katar in der "Bild" klargestellt: "Nochmal wollen wir den Dortmundern nicht beim Feiern zusehen." Und der Nationalspieler ergänzte: "Ich posaune nicht hinaus: Wir werden Meister! Sondern ich fordere meine Kollegen und mich selbst auf: Wir müssen Meister werden." Ach, und am 12. Mai, wenn in Berlin der Sieger im DFB-Pokal ermittelt wird, wäre der FC Bayern natürlich auch mindestens gerne dabei.

Breno kämpft um einen Platz im Team

Den Satz von den Preisvergaben im Mai hat beim FC Bayern einst Louis van Gaal geprägt, mit ihm redete er sich auch noch heraus, als die Münchner vor gut einem Jahr erstmals Trainingsquartier in Doha bezogen, mit 14 Punkten Rückstand auf Borussia Dortmund. Die geplante Aufholjagd scheiterte grandios - auch, weil zuvor am Persischen Golf ziemlich dicke Luft herrschte. Van Gaal hatte ohne Not einen Torhüterwechsel beschlossen, und kurze Zeit später ging Kapitän Mark van Bommel, verärgert ob der Verpflichtung von Luiz Gustavo, nach Mailand.

Im Januar 2012 aber wirkt der FC Bayern wieder wie eine große Familie. Eine Familie, die sehr um ihre Sorgenkinder bemüht ist. Schon vor dem Abflug nach Katar stand jedenfalls Breno unter anderem lachend mit Müller und David Alaba zusammen, und Nerlinger sagte: "Er ist auf dem Weg, voll integriert zu werden, auch sportlich. Der Zeitpunkt ist gekommen, wo er um seinen Platz in der Mannschaft kämpfen kann."

Bei der ersten Trainingseinheit in Doha am Montagabend fehlten allerdings die Brasilianer Rafinha und Luiz Gustavo. Beide reisen direkt aus ihrer Heimat nach Doha und stehen Trainer Jupp Heynckes erst am Dienstag zur Verfügung.